Rheinpfalz Ein bisschen Dolce Vita

Kusel hat eine neue Partnerstadt auf Sizilien. Der Stadtrat beschloss am Freitag einstimmig die Verbindung mit Valguarnera Caropepe. Bereits im März war eine Delegation aus Kreisstadt und Landkreis auf der italienischen Mittelmeerinsel zu Besuch. Dort ist die Partnerschaft schon beschlossene Sache.
Als „deutliches Zeichen für Europa“ charakterisierte Stadtbürgermeisterin Ulrike Nagel (SPD) die neue Städtepartnerschaft. Nach ihrer Überzeugung wird sich über persönliche Beziehungen hinaus eine lebendige Partnerschaft entwickeln. Nagel wies in diesem Zusammenhang auf wirtschaftliche Verbindungen durch den Absatz von regionalen Produkten hin. Zudem stellte sie Fördermittel der EU in Aussicht. Nach der Jumelage mit dem französischen Toucy 1973 und dem ungarischen Zalaegerszeg vor 20 Jahren, die beide ihren Ursprung im Jugendaustausch hatten, hat die nunmehr dritte Städtepartnerschaft Kusels mit der knapp 8000 Einwohner zählenden sizilianischen Kommune andere Wurzeln. „Angestiftet“ hat die italienisch-deutsche „Hochzeit“ Giuseppe di Fede, Wirt des Kuseler Restaurants Ziegelhütte. Es gebe bereits viele Verbindungen, berichtet der „Josef“ genannte Gastronom, der bereits seit 36 Jahren in der Kreisstadt lebt. Mit seinem in Baumholder wohnenden Cousin Fino di Fede und weiteren Kollegen organisiert er etwa die „Italienischen Nächte“. Unter anderem daher kenne man sich „lange und gut“, sagte Beigeordneter Christian Buch im Stadtrat. Zusammen mit dem Kreisbeigeordnetem Jürgen Conrad, Vertretern der „Kulinarischen Landstraße“ und weiteren Mitreisenden aus der Region reiste Buch im März nach Sizilien. Im Gepäck: 200 Liter Bier, Würste aus Konken, Liköre von der „Kulinarischen Landstraße“ und Wunderlich-CDs. Mitgebracht von der Insel hat er eine bebilderte Präsentation über die sizilianische Stadt. In seinem Vortrag bemühte sich Buch, möglichst viele Parallelen mit der Kreisstadt herauszustellen: „Die haben auch einen Kreisel“, kommentierte er ein entsprechendes Foto. Und der Sohn der Stadt-Beigeordneten sei ein bekannter Tenor. Zudem gebe es auch einen Wochenmarkt – nur mit dem Unterschied, dass dorthin mehr als 150 Händler kommen. Ferner bestünden Wirtschaftsbeziehungen zwischen einem Juwelier und dem Edelsteinort Idar-Oberstein. Zudem ist ebenso wie in Kusel eine Frau Bürgermeisterin. Und nicht zuletzt: Die Leute in dem Bergdorf verstünden es zu feiern. Das Fest des Heiligen Giuseppe, ein recht katholisches Spektakel, verglich Buch sogar mit der Kuseler Messe – „nur ohne Fahrgeschäfte“. Nicht im Bild einfangen konnte der Beigeordnete „die Herzlichkeit, mit der wir in Sizilien empfangen wurden“. Ein erstes „Beschnuppern“ mit den neuen Freunden in Sizilien hatte es beim Europäischen Bauernmarkt 2016 in Hefersweiler gegeben. Buch und di Fede betonten vor der Abstimmung im Stadtrat, dass die Sizilianer auch nach den Erfahrungen auf dem Bauernmarkt „großes Interesse“ an der Partnerschaft zeigten. Die Fraktionen sprachen sich einmütig für die neue Städtepartnerschaft aus. „Da kann gar nichts dagegen sprechen“, sagte Ulrich Ernst (CDU). Für die SPD zeigte sich Peter Schmid „absolut dafür“. Und Eckhard Steuer (Grüne) nannte die Partnerschaft „längst überfällig“. Offen blieb im Stadtrat allerdings, wie die Partnerschaft konkret gelebt werden soll. Außer den örtlichen Festivitäten kamen weitere mögliche Themen und Inhalte – etwa Kultur- oder Jugendaustausch – nicht zur Sprache. Intensivieren können die Kuseler ihre neue Partnerschaft bei den Italienischen Nächten am 7. und 8. Juli.