Kultur Südpfalz Fantastische Klavierwelt

Mit dem Ensemble Cuarteto Soltanga war der Pianist und Arrangeur Martin Klett bereits im Sommer 2016 in der Villa Wieser zu hören und seine Leidenschaft am Klavier faszinierte. Als Solist gab er nun ein Recital in Herxheim und wiederum konnte er durch seine musikalischen Fähigkeiten das Publikum für sich gewinnen.
Einem einzigen Crescendo glich die Programmfolge hinsichtlich der Dramatik der vorgestellten Werke. Spannung pur vermittelte Klett in den ausgewählten Werken von Schumann, Brahms, Bridge, Guastavino und Rachmaninov. Hochkonzentriert versenkte er sich in die Werke und stellte sich den technischen Herausforderungen mit Hingabe. Trotz seines wirkungsvollen Spiels widmete er sich detailgetreu der Entfaltung der musikalischen Strukturen, was besonders bei der schwierigen Rachmaninov-Sonate eindrucksvoll gelang. Sie war geradezu in ihrer prächtigen Virtuosität das musikalische Glanzlicht des Abends. Pianisten schätzen die Arabeske C-Dur op. 18 von Robert Schumann wegen ihrer formalen Ausgewogenheit und Poesie, insbesondere wegen ihrer Nähe zu den großen Klavierfantasien. Klett demonstrierte differenzierte Anschlagskultur hinsichtlich der Dynamik, gleichzeitig nutzte er geschickt beide Pedale, zur Schaffung schwebender Klangräume. Bei unbekannten Werken kommt es manchmal zu überraschenden Entdeckungen. Dies gilt insbesondere für die Komposition aus der Feder von Frank Bridge. Martin Klett erwies sich als charmanter Moderator und erklärte die Stücke des englischen Komponisten. Dessen dreiteilige Komposition mit dem Titel The Hourglass (Das Stundenglas) beschreibt Abend-und Nachtstimmungen am Meer. Dem Pianisten gelang es, die impressionistische Atmosphäre der Stücke mit sensibler Anschlagskultur zu entfalten. Die romantische Klangwelt der vier Klavierstücke op. 119 von Johannes Brahms lotete Klett einfühlsam aus. Dass der Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs 2008 und des Internationalen Johannes Brahms Wettbewerbs zu dem Komponisten seiner Geburtsstadt Hamburg eine große Affinität hat, bewies er durch sein frisches, bewegendes Spiel. Seine andere musikalische Heimat ist die Musik Südamerikas, seine Vorliebe für Samba- und Tangorhythmen verwirklicht er im Cuarteto Soltango. Mit rhythmisch aparten Klavierstücken des Argentiniers Carlos Guastavino verzauberte der Pianist das Publikum. In den Cantos Populares und der Romance Nuevo wechselten sich Leidenschaft und Melancholie ab. Das trifft auch auf die Musik des russischen Komponisten und Virtuosen Rachmaninov zu. So folgte als virtuoser Höhepunkt dessen zweite Sonate in b-Moll. Alle großen Pianisten haben Respekt vor den Herausforderungen dieser Sonate. Martin Klett gehört zu dem Kreis der auserwählten Virtuosen, er zeigte eine bewundernswerte musikalische Leistung bei der Gestaltung dieses irrwitzigen Werkes. Rauschende Klangstürme, rasche Passagen aber auch träumerische Sequenzen lassen diese Sonate wie ein musikalisches Drama wirken. Nach dieser fantastischen Darstellung gab es rauschenden Beifall für Klett, dessen Karriere als Solist, Kammermusiker, Arrangeur und Dozent an der Musikhochschule Leipzig auf einem guten Weg ist.