Rheinpfalz Höchstens 30 Sekunden für ein Schloss

Erst mal ein Schock, als Polizeibeamte an der Haustür klingeln. Doch passiert ist – noch – nichts. Nach einer Einbruchserie im April und Mai machen die Polizisten die Bevölkerung verstärkt auf Langfinger aufmerksam. Bei Rundgängen durch Schönenberg-Kübelberg und Waldmohr gaben Polizisten gestern Tipps, wie das Risiko von Einbrüchen reduziert werden kann.
Zehn Polizisten, darunter auch Beamte der Bereitschaftspolizei Enkenbach-Alsenborn, streiften gestern als potenzielle Einbrecher durch den Südkreis, um Anwohner auf offene Fenster im Keller, am Auto sowie offene Haustüren und Garagen aufmerksam zu machen. „Hintergrund der Aktion ist eine Serie, bei der binnen weniger Tage in rund 20 Häuser eingebrochen wurde“, erläutert Reiner Hüttel, Leiter der Polizeiwache Schönenberg-Kübelberg. Bereits am ersten Haus werden die Beamten fündig. „Das Garagentor ist nur angelehnt.“ Polizist Willi Esser öffnet das Tor, während Hüttel an der Tür klingelt. Niemand zu Hause. „Das ist ein gefundenes Fressen“, sagt Hüttel. In der Garage lagern unter anderem vier neue, noch eingepackte Sommerreifen samt Aluminiumfelgen. „Da liegt der Schaden schnell bei mehreren hundert Euro.“ In diesem Moment erscheint die Nachbarin auf der Bildfläche. „Ich dachte, es wäre was passiert“, sagt sie erschrocken, aber dann findet sie gut, dass die Polizei Präsenz zeigt. Verdutzt schaut auch ein junger Mann im westlichen Teil Waldmohrs drein, als die Polizei vor seiner Tür steht und ihn auf ein geöffnetes Fenster im Erdgeschoss aufmerksam macht. Die Einbruchszahlen seien trotz der Einbruchsserie nicht schlimmer als im Jahr zuvor, verweist Hüttel auf die Statistik und reicht dem erleichterten Anwohner eine Info-Broschüre. „In vielen Fällen ist der Schock nach dem Einbruch schlimmer als der finanzielle Schaden“, weiß er. Bei den Einbrüchen gebe es eine neue Qualität. „Vermutlich sind die nicht länger als vier Minuten in einem Haus und greifen sich meist kleine Gegenstände, die gut zu verkaufen sind“, fasst Esser zusammen. Die Täter brauchten maximal 30 Sekunden, um mit einem Schraubendreher eine Haustür aufzuhebeln – je nach Qualität der Türen. „Alleine abschließen hilft schon ungemein“, ergänzt Hüttel. Auch ein rundum beleuchtetes Haus schrecke ab. „Sie dürfen alles mitnehmen, aber Finger weg vom Traktor“, ruft ein Anwohner lachend und winkt, während Esser am Nachbarhaus erneut ein offenes Fenster gesichtet hat. Der junge Mann arbeitet hinter dem Haus und ist ebenfalls überrascht vom unerwarteten Besuch. „Wir reden lieber jetzt fünf Minuten, als zwei Stunden lang einen Tatort aufzunehmen“, rechtfertigt Esser die Aktion. Zwei Häuser und eine offene Fahrzeugtür später ist die Streife auch voll des Lobes für einen Hausbesitzer. „Im Keller sind Gitter an den Fenstern, und die Hintertür ist mit einer Gittertür gesichert.“ Maßnahmen, die einen Einbrecher viel Zeit kosten. „Die Polizei kann nicht überall sein, aber durch kleine Maßnahmen kann man schon viel verhindern“, betont Hüttel. (hlr)