Rheinpfalz Flughafen Hahn fliegt ein Kunde davon
Käufer mittellos, Kunde weg: Über dem Flughafen Hahn im Hunsrück brauen sich sehr dunkle Wolken zusammen. Nach einem Bericht der „Allgemeinen Zeitung“ kehrt Air France dem Airport den Rücken zu. Das verschärft die wirtschaftliche Situation. Das Land muss nach RHEINPFALZ-Informationen bald Geld nachschießen.
LAUTZENHAUSEN. Bevor die Regierung dem Landtag am Donnerstag wegen des gestoppten Verkaufs und der Zweifelhaftigkeit des Käufers des Flughafens Hahn Rede und Antwort stehen muss, gibt es eine neue Hiobsbotschaft: Ein weiterer langjähriger Frachtkunde, Air-France, kommt dem Hunsrück-Flughafen zum 30. September abhanden, wie die Mainzer „Allgemeine Zeitung“ gestern vorab berichtete. Sie berief sich auf Nikolai Dinges, Geschäftsführer des am Hahn ansässigen Frachtabfertigers VG Cargo. Die Fluglinie schlägt jährlich 30.000 bis 40.000 Tonnen Fracht um, allerdings nicht per Flugzeug sondern im Luftfracht-Ersatzverkehr. Per LKW wird die Ladung zum Flughafen Charles de Gaulles in Paris befördert. Für VG Cargo ist die neue Kündigung ein Rückschlag. Das Unternehmen hatte 2014 eine neue Umschlaghalle für 21 Millionen Euro gebaut. Die Investition rechnet sich nicht, denn mehrere Frachtkunden haben inzwischen dem Flughafen den Rücken gekehrt: Im Frühjahr 2015 kündigte der bislang größte Kunde, die Yangtze River Express, ihre Verträge. Diese Frachtlinie vom Münchner Flughafen zurück in den Hunsrück zu holen, ist das erklärte Ziel des am 6. Juni vorgestellten Hahn-Käufers Shanghai Yiqian Trading Co. Ltd. (SYT). Verträge mit Yangtze konnte SYT nicht vorweisen, nur eine sehr vage Absichtserklärung. Neben Yangtze sind auch die russische Aeroflot und Qatar Airways Cargo inzwischen weg vom Hahn. Die öffentlichkeitswirksame Ansiedlung von Air China Cargo war nach wenigen Monaten beendet. 2011 wurden 286.000 Tonnen Fracht am Hahn umgeschlagen, im vergangenen Jahr waren es noch 80.000. Wirtschaftlich droht der Flughafen, der für das Jahr 2015 einen Verlust von 17,4 Millionen Euro ausweist, noch schlimmer in Bedrängnis zu kommen. Nach RHEINPFALZ-Informationen reicht die Liquidität noch bis September. Laut Innenminister Roger Lewentz (SPD) stehen 34 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt als Gesellschafterdarlehen bereit. Die Verwendung der Mittel sei bereits mit der EU-Kommission abgeklärt, hatte Lewentz am Donnerstag gesagt, als er in Mainz Hintergründe für den vorläufigen Verkaufsstopp erläutert hatte. Wie mehrfach berichtet, hat SYT Geld für Grundstückskäufe rund um den Flughafen nicht wie vereinbart überwiesen. Zweifel an der Seriosität des Käufers waren aufgetreten, nachdem sich Journalisten mehrerer Medien vor Ort in Shanghai umgesehen haben und auf schäbige Büroräume gestoßen sind sowie auf einen Reifenhandel anstelle eines millionenschweren Bauunternehmens. Lewentz sagte, auf Antworten der chinesischen Behörden zu Fragen der Landesregierung warten zu wollen. Bei den Grundstücken in der Nähe der Polizeischule handelt es sich einerseits um den „Housing-Bereich“, auf dem marode Bauten stehen und andererseits um den Campus mit vermieteten Gebäuden. Die ADC GmbH in Deidesheim, ein Unternehmen, das der frühere Leiter des Ostasieninstituts und Ex-Staatssekretär Siegfried Englert (SPD), zusammen mit chinesischen Partnern betreibt, hatte nach früheren Aussagen Englerts bereits Ende des vergangenen Jahres den Zuschlag für die Housing für 1,25 Millionen Euro erhalten. Der Vertrag sei aber wegen ungeklärter Eigentumsfragen zunächst nicht zustande gekommen. ADC hatte auch für den Flughafen geboten, aber erst im Mai einen passenden Partner aus der chinesischen Luftfahrt präsentieren können. Da waren die Verhandlungen mit SYT nahezu abgeschlossen, die Grundstücke sollte das Unternehmen aus Shanghai ebenfalls erhalten. Er sei nach wie vor am Kauf des Flughafens interessiert, sagte Englert. Eigentümer der Grundstücke ist der Landesbetrieb Baubetreuung und Liegenschaften (LBB).