Rheinpfalz Förster schlagen Alarm

Die Messerspitze zeigt auf eine Borkenkäferlarve in einer Baumrinde.
Die Messerspitze zeigt auf eine Borkenkäferlarve in einer Baumrinde.

So viele Borkenkäfer wie in diesem Jahr gab es seit langem nicht mehr. 5000 Kubikmeter Fichtenstammholz im Forstamt Hinterweidenthal sind befallen. Das sind 7000 Bäume, stellt Förster Martin Reinhard fest.

Davon entfallen auf den Staatswald 4000 Kubikmeter und auf die Gemeindewälder 1000 Kubikmeter. Das seien bislang 80 Prozent des jährlichen Fichteneinschlags. Bis zum Jahresende werde der Fichteneinschlag wahrscheinlich zu 100 Prozent nur mit Käferholz erfüllt sein. „Jetzt heißt es erst einmal, schnell zu sein“, so Reinhard. Denn einmal befallenes Holz sei der ideale Brutraum für weitere Borkenkäfergenerationen. „Den beiden häufigsten Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher ist es dabei egal, ob der Baum noch steht oder ob er schon gefällt ist.“ Er mache sich überall dort breit, wo die Fichten geschwächt sind oder nach Stürmen bereits am Boden liegen. Trockenheit sei der erste Grund für die Verbreitung des Borkenkäfers. „Normalerweise können die Bäume die Käferangriffe abwehren, indem sie ihre Harzproduktion ankurbeln. Dann bleiben die Käfer im Baumharz stecken, wenn sie versuchen, sich in die Borke zu bohren. Ist es aber so lange trocken wie in diesem Jahr, klappt das nicht. Der Baum hat zu wenig Kraft und Flüssigkeit, um das Harz abzusondern. Bei Angriffen vieler Käfer hat dann auch eine gesunde Fichte keine Chance mehr“, erläutert der Förster. Der zweite Grund für die Massenvermehrung in diesem Jahr seien die durch Winter- und Frühjahrsstürme umgefallenen Bäume. Bei den Winterstürmen Burglind und Friederike vor allem im Norden und im Süden von Rheinland-Pfalz sind mehr als 500.000 Bäume gefallen – das entspricht 400.000 Festmetern. Liegen die Bäume mehrere Wochen im Wald, habe der Borkenkäfer ein leichtes Spiel, „denn der vom Wind umgeworfene Baum kann sich nicht mehr wehren“, so Reinhard. Und drittens: Auch schon im Jahr 2017 gab es nach einem trocken-warmen Frühsommer viele Borkenkäfer. „Diese haben sich über den Winter stark vermehrt und bereits im Frühling dieses Jahres viele Bäume angegriffen.“ Die Brut der Käfer aus dem Frühjahr war bis jetzt aktiv. An vielen Standorten gab es in diesem Jahr drei Borkenkäfergenerationen gegenüber nur zwei in normalen Jahren. „2018 kommen also mehrere Faktoren zusammen, die das Jahr besonders schlimm machen“, so Reinhard. Viele Bäume müssten gefällt werden, was auch die gesamte Holzbranche überlaste. „Es ist ja nicht nur bei uns in Rheinland-Pfalz so. Bundesweit war es extrem trocken und es kam zu viel Windwurf. Da gibt es einfach zu wenig Fuhrleute, die das Holz rechtzeitig aus dem Wald abtransportieren können.“ Genau das sei aber immens wichtig: Denn nur wenn die Käfer nicht mehr im Wald ausfliegen oder die Käferbruten sich in den befallenen Bäumen nicht mehr fertig entwickeln können, können sie keine weiteren Fichten schädigen. „Es reicht schon, wenn das Holz einen halben Kilometer von den Fichtenbeständen entfernt lagert, denn weiter fliegt der Borkenkäfer nicht“, erklärt Reinhard. Es gebe aber zu wenig Maschinen und auch zu wenig Personal. Sowohl die Förster als auch die Unternehmer seien an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. „Das bedeutet auch, dass die Kosten steigen. Für den Schutz des Waldes ist es enorm wichtig, Borkenkäfernester frühzeitig zu erkennen. Da es dieses Jahr mehr Käfer gibt als üblich, müssen wir auch öfter auf Käfer-Patrouille gehen“, so Reinhard. Dabei schauen die Förster, ob sie an der Borke Bohrmehl entdecken. Das sind kleine, braune Pulverhäufchen, die entstehen, wenn sich die Insekten in die Rinde gebohrt haben. Und dann heißt es: Dieser Baum – und meist sind auch schon die Nachbarbäume betroffen – muss so schnell wie möglich gefällt und das Holz aus dem Wald geschafft werden, damit es nicht noch mehr Käfer werden. „Deshalb beschäftigt uns der Borkenkäfer auch im anstehenden Winterhalbjahr. Alle befallenen Bäume müssen wir bis zum Frühjahr aus dem Wald schaffen. Dann können die Käfer, die in den Bäumen überwintern, nicht mehr ausfliegen.“ Mehr Waldbeobachtung bedeute allerdings auch, dass dafür mehr Personal benötigt wird. „In manchen Revieren sind Hunderte Hektar an Fichtenwäldern zu kontrollieren. Das schafft ein einzelner Förster kaum noch.“ Weil gerade jetzt jeder im Forst auf Ernte- und Transportmaschinen angewiesen sei, stiegen die Kosten: „Wir brauchen mehr Geld für den Wald“, fordert der Förster. An Kompetenz mangele es den Fachleuten nicht. Seit Jahren werde der Wald umgebaut, damit er klimastabil ist. Es werde auf gesunde Mischwälder und Baumarten gesetzt, die gut mit Wärme und Trockenheit klarkommen. Das seien beispielsweise Laubbäume wie Eichen und Buchen. Statt Fichten würden unter anderem Weißtannen gepflanzt, die mit weniger Niederschlag zurechtkommen und weniger an Trockenstress leiden. Da Bäume aber mehrere Jahrzehnte zum Wachsen brauchen, sei dieser Waldumbau noch nicht überall sichtbar. Landesweit liege der Mischwaldanteil aber bereits bei 82 Prozent. „Wir haben auf das immer wärmer werdende Klima reagiert, schon bevor Klimaschäden in den vergangenen Jahren sichtbar wurden. Doch die Trockenheit, Windwürfe und andere klimawandelbedingte Ereignisse gehen zum Teil schneller vonstatten als die Bäume wachsen können“, erläutert Reinhard. 120 Jahre wachse eine Buche mindestens, bis sie erntereif sei und gefällt wird, eine Eiche eher 150 Jahre. „Als diese gepflanzt wurden, hat kaum einer vom Klimawandel gesprochen. Wir beobachten den Wald aber seit jeher sehr genau und reagieren deshalb frühzeitig darauf, um ihn zu schützen. Dazu braucht es aber auch Ressourcen. Ein Hitze- und Käferjahr wie dieses macht das sichtbar“, resümiert Reinhard.

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