Rheinpfalz Es sollte mehr gebetet werden
«MÜNCHWEILER.» Seit gut zehn Jahren ist Pfarrer Pious Paul Oroplackal aus Kerala/Indien in Deutschland. Der Seelsorger kommt aus einer der aktivsten Kirchen der Welt, der Syro-Malabarischen katholischen Kirche mit 3,3 Millionen Mitgliedern, 10.000 Priestern und 40.000 Ordensfrauen. Er hilft in der Diözese Speyer aus, weil hier Priesternot herrscht – anders als in seinem Heimatland.
Der Priester hatte bisher Stationen in München, Dahn und Zweibrücken. In der Rodalber Pfarrei „Maria Königin“ wirkt er nun schon zum zweiten Mal. Erstmals von 2008 bis 2010 und seit 2015. Der 44-Jährige erfreut sich wegen seiner ruhigen, bescheidenen Art und weil er ein aufmerksamer Zuhörer ist großer Beliebtheit. Am Anfang sei alles schwer gewesen, die neue Sprache, die fremden Menschen, die andere Kultur. „Der Vorteil ist, dass ich durchweg in der Pfalz eingesetzt bin, wo die Mentalität der Menschen ähnlich ist. Die Leute sind offen, sympathisch und direkt“, sagt er. Pfarrer Pious kommt aus einer Familie, die nahe an der Seelsorge lebt. Eine Schwester – er hat zwei Schwestern und zwei Brüder – ist Ordensfrau. Drei Schwestern der Mutter sind Nonnen, zwei Nichten ebenfalls. Eine Tante und ein Onkel haben jeweils einen Sohn, die Priester sind. „In der Verwandtschaft stehen Nächstenliebe und Helfen im Vordergrund. So wurde mir die Berufung eigentlich schon früh vorgelebt. Meine Großfamilie war ein gutes Vorbild für mich, um auch den Priesterberuf zu ergreifen, denn daran hatte ich von Kindheit an Interesse“, sagt er. Zwölf Jahre besuchte er das Priesterseminar zum Ordenspriester mit Noviziat. Er studierte Theologie und Philosophie. Die Priesterweihe erfolgte in Kerala am 27. Dezember 2000 in der Missionskongregation vom Allerheiligsten Sakrament, einem indischen Orden. Als Neupriester wirkte er in einem Heim für Obdachlose und Bettler in Kerala. Später führte ihn der Weg in die Millionenmetropole Mumbai. Sein Orden hat einen Vertrag mit der Diözese Speyer; so erfuhr er, dass dort ein Priester gesucht wird. Er begann, in Indien Deutsch zu lernen, „aber das Visum war schneller“. An der Universität in München vervollständigte er seine Deutschkenntnisse – „eine eher komplizierte Sprache“ –, nachdem er am 7. Dezember 2007 in Deutschland angekommen war. Seine Muttersprache ist Malayalam, Amtssprachen sind Hindi und Englisch. „Ich wusste nicht, wie die Kirche, wie die Menschen, wie die Kultur und die Mentalität der Deutschen sind. Denn ich hätte nie gedacht, dass ich mal nach Europa komme“, stellt er fest. Seit 2015 wohnt Pfarrer Pious in Münchweiler. „Ein Dorf ist nicht so anonym wie eine Stadt“, freut er sich über seinen Wohnort. Nachdem er beim ersten Aufenthalt in Rodalben noch von der Mutter des verstorbenen Pfarreienleiters Martin Ehling bekocht worden war, muss er sich nun selbst versorgen. „Das klappt inzwischen ganz gut“, sagt er lachend. Außerdem habe er viele gute Freunde und Bekannte hier: „Es ist nicht mehr so fremd. Ich kann einfach hingehen und klingeln. Ich darf mich wie zuhause fühlen.“ Was würde er in Deutschland gerne ändern?„In meiner Heimat spielt das Gebet eine zentrale Rolle. Es ist selbstverständlich, dass morgens und abends in der Familie gemeinsam gebetet wird. Beim Einzug in neue Häuser ist es wichtig, dass der Pfarrer kommt und sie segnet. In Deutschland geht die Bedeutung des Gebets verloren. Das sollte nicht sein,“ sagt er bedauernd. Zuhause besuchten die Kinder vor Schulbeginn den Gottesdienst. In seiner Heimatpfarrei, die aus 400 Familien bestehe, würden schon morgens um 6 Uhr Gottesdienste angeboten, die auch gut besucht seien. „Das Gebet auch hier zu intensivieren, wäre mir ein ganz großes Anliegen“, so Pfarrer Pious. Wie lange er noch hier bleiben kann, ist unbestimmt. Jedenfalls ist er familiär nicht alleine in Deutschland: Eine Cousine wohnt in Speyer, eine Nichte in der Nähe von Berlin, Freunde der Familie sind ebenfalls im Land. „Ein Stück indische Heimat habe ich hier schon“, sagt er. Vor Kurzem besuchte er seinen Cousin in Rom, der dort Priester ist. Und fast täglich telefoniert er mit seiner Mutter in Indien. „Ich fühle mich hier sehr wohl. Und in einem Dorf ist man schnell aufgenommen.“