Rheinpfalz „Fühlen uns nur dem Fach verpflichtet“

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Kaiserslautern. Seit 1. Januar ist Professor Peter Liggesmeyer, Wissenschaftlicher Leiter des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering (IESE), Präsident der Gesellschaft für Informatik (GI). Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sucht die GI im Wissenschaftsjahr 2014 nach „Deutschlands digitalen Köpfen“. Über die Bedeutung des erweiterten Aktionsradius des IESE-Institutsleiters und mögliche Auswirkungen seiner neuen Position auf die Region Kaiserslautern sprach Joachim Schwitalla mit Peter Liggesmeyer.

Als Präsident der Gesellschaft für Informatik sind neue Aufgaben auf Sie zugekommen. Welche Rolle nimmt die Gesellschaft für Informatik in der Fachwissenschaft ein? Welches sind Ihre vordringlichen Aufgaben?

Die GI ist mit etwa 20.000 Mitgliedern die größte Fachgesellschaft für Informatik im deutschsprachigen Raum. Wir wollen die Informatik in ihrer ganzen Breite in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft vertreten. Wir können das in großer Neutralität, weil wir kein Branchenverband sind, sondern uns nur dem Fach verpflichtet fühlen. Man könnte auch sagen: Die GI hat nichts zu verkaufen, aber wenn es um Informatik geht, dann sind wir dabei und vertreten die Belange unseres Fachs. Das BMBF-Wissenschaftsjahr 2014 widmet sich dem Thema der digitalen Gesellschaft. Worum geht es den Initiatoren, und was unternehmen Sie, um Deutschlands digitale Köpfe ausfindig zu machen? Die Themenwahl des Wissenschaftsjahres 2014 ist eine Steilvorlage für Informatiker. Wir reden nicht nur über Informatik im engeren Sinne, sondern auch über all ihre Anwendungen, etwa in der Kunst, Musik oder Literatur. Als GI-Präsident leite ich eine interdisziplinär besetzte Jury, die die junge Generation der digitalen Denker und Macher identifizieren wird. Es ist geplant, Deutschlands digitale Köpfe im Herbst gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung vorzustellen. Als gutes Signal für den Standort Deutschland haben Sie bei der Cebit 2014 die Zusammenarbeit zwischen der Gesellschaft für Informatik mit dem Verein „Deutschland sicher im Netz“ bezeichnet. Wer profitiert von der Kooperation? Welche konkreten Ergebnisse erwarten Sie? „Deutschland sicher im Netz“ ist eine Vereinigung von Firmen und Branchenverbänden, die an dem Thema „Sicherheit im Internet“ interessiert sind. Die GI befasst sich aus fachlichen Gründen mit Sicherheit – das passt ausgezeichnet zusammen. Wir wollen möglichst schnell konkrete Maßnahmen zur Erhöhung der Netzsicherheit erarbeiten und veröffentlichen. Wir haben die strategische Kooperation auf der Cebit in Anwesenheit des Bundesinnenministers unterzeichnet, was zeigt, dass auch der Politik dieses Thema wichtig ist. Kaiserslautern hat sich in den vergangenen Jahren mit der Technischen Universität und den ihr angeschlossenen Instituten im Bereich der Informatik und der Elektrotechnik zu einem weltweit anerkannten IT-Standort positioniert. Welche Wechselwirkungen sind aus Ihrer bundesweiten Tätigkeit auf der IT-Schiene für die TU und die Region Kaiserslautern zu erwarten? Als hauptberuflicher Informatik-Professor an der TU Kaiserslautern freut es mich, dass sich in Kaiserslautern ein klar erkennbarer Technologie- und insbesondere Informatik-Schwerpunkt herausgebildet hat. Es ist die Kombination aus TU und Instituten wie den Fraunhofer-Instituten, dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und dem Max-Planck-Institut, die Kaiserslautern so sichtbar macht. Keine dieser Einrichtungen ist für sich wirklich außergewöhnlich, aber zusammen genommen sind sie bemerkenswert. Ein solcher Schwerpunkt erfordert lokale Pflege und Weiterentwicklung, aber er muss eben auch in Netzwerke beim Bund und in der EU eingebunden sein, weil dort neue Themen gestaltet werden. Die Interessen des Fachs Informatik sind weitgehend auch die des Standorts Kaiserslautern, und daher habe ich keinen Interessenkonflikt, sondern erwarte Synergien. Mit welchen konkreten Maßnahmen wollen Sie Abiturienten für ein Studium der Informatik oder der Elektrotechnik an der TU Kaiserslautern zu gewinnen? Es gibt gute Ansätze speziell zur Gewinnung von Abiturientinnen, die zum Beispiel die Vereinigung KL.Connect Women vorantreibt. Wir sind zudem sehr erfolgreich bei der Gewinnung ausländischer Studierender für die Informatik und für interdisziplinäre Studiengänge wie der Nutzfahrzeugtechnik. Außerdem ist es nicht ganz auszuschließen, dass meine Aktivitäten als GI-Präsident den ein oder anderen potenziellen Studenten auf Kaiserslautern aufmerksam machen. (jsw)

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