Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Geiselberg: Erste Bürgermeisterin im Amt

Die Ansiedlung der Firma Weldcom sei ein Glücksfall für Geiselberg gewesen, so der ehemalige Bürgermeister Georg Spieß.  Foto: D
Die Ansiedlung der Firma Weldcom sei ein Glücksfall für Geiselberg gewesen, so der ehemalige Bürgermeister Georg Spieß.

Geiselberg hat erstmals eine Ortsbürgermeisterin: Am Montag wurde Marika Vatter ins Amt eingeführt – mit einem tollen Wahlergebnis, das ein Vertrauensbeweis sei, stellte Vatters Amtsvorgänger Georg Spieß fest, der nicht mehr kandidiert hatte. Zum neuen ersten Beigeordneten wurde Ulli Stahl gewählt, zweiter Beigeordneter ist Jürgen Trübenbach.

Geiselberg. Vatter ins Amt einzuführen, sei seine letzte Amtshandlung, sagte Spieß, der im August 1989 zum Bürgermeister ernannt worden war. Es sei ein spannender Abschnitt seines Lebens gewesen. Dass dieser fast drei Jahrzehnte umfassen würde, sei damals nicht absehbar gewesen. Viele Menschen hätten ihn in dieser Zeit unterstützt, hätten tatkräftig und konstruktiv mitgearbeitet, auch wenn schwierige Entscheidungen anstanden. Es habe treue Begleiter und ehrliche Ratgeber gegeben.

Erschließung des Gewerbegebiets ist zu teuer fürs Dorf

In Zeiten, in denen sich bis auf wenige Ausnahmen niemand einer Mitarbeit verweigert hätte, sei vieles erreicht worden, habe sich Geiselberg einen guten Namen weit über die Ortgrenzen hinaus erarbeitet, blickte Spieß zurück. Geiselberg habe frühzeitig ein Bodenordnungsverfahren eingeläutet, das läuft und wichtige Grundlage für die Zukunft des Ortes sein wird. Der Rat hatte bereits 2010 beschlossen, dass der Ort bis 2030 den Titel Bioenergiedorf tragen soll. Damit sei man der Zeit weit voraus gewesen, doch das Projekt sei aus diversen Gründen eingeschlafen.

Mit Blick auf den demografischen Wandel, sagte Spieß, sei es wichtig, die Zukunft des Dorfes aktiv zu gestalten. Konzepte für Geiselberg gibt es. Was das Gewerbegebiet „Seeberg“ anbelangt – die Ansiedlung der Firma Weldcom sei ein Glücksfall gewesen, der möglich wurde, weil der Gemeinderat in den 90er Jahren seine Hausaufgaben gemacht habe – überstiegen die Voraussetzungen für eine Erschließung schlicht die Möglichkeiten eines Dorfes. Er bat die Verbandsgemeinde, sich mit dem Thema zu befassen, um Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen.

„Angriffe gegen mich haben Gemeinde geschadet“

29 Ratsmitglieder, erinnerte Spieß, haben ihn in seinen sechs Amtszeiten begleitet. Lange habe es Kontinuität gegeben. Dass die vergangene Wahlperiode deutlich anders verlief, zeige sich auch am Verschleiß der Ratsmitglieder in diesen fünf Jahren. Seit 2014 waren 17 Personen im Rat (zwölf Sitze) tätig. Viele Wechsel habe es in den Jahren zuvor nicht gegeben.

Er wolle einzelne Ereignisse nicht noch einmal näher betrachten, sagte Spieß, aber: „Die vorwiegend persönlich motivierten Angriffe gegen mich haben weder dem Gemeinderat noch der Gemeinde geholfen. Sie sollten mich treffen und haben der Gemeinde geschadet.“ Darüber sollten sich alle – aktiv oder passiv – Beteiligten klar sein. Die Verwaltung sei, trotz eindeutiger Sachverhalte, oft gezwungen gewesen, großen Aufwand zu betreiben. Die Mitarbeiter dort hätten hervorragende Arbeit geleistet, was viele nicht respektiert hätten.

„Verletzend, beschämend, weit unter der Gürtellinie“

Nach der Amtseinführung der Bürgermeisterin werde er das Bürgerhaus verlassen, kündigte Spieß an. Dafür bitte er um Verständnis. „Alles, was in den letzten fünf Jahren behauptet, angerichtet, vorgebracht, geduldet und unterstützt wurde, war verletzend, beschämend und weit, weit unter der Gürtellinie“, begründete er diesen Schritt.

Bürgermeisterin zu sein, bedeute Verantwortung, viel Arbeit und auch mal Ärger – die Aufwandsentschädigung sei eher als Schmerzensgeld zu sehen, sagte er zu Vatter. Der ersten Frau an der Geiselberger Spitze wünsche er Unterstützung im Rat, viele Helfer und ein glückliches Händchen bei Entscheidungen. Vatter würdigte Spieß’ Arbeit. Mit unermüdlichem Einsatz habe er das Amt ausgeübt, zum Wohl der Gemeinde. Sein Wirken werde in Erinnerung bleiben.

Neue Bürgermeisterin verlangt Sachlichkeit

Was ihre Amtsführung anbelangt, so wolle sie den Rat umfassend informieren, ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Sie erwarte von den Ratsmitgliedern offene und ehrliche Meinungsäußerungen sowie sachliche Beratungen. Unvoreingenommen sollen Entscheidungen getroffen werden. Demokratie lebe von der Auseinandersetzung um die beste Lösung. Transparenz, Offenheit und Bürgernähe seien ihr wichtig, unterstrich Vatter.

Es gelte, eine Bestandsaufnahme zu machen, zu sehen, was erforderlich ist, und das in Einklang zu bringen mit den finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde. Vatter bat die Bürger, ihr Zeit für die Einarbeitung zu lassen. Begeisterung für das Amt und unbedingten Einsatzwillen bringe sie von Anfang an ein, versprach die Bürgermeisterin.

In Geiselberg war der personell stark veränderte Gemeinderat erstmals per Mehrheitswahl zusammengesetzt worden. Weil es keine Fraktionen gibt, beschloss der Rat, die Mustergeschäftsordnung zu ändern und jedem Ratsmitglied auch die Niederschriften der nicht-öffentlichen Sitzungen zu überlassen.

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