Kultur Südpfalz Erhellende Begegnung

Im gut besuchten Alten Kaufhaus erklangen beim zweiten Landauer Meisterkonzert das populäre Klavierquintett f-Moll von Johannes Brahms und das selten zu hörende in g-Moll von Sergej Tanejew. Der Pianist Oliver Triendl und seine Streicherkollegen sorgten für spannungsvolles Musizieren.
Sergej Tanejew, Lieblingsschüler von Tschaikowsky und selbst einer der bedeutendsten russischen Kompositionslehrer wird nicht ganz zu unrecht gerne als der russische Brahms bezeichnet. Auch wenn, wie im Finale seines ausladenden g-Moll-Klavierquintetts, Tschaikowsky deutliche Spuren hinterlassen hat, so verbindet ihn mit Brahms nicht nur das Interesse an Alter Musik und Polyphonie. Nicht umsonst ist das Largo der 1911 entstandenen Komposition eine Passacaglia, also ein Satz über ein ständig wiederkehrendes Bassthema. Die Mischung aus Bekanntem wie Brahms’ op. 34 und dem Tanejew-Quintett bot eine reizvolle und erhellende Gegenüberstellung, die auch vom großen Einsatz des Ensembles um den Pianisten Oliver Triendl geprägt war. Dieser gilt als Spezialist für die Erkundung unbekannter Repertoirepfade. Viele seiner CD-Einspielungen mit Raritäten zeugen davon. Triendl unterstrich seine Kompetenz mit machtvollem, gelegentlich dynamisch nicht genug kontrolliertem Zugriff, was die Balance zwischen Streichklang und Bösendorfer gelegentlich gefährdete. Imponierend waren seine Übersicht und die manuelle Verlässlichkeit, mit denen er die konzertanten Passagen bei Tanejew mit Leben erfüllte, während bei Brahms im Andante etwas mehr Legatokultur und Farbvielfalt angemessen gewesen wäre. Mangelnde Farbigkeit konnte man indes den Streichern nicht anlasten: Primgeiger Amaury Coeytaux, Konzertmeister des Orchestre Philharmonique de France und Primarius des Modigliani Quartetts, entlockte seiner Guadagnini schlanke Töne voller Süße und Leuchtkraft, sehr zuverlässig agierten Akihiro Takeda und Alba Gonzáles i Becerra, Viola. Alexander Hülshoff, der künstlerische Leiter der Meisterkonzerte und der Villa Musica, sorgte mit unaufgeregter lyrischer Intensität seiner Cellotöne für eine sehr tragfähige Klangbasis. Das f-Moll Klavierquintett von Brahms ist, wie häufig bei dem Komponisten, in seiner Entstehung von Zweifeln begleitet. Die Endfassung ist das Ergebnis einer zweifachen Umarbeitung: Die endgültige Fassung von 1864 gehört zu den zentralen Werken der Gattung. Die Klangfülle, die lyrische Intensität und die immer wieder packende Dramatik des Werks, der nicht nur im Scherzo rhythmische Wucht beigegeben ist, wurden auf beachtlichem Niveau musiziert. Auch die tragische Kraft, der lyrische Inseln gegenübergestellt werden, der Kosmos an Empfindungen und alle Feinheiten der Partitur fanden überzeugende Interpreten. Tanejews machtvoll-dunkles Klavierquintett ist fast noch dichter komponiert als das von Brahms. Vom schlanken Ton von Amaury Coeytaux geführt, zu dem die konzertante Wucht von Triendl kontrastierte, erklang es über weite Strecken als herbe Komposition von Dramatik und Trauer, die nur selten wie im Scherzo oder zu Beginn des Finales ins Helle gewendet wird. Die Begegnung mit diesem sehr anspruchsvollen, teilweise rätselhaften Werk, war dank der großen Einsatzbereitschaft und der Intensität des Spiels ein Gewinn. |gt