Rheinpfalz Gruselige Lehrstunde

Nur der Mond leuchtet den Kindern den Weg bei ihrer Entdeckungstour auf der Burg.
Nur der Mond leuchtet den Kindern den Weg bei ihrer Entdeckungstour auf der Burg.

Die Dunkelheit legt sich über den Bergfried und die Zinnen auf Burg Lichtenberg. Die meisten Besucher sind am Samstagabend schon längst wieder zuhause, nur im Restaurant sitzen vereinzelt noch Gäste. Doch was ist das? Eine Gruppe Kinder läuft über das Gelände, bewaffnet mit kleinen schwarzen Kästchen. Nur der Mondschein leuchtet den 13 Teilnehmern der Halloween-Aktion „Nachts im Urweltmuseum“ den Weg.

Die begeisterten Entdecker sind zwischen sieben und zwölf Jahre alt. Bei den Kästchen in ihren Händen handelt es sich um Bat-Detektoren, mit denen die Kinder die Ultraschallwellen von Fledermäusen wahrnehmen können. Hoch halten sie die Geräte beim Laufen in die Luft und lauschen gespannt. Rund um den Bergfried flattern die kleinen Tierchen. „Ich hör’ was!“ – „Da ist ja eine!“ – „Wie schnell die fliegt!“ Jedes leise Knattern aus dem Kasten sorgt für helle Aufregung bei den jungen Forschern. Vanessa Zürrlein erklärt den freudestrahlenden Kindern: „Bei uns auf der Burg gibt es Zwergfledermäuse, Abendsegler und Mausohren – alles verschiedene Fledermausarten.“ Die Umweltwissenschaftlerin erläutert das Ultraschallsystem, das die Fledermäuse beim Orten ihrer Beute nutzen: „Die sehen quasi mit ihren Ohren.“ Gemeinsam mit Silke Körner bietet Zürrlein die Forschungsnächte für Nachwuchsentdecker seit fünf Jahren an. Körner ist gelernte Erzieherin und durch eine Ausbildung zur Natur- und Landschaftsführerin auf die Idee gekommen, beide Bereiche zu verknüpfen. „Zweimal im Jahr veranstalten wir das jetzt“, sagt Körner. Und die interessierten Gesichter der Kinder verraten, wie gut die Aktion ankommt. Die neunjährige Theresa aus Erlenbach zum Beispiel ist bereits zum zweiten Mal dabei. „Ich finde die Gruppe toll und die Burg schön, und ich lerne gerne etwas Neues“, sagt die Viertklässlerin. „Außerdem mag ich die Gutenachtgeschichten.“ Der zwölfjährige Tim aus Erdesbach berichtet, während er bei der Nachtwanderung akribisch seine Umgebung beäugt : „Ich war schon mal dabei, und mit Freunden macht das sehr viel Spaß.“ Es ist kalt und windig auf der Burg und im Dunklen auch ein wenig gruselig – alles passt für die Halloween-Ausgabe der Veranstaltung. Plötzlich durchbricht lautes Vogelgeschrei jäh die fast schon gespenstische Ruhe. Schlagartig schnellen alle Blicke Richtung Himmel. Sehen kann man den Vogelschwarm zwar nicht, doch man hört die Kraniche laut und deutlich, die auf ihrem Weg Richtung Süden sind. Nach der Wanderung geht es zurück ins Urweltmuseum Geoskop, um den nächsten Teil des Abends zu starten. Das Licht im Museum ist ausgeschaltet, und alle Kinder greifen zu ihrer Taschenlampe, um die Ausstellung aus einem ganz neuen Blickwinkel zu entdecken. Im Lampenschein sehen die Exponate ganz anders aus als bei Tageslicht, alles Vertraute wirkt ganz neu. Vor allem die Mammut-Sonderausstellung hat es den Entdeckern angetan. Die lebensgroße Nachbildung des Wollmammuts sorgt für allgemeines Staunen: „Die Augen sehen voll lebensecht aus!“ Tatsächlich, im Flackern der Lampen wirkt es so, als würde das Mammut einem zuzwinkern. Gespannt lauschen die kleinen Naturforscher Zürrleins Erläuterungen über den Körperbau und die Lebensgewohnheiten der friedlichen Urzeitriesen. Im Untergeschoss des Museums haben die Kinder die Chance, Fossilien und Skelette von Dinosauriern und anderen Geschöpfen zu bestaunen. Diese stammen überwiegend aus der Region, viele wurden in den Steinbrüchen in Pfeffelbach und Rammelsbach gefunden. Nachdem das gesamte Museum erkundet ist, machen es sich die Kinder in ihren Schlafsäcken gemütlich. Diese liegen rund um das Skelett eines prähistorischen Hais – ein bisschen gruselig ist das schon, aber immerhin haben es alle dank der Fußbodenheizung schön warm. Begleitet von Grimms Märchen, um nach dem anstrengenden Abend wieder runterzukommen, schlafen die Kinder langsam ein. Und träumen wohl von Dinosauriern, Mammuts und anderen Urzeitgeschöpfen…

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