Rheinpfalz Fluch und Segen

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Speyer. Unter dem Dach des Flugplatztowers rumort es. Geschäftsführer Roland Kern kündigt bessere Zahlen für 2015 an und wartet auf die Genehmigung des satellitengestützten Anflugverfahrens. Ein früherer Aufsichtsrat hält es für unsinnig. Auf einem Flugblatt warnen unbekannte Verfasser vor Lärm.

Für 2015 erwartet Kern ein deutlich kleineres Defizit. 2014 belief es sich auf rund 550.000 Euro, jetzt wird eine Größenordnung von 430.000 Euro genannt. Ausgeglichen wird der Verlust von den Anteilseignern, darunter BASF, die Städte Ludwigshafen und Speyer, der Rhein-Pfalz-Kreis sowie die Industrie- und Handelskammer (IHK). Positive Signale meldet Kern beim geplanten satellitengestützten Instrumentenanflugverfahren. Der Aufsichtsrat habe ihn dazu einstimmig beauftragt – auf Initiative der am Platz ansässigen Flugunternehmen, sagt Jürgen Vogel von der Industrie- und Handelskammer Pfalz. Im Gutachten zum Bedarf des Verfahrens am Platz vom November 2012 wurde festgestellt: „Hier handelt es sich um ein geplantes und veröffentlichtes Verfahren, um mit Hilfe von GPS anzufliegen, an einem festgelegten Punkt auf Sicht weiterzufliegen oder – wenn das aus Wettergründen nicht möglich ist – mit einem Durchstarteverfahren an den Ausweichplatz zu fliegen.“ Kern betont, dass das Verfahren die Genehmigung des Platzes nicht berührt. Er beruft sich dabei auf eine Stellungnahme des Landesbetriebs Mobilität (LBM) vom Oktober 2014. Seit voriger Woche liegt Kern ein Schreiben des Bundesverkehrsministeriums vor. Danach beschäftigt sich dort eine Expertengruppe damit, das EU-Recht dazu in genehmigungsrechtliche Fragen zu kleiden. „Ich erwarte im Laufe des Jahres eine Entscheidung“, so Kern. Tatsache sei, sagt der Geschäftsführer, dass von bisher im Schnitt rund 16.500 Landungen im Jahr 1000 nach dem neuen Verfahren anfliegen können – Jets der BASF etwa. „Diese Bewegungen bringen etwa 50 Prozent der Einnahmen.“ Das Verfahren ermögliche es, Strecken um lärmempfindliche Gebiete zu legen, sagt die LBM-Stellungnahme aus. „Genau das passiert. Wir bringen die Maschinen weiter von der Stadt weg und führen sie dann an den Platz heran“, verweist Kern auf die Karten, die die geplanten Anflugrouten aus Norden markieren. „Für Platz und Stadt ist es ein Segen.“ Dem widerspricht unter anderem Peter Krauß, bis voriges Jahr Mitglied des Aufsichtsrats und Anteilseigner am Platz. Er plädiert für den Erhalt und Ausbau als kleinen Verkehrslandeplatz vor allem durch private Investoren. Unternehmer Krauß, selbst Flieger, ist auch Bieter um die gerade ausgeschriebene Fläche des Ex-Towers. Er will dort eine Firma ansiedeln, die alternative Flugzeugantriebe entwickelt. „Das Verfahren braucht es nicht“, sagt er. Es ermögliche Anflüge bei jedem Wetter und immer aus Norden, die Südanflugroute sei nicht von dem Verfahren erfasst. Lärm und Gefahren über der eng und hoch bebauten Stadt mit Dom und Technik-Museum sowie der künftigen Erlus-Bebauung bleibe erhalten. „Wenn ein Instrumentenanflugsystem installiert ist, dann ist es ein Instrumentenplatz.“ Möglicherweise kämen mehr Jets. Gute Voraussetzungen bestünden auch für Zwischenstopps zum Tanken in Speyer. Im neuen Hangar mit 7,20 Meter hohen Toren ließen sich Linienflugmaschinen unterbringen, bemerkt Krauß noch. „Eine Zunahme von Verkehr ist nicht zu erwarten“, sagt dagegen IHK-Sprecher Vogel. Ein anonym verfasstes Flugblatt warnt vor den Folgen der Pläne. Die Grünen schließen rechtliche Schritte gegen das geplante Anflugverfahren nicht aus.

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