Rheinpfalz Ein Steamcracker läuft wieder

Placeholder-Image

Ludwigshafen. Gestern hat die BASF damit begonnen, einen ihrer zwei Steamcracker wieder hochzufahren. Die Anlagen werden von dem Konzern als Herzstück des Unternehmens bezeichnet. Sie waren in Folge der Explosionen am Landeshafen im Norden des Werks am Montag abgeschaltet worden. Gestern musste die BASF-Werksfeuerwehr erneut ausrücken: Diesmal zu einem Einsatz im Werksteil Süd (Bericht: Titelseite).

Wie lange es aber dauern wird, bis der erste Steamcracker wieder im Normalbetrieb sein wird, konnte eine Sprecherin gestern nicht sagen. Die Steamcracker gehören zu den wichtigsten Produktionsanlagen der BASF. Sie versorgen nachgelagerte Anlagen mit Grundstoffen. Ausgangspunkt der Steamcracker ist Rohbenzin, sogenanntes Naphtha. In den großen Anlagen werden die langen Kohlenwasserstoffketten in kürzere Moleküle aufgespalten. Jährlich werden in den beiden Steamcrackern laut Konzernangaben etwa zwei Millionen Tonnen Naphtha verarbeitet. Die Steamcracker sollen wegen der durch das Feuer am Landeshafen Nord beschädigten Leitungen jetzt über einen kleineren Hafen auf der Friesenheimer Insel mit Naphtha versorgt werden. Es kommt immer mal wieder vor, dass einer der beiden Steamcracker abgeschaltet wird, beispielsweise für Wartungsarbeiten. Allerdings gab es bislang noch kein Ereignis, in dessen Folge beide Steamcracker heruntergefahren werden mussten. Der Konzern macht keine Angaben, wann wieder beide am Netz sein werden. Außerdem sind momentan noch 22 weitere Anlagen im Ludwigshafener Stammwerk außer Betrieb. Das Unglück vom Montag forderte bislang drei Menschenleben. Zwei Angehörige der Werksfeuerwehr starben in den Flammen. Es handelt sich bei ihnen um den aus Worms stammenden Einsatzleiter sowie um einen 38-Jährigen aus der Verbandsgemeinde Lingenfeld. Außerdem starb vermutlich ein Matrose, der von der Wucht der Detonation ins Wasser geworfen wurde. Laut dem Unternehmen hatte das Unglück zudem 17 Leicht- und acht Schwerverletzte zur Folge. Einige liegen mit teils schweren Brandverletzungen auf der Intensivstation. Am Montag hatte es, wie berichtet, neben der Explosion in Ludwigshafen noch einen weiteren Zwischenfall im BASF-Werk im südhessischen Lampertheim gegeben. Dabei wurden vier Personen verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Zwei konnten noch am Montag die Klinik verlassen. Die beiden anderen befinden sich laut BASF noch im Krankenhaus. Allerdings sei davon auszugehen, dass sie bald wieder nach Hause könnten, sagte gestern eine Sprecherin. Wie die BASF gestern informierte, wird derzeit in Mannheim das Gelände einer ehemaligen Kaserne vorbereitet. Dort sollen LKW von Lieferanten unterkommen, die derzeit das BASF-Werksgelände nicht anfahren können. Das Tor 15, die zentrale Werkszufahrt, bleibt auf unabsehbare Zeit gesperrt. Die BASF würde gerne sobald wie möglich mit den Aufräumarbeiten im Ludwigshafener Industriehafen Nord beginnen, um den Hafen wieder in Betrieb nehmen zu können. Tankschiffe liefern dort normalerweise Gas, Öl und Chemikalien an, die für die Produktionsbetriebe gebraucht werden. Doch die Staatsanwaltschaft hat die Unglücksstelle beschlagnahmt. Zunächst war ein Feuer in einem Rohrgraben ausgebrochen, dann kam es zu einer Explosion mit Folgebränden. Der Leitende Oberstaatsanwalt Hubert Ströber (Frankenthal) sagte gestern, dass die Staatsanwaltschaft Sorge tragen müsse, dass keine Beweismittel verloren gingen. „Es liegt nahe, dass Teile, an denen brennbare Inhaltsstoffe ausgetreten sind, von besonderem Interesse für unsere Ermittlungen sind“, sagte Ströber. Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft seien vor Ort im Industriehafen sowie ein von den Ermittlern beauftragter Sachverständiger, der entscheiden soll, was genau von den Behörden gesichert werden soll. Nach der Gasexplosion in Ludwigshafen vor zwei Jahren hatte die Staatsanwaltschaft einen Teil der Gaspipeline beschlagnahmt, abtransportiert und von Experten untersuchen lassen (siehe Artikel oben). Unterdessen hat die BASF angekündigt, dass sich Vorstands-Chef Kurt Bock nächste Woche erstmals öffentlich zu dem Unglück äußern will. Eine Sprecherin kündigte den Auftritt Bocks bei der Quartalspressekonferenz am kommenden Donnerstag an. Daran soll auch Standortleiterin Margret Suckale teilnehmen. Titelseite |gana/mix

x