Rheinpfalz Eppenbrunn: Berliner Ehepaar kauft katholisches Pfarrhaus
Das im Jahr 1899 erbaute katholische Pfarrhaus in der Weiherstraße 5 ist verkauft. Das gab Pfarrer Walter Augustin Stephan, Leiter der Großpfarrei St. Wendelinus Trulben, beim Hochamt am Sonntag anlässlich der Wiederindienststellung der Kirche St. Pirmin (wir berichteten am Dienstag) offiziell bekannt.
Der Verwaltungsrat der Pfarrei Heiliger Wendelinus Trulben hatte im vergangenen Jahr beschlossen, das Pfarrhaus der Kirchenstiftung St. Pirminius Eppenbrunn zu verkaufen (wir berichteten), da es für pastorale Zwecke nicht mehr benötigt wurde. Durch die Gemeindepastoral 2015 der Diözese Speyer wurde Trulben Pfarrsitz der neu gebildeten Großpfarrei St. Wendelinus. Nach der Renovierung des Trulber Pfarrhauses zog Pfarrer Stephan an diesen Dienstsitz um. Im Trulber Pfarrhaus in der Schulstraße 12 befindet sich auch das zentrale Pfarrbüro für die zehn Gemeinden. Das nach 118 Jahren ausgediente Gebäude war in seiner Geschichte ständig Wohnsitz für den Inhaber der Pfarrstelle Eppenbrunn. Der wohl bekannteste „Bewohner“ ist Otto Georgens, damals Pfarrer in Eppenbrunn, seit 1995 Weihbischof im Bistum Speyer.
Teilweise original Stuckdecken
Das veräußerte Gebäude steht auf einem 1221 Quadratmeter großen Grundstück, das mit einer Sandsteinmauer umfriedet ist. Das Erdgeschoss hat eine Wohnfläche von 89 Quadratmetern. Im Obergeschoss kommen 90 Quadratmeter hinzu, im Dachgeschoss weitere 76 Quadratmeter. Das Gebäude ist unterkellert und hat einen Ölzentralheizung. In einigen Räumen befinden sich noch die original Stuckdecken. Die RHEINPFALZ nutzte nach dem Hochamt am Sonntag die Gelegenheit, bei einem Empfang mit dem Käuferehepaar ins Gespräch zu kommen. Beide sind knapp über 50 Jahre alt, kinderlos und praktizierende Katholiken. Bis vor einem halben Jahr war Berlin ihr Wohnsitz. Das Paar hatte den Wunsch, von der bundesdeutschen Hauptstadt weg in den ländlichen Raum zu ziehen. Da der 52-jährige neue Grundstückseigentümer sich schon zu seiner Pfadfinderzeit in die Pfalz verliebt hatte, sollte der Wohnsitz dorthin verlagert werden. Da er beruflich im Bereich Sicherheit und Netzwerke tätig ist und hauptsächlich von zuhause aus arbeitet, fand das Paar zunächst eine derzeitige Bleibe in Hinterweidenthal.
Schnelles Internet war Kaufargument
„Wir sind über das Internet auf das Verkaufsangebot aufmerksam geworden“, so der neue Eigentümer. Mit ausschlaggebend zur Berufsausübung sei für ihn das schnelle Internet. „Das Verkaufsangebot zum Schätzpreis des Gutachterausschusses des Vermessungs- und Katasteramts Westpfalz in Kaiserslautern von 100.000 Euro war für uns ein Schnäppchen“, sagt er. Er freue sich, mit seiner Ehefrau den Zuschlag erhalten zu haben. Das neue Eigentum ist inzwischen von der Kirchenstiftung Eppenbrunn auf das Berliner Ehepaar übergegangen. „Es ist traumhaft für meine Frau und mich, hier in Eppenbrunn mit dieser Natur und dem Wald unsere neue Heimat gefunden zu haben“, so der neue Eigentümer. Seine Ehefrau verteilt während des Gesprächs Werbematerial für die Matthäuspassion am Palmsonntag im der Gedächtniskirche in Speyer. Dort wir sie als Mitglied des Speyerer Domchors mitsingen, nachdem sie bis zuletzt im Chor der St. Hedwigs Kathedrale in Berlin gesungen hatte. Zweimal in der Woche sei sie von Hinterweidenthal nach Speyer zur Domchorprobe gefahren, erzählt sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Beibehalten will sie dies auch in Eppenbrunn.
Kann noch Monate bis zum Einzug dauern
Bis das Ehepaar jedoch sein neues Haus beziehen kann, wird es noch Monate dauern. Vorerst, wie am Sonntag anlässlich des Gottesdienstbesuches, hatte das Paar sein Fahrzeug mal auf der Freifläche hinter dem Pfarrhaus zur Kirche geparkt. Nach der Renovierung wird dort die Garage sein. Beim Empfang gab es bereits die Bitte an das Ehepaar, künftig den Eppenbrunner Kirchenchor zu verstärken, und der Pfälzerwald-Verein machte das Angebot, die neue Heimat mit Wald und Natur als Mitglied wandernd zu erkunden. Die Höhe des Verkaufspreises mit 100.000 Euro bestätigte auf Nachfrage auch Pfarrer Walter Augustin Stephan. Nach Begleichung einer dreiprozentigen Maklergebühr fließt der Erlös dem Vermögen der Katholischen Kirchenstiftung St. Pirmin Eppenbrunn zu. Das ist laut Stephan eine gesetzliche Vorgabe und nicht einer „Direktive der Diözesanführung in Speyer“ geschuldet.