Rheinpfalz Geduldsprobe wegen Bauarbeiten

HÖHEINÖD. Vor einem Jahr begann der Ausbau der Kreuz- und Raiffeisenstraße in Höheinöd. Beide Straßen werden grundlegend saniert. Das stellt die Anlieger immer mal wieder auf eine Geduldsprobe. Die Geduld verlor aber kürzlich Doris Jasine, die in der Kreuzstraße wohnt. Zum dritten Mal wurde ihr Telefonkabel bei den Bauarbeiten vom Bagger durchtrennt. Während die ersten beiden Schäden schnell behoben wurden, hieß es dieses Mal neun Tage lang: „Dieser Anschluss ist nicht erreichbar.“
„So etwas kann eigentlich nicht sein“, sagt Jasine, die mittlerweile wieder telefonisch per Festnetz zu erreichen ist und – was für sie mindestens genau so wichtig ist – auch wieder eine Internetverbindung hat. Jasine stellt Schmuck mit Edelsteinen aus Idar-Oberstein her und verkauft viel im Internet, ist also auf funktionierende Datenverbindungen angewiesen. „Es kann ja nicht sein, dass ein Geschäft tagelang nicht erreichbar ist. Ein Kunde, der mich nicht kontaktieren kann, der nicht erfährt, was mit seiner Bestellung ist, wird doch nie mehr bei mir bestellen“, verdeutlicht sie ihr größtes Problem. Mittlerweile kann sie zumindest wieder ein bisschen über die Geschichte lachen. Dass ein Telefonkabel binnen eines Jahres drei Mal durchtrennt wird, ist nicht alltäglich. Zwischenzeitlich, beim letzten Trennungsakt, war ihr das Lachen durchaus vergangen. Sie war mehr damit beschäftigt, sich mit dem Bauunternehmen, das das Kabel durchtrennt hatte, und der Telekom auseinanderzusetzen. Und hat kuriose Geschichten erlebt: Etwa der Anruf bei der Telekom-Hotline. Im Telekom-Call-Center wurde der Fall entsprechend Handbuch angegangen. Das sieht bei gestörten Telefonanschlüssen unter anderem vor, dass das Kabel überprüft und durchgemessen wird. „Ich habe dann gefragt, ob das deren Ernst sei. ,Was wollen Sie denn messen, wenn das Kabel durchtrennt ist?“, habe sie gefragt. Doch das war nicht das einzige Gespräch, das sie fassungslos zurückließ: „Das Wichtigste für die Telekom war zunächst meine Vertragsnummer. Als hätte ich die ständig bei mir.“ Ohne Vertragsnummer gab es kein Gespräch. Gewünscht hätte sie sich – neben einer schnelleren Schadensbehebung versteht sich – mehr Verständnis auf allen Seiten für ihr Anliegen. „Es ging ja um mein Geschäft“, sagt sie. Deshalb hatte sie beispielsweise darum gebeten, dass ihr entweder Telekom oder Bauunternehmen für die Zeit, in der der Internetanschluss nicht funktionierte, einen Stick überlassen, mit dessen Hilfe sie ins Internet kommt. „Das haben beide abgelehnt“, sagt Jasine. „Das ist leider nicht möglich“, sagt Herrmann Küntzler, der Geschäftsführer der Küntzler GmbH & Co KG aus Waldfischbach-Burgalben, die die Straße ausbaut, zum Stick-Wunsch. So etwas halte das Bauunternehmen nicht vor. Rechtliche und praktische Gründe stünden diesem Wunsch entgegen. „Würde eine Leitung durchtrennt, an der beispielsweise 100 Anschlussteilnehmer hängen, müssten wir ja 100 Sticks ausgeben“, sagt Küntzler. Dass es für die Frau ärgerlich gewesen sei, mehrere Tage ohne Telefon- und Internetanschluss zu sein, sei verständlich. Es komme immer mal wieder vor, dass Leitungen bei Bauarbeiten durchtrennt werden. „Wir bekommen im Vorfeld die Pläne, aber in vielen Fällen liegen die Leitungen nicht dort, wo sie laut Plan liegen sollen“, erläutert Küntzler. Passiere so etwas beispielsweise bei Telekom-Leitungen, hat das Bauunternehmen spezielle Kontaktadressen der Telekom, meldet den Schaden umgehend. Im Normalfall wird der sofort behoben. Das funktionierte in diesem Fall nicht. Er habe der Frau dann empfohlen, sich als langjährige Telekom-Kundin direkt mit der Telekom in Verbindung zu setzen, sagt Küntzler. Das Problem für das Bauunternehmen sei auch, „dass wir selbst nichts reparieren dürfen. Auch wenn wir es könnten. Denn das sind nicht unsere Kabel, die sind Eigentum der Telekom“, so Küntzler. Das gemeinsame Nachhaken zeigte nach Tagen Erfolg. Als sich die Firma auf Bitten von Jasine erneut mit der Telekom in Verbindung setzte, meldete diese: Schaden behoben. Und so war es auch. „Zum Glück“, sagt Jasine. Beendet ist die Sache für sie aber dennoch nicht. Mit der Telekom wird sie sich jetzt noch auseinandersetzen, „denn ich hatte ja Umsatzausfälle“, sagt sie. Und die müssten in irgendeiner Form reguliert werden. Für Jasine und all die anderen ausbaugeplagten Anlieger in der Kreuz- und Raiffeisenstraße hat Hermann Küntzler noch gute Nachrichten: „Die Bauarbeiten sind in der Endphase.“ Aktuell wird der Gehweg gepflastert, die Asphaltarbeiten stehen unmittelbar bevor. |add