Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Eishockey in Mannheim: Eine Brasilianerin gehört zu den größten Adler-Fans

Mitfiebern in der Mannheimer SAP-Arena: Ana-Paula Matavelli-Bertram mit ihrem Ehemann Klaus Bertram.
Mitfiebern in der Mannheimer SAP-Arena: Ana-Paula Matavelli-Bertram mit ihrem Ehemann Klaus Bertram. Foto: KUNZ

Ana-Paula Matavelli-Bertram heißt sie. Ihre Heimat ist Sao Paulo in Brasilien, ihre Muttersprache Portugiesisch. Lange galt ihre Liebe dem Fußball. Dann aber verliebte sie sich in einen Mannheimer – und alles wurde anders.

Eishockey ist der tollste Sport der Welt. Mittlerweile finde ich Fußball ziemlich langweilig.“ Eine gewagte Aussage, denn bis vor sechs Jahren kannte Ana-Paula Matavelli-Bertram den schnellen Kufensport noch nicht einmal, gab es für sie nur Fußball. Doch dann verliebte sich die Rechtsanwältin aus dem brasilianischen Sao Paulo in den Mannheimer Klaus Bertram, zog in die Quadratestadt und verlor hier ihr Herz gleich noch ein zweites Mal – an die Adler Mannheim.

„Bevor ich zum ersten Mal in Deutschland war, habe ich meinen Mann gefragt, ob in Mannheim auch Fußball gespielt wird. Er hat gesagt, dass wir hier etwas Besseres haben. Das konnte ich mir nicht vorstellen“, sprudelt es aus der heute 49-Jährigen heraus. Rein äußerlich unterscheidet sie sich nicht von den anderen 13.000 Besuchern in der SAP-Arena. Ein blaues Trikot von David Wolf trägt sie und auch wie man den Schal beim Torjubel schwenkt musste man der Brasilianerin nicht lange beibringen. „Das machen wir bei meinem Fußballclub genauso.“ Überhaupt gebe es viele Parallelen zwischen den Anhängern ihrer Corinthians und den Adlerfans: „Beide haben das gleiche Herz, die gleiche Leidenschaft für ihren Verein.“

Einen Spieler mag sie ganz besonders

Dann verrät sie, dass das Wolf-Trikot eigentlich nur eine Notlösung sei. „Mein Held ist Dennis Endras, aber er ist leider so beliebt, dass es sein Trikot in Blau nie in meiner Größe gab.“ Er ist eben nicht nur ihr Held. „Wenn sie kein Tor schießen, dann verhindert er eben, dass der Gegner eins macht. Manchmal ärgere ich mich richtig, wenn alle anderen Spieler Dennis so allein lassen.“ Für den Torhüter keine ungewohnte Situation. „Das gehört eben zum Spiel.“ Das er einen Fan aus Brasilien hat, überraschte den 34-Jährigen dann aber doch. Zumindest ein bisschen. „Ich war vor einiger Zeit mal im Urlaub auf den Malediven. Als ich aus dem Flugzeug ausgestiegen bin, haben mich zwei Einwohner direkt erkannt. Das hat mich auch ziemlich überrascht.“

Vom Eishockey in Brasilien weiß er aber nichts. „Gibt es dort überhaupt Eishockey?“ Eine Frage, die ihm auch Ana-Paula Matavelli-Bertram nicht beantworten kann. „Ich habe noch nie etwas davon gehört.“ Tatsächlich ist der brasilianische Verband noch relativ jung, gab im Jahr 2014 sein Debüt auf dem internationalen Parkett der Panamerikanischen Spiele. Es gab unter anderem eine 0:16-Pleite gegen Mexiko, nach vier Gruppenspielen belegte Brasilien mit 3:51 Toren den fünften und letzten Platz. „Noch ein weiter Weg bis zur A-WM“, sagt Dennis Endras augenzwinkernd. Die Brasilianerin, die seit Ende 2018 auch den deutschen Pass besitzt, hatte eine gute Erklärung für ihre Unwissenheit in diesem Punkt: „2014 war ich längst in Mannheim.“

Die Fangesänge sind ein Problem

Zunächst auf Probe, denn kennengelernt hatte sich das Paar Ende 2012, als der Mannheimer Steuerberater und Wirtschaftsprüfer seinen Urlaub in Sao Paulo verbrachte und über einen gemeinsamen Bekannten dort die Liebe seines Lebens traf. „Wir haben dann jeweils ein paar Wochen in Sao Paulo und ein paar Wochen gemeinsam in Mannheim gelebt und haben uns dann für Mannheim entschieden“, erklärte Ana-Paula bei der Einbürgerungsfeier im Mai. Die Sprache hat sie schnell gelernt.

Ihr erstes Eishockey-Spiel sah die Brasilianerin am 17. Februar 2013. Die Adler unterlagen den Kölner Haien nach Penaltyschießen. „Damals ist es mir noch schwer gefallen, den Puck zu verfolgen.“ Das ist mittlerweile kein Problem mehr. Die größten Schwierigkeiten bereiten ihr die Gesänge der Fans. „Aber ich singe alles mit so gut wie ich es verstehe – und es tut mir für alle Leute leid, die in meiner Umgebung sitzen“, sagt sie und lacht. Als Nächstes hat sie sich ein Auswärtsspiel vorgenommen. „Natürlich wollen wir mit einem Fanbus dorthin fahren.“

Auch die Mutter will die Adler sehen

Dabei ist sie nicht der einzige Eishockeyfan, den die Adler in Sao Paulo haben: „Ich habe mittlerweile meine Mutter angesteckt“, verrät Matavelli-Bertram. Und über Weihnachten besucht die 75-Jährige ihre Tochter im kalten Deutschland. Der Besuch der Adler-Partie gegen die Iserlohn Roosters ist dabei schon fest eingeplant. „Sie weiß natürlich auch, wie man den Schal schwenkt“, sagt Ana-Paula Matavelli-Bertram, der mit hoher Wahrscheinlichkeit einzige brasilianische Eishockeyfan in der SAP-Arena.

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