Rheinpfalz Eigene Welt mit 959 Gärten

Freuen sich über die Auszeichnung: Alexander Kubiak (links) und Dominic Kraft.
Freuen sich über die Auszeichnung: Alexander Kubiak (links) und Dominic Kraft.
«Mannheim.» Stolz führen der Vorsitzende Alexander Kubiak und sein Stellvertreter, der gärtnerische Fachberater Dominic Kraft, durch die Wege, die nach Nelken, Gladiolen, Blüten, Knospen und Geranien benannt sind. Allesamt winden sie sich unterhalb des Rheindamms entlang, dessen Sanierung und die damit verbundenen Baumfällungen gerade viele Menschen im Mannheimer Süden in Aufruhr versetzen. In der Anlage mit ihren 959 Gärten ist davon nichts zu spüren. Hier summen die Hummeln, tummeln sich Bienen und Käfer tun weitestgehend ungestört, womit sich Insekten eben den Tag vertreiben. „Wir haben eine Warteliste mit rund 50 Leuten, die auf einen Garten in unserer Anlage warten“, berichtet Kubiak. In Anbetracht der Blütenpracht vor den kunterbunten Häusern, die einer Astrid-Lindgren-Geschichte entsprungen sein könnten, ist das auch kein Wunder. Allerdings steckt hinter der Gartenpracht eine Menge Arbeit, wie Edward Gottmeier erzählt, der sein Kleinod seit 27 Jahren hegt und pflegt. „Ich bin jeden Tag hier draußen“, sagt der Rentner. Das im Sommer tägliche Bewässern des Rasens ist da noch das kleinste Problem. „Und dann mache ich, was sonst so anfällt.“ Boden auflockern, Blumen gießen, Rosen schneiden oder auch Salat ernten. Vom Preis, den die Anlage in diesem Jahr erhalten hat, weiß er nichts. Ein kleines bisschen stolz darf er aber ruhig auf den Beitrag sein, den sein zweigeteilter Garten – einerseits fast englisch gepflegt, auf der anderen Seite kontrollierter Blumenwildwuchs – dazu beigetragen hat. So gab es bei der Bewertung insbesondere für Leistungen im Umweltschutz Punkte. „Bei mir wird nichts gedüngt oder gespritzt. Hier ist alles Bio“, berichtet Gottmeier stolz. Auch die Äpfel und Birnen, die dicht an dicht an den Ästen hängen und eine hervorragende Ernte versprechen. Und alles ohne künstliche Hilfsmittel. „Das liegt nur am guten Schnitt.“ Auch ein Ergebnis der guten Vereinsarbeit. „Wir haben einen Lehrgarten, in dem wir Mitgliedern den richtigen Baumschnitt vermitteln“, verrät Fachberater Kraft. Und auch die Rosen stehen in voller Blüte. Auch bei Brigitte Hoecker, die ihren Garten seit 1984 nach ihren Vorstellungen bearbeitet. Neueste Errungenschaft sind dabei die beiden Hochbeete, in denen Gemüse und Salat nicht nur in Reih und Glied, sondern auch in optimaler Bearbeitungshöhe für die Rentnerin gedeiht. „Hochbeete werden, gerade unter den älteren Gartenbesitzern, immer beliebter“, weiß Kubiak, der Wert darauf legt, die Anlage ständig zu verjüngen. „Wir wollen vor allem Leute mit Kindern hierher bekommen. Es ist schließlich auch für die Kinder wichtig zu lernen, wie eine Tomate oder eine Karotte wächst.“ Allerdings gebe es auch eine Einschränkung: „Wir sehen uns zunächst einmal den Menschen hier in der Umgebung verpflichtet.“ Kleingartenfreunde aus den Stadtteilen Almenhof, Neckarau oder Lindenhof bis in die Schwetzingerstadt werden bei der Gartenvergabe bevorzugt. „Für die ist dann auch die Anfahrt nicht so lang und sie können sich richtig um ihren Garten kümmern“, nennt Kubiak den Vorteil dieser Regelung. Die für Umwelt zuständige Bürgermeisterin Felicitas Kubala (Grüne) zeigte sich wie die gesamte Fachjury von den Anstrengungen beeindruckt. „Kleingärten sind grüne Oasen voller Artenvielfalt. Sie bieten den Menschen in Mannheim Raum für Erholung und wirken sich wohltuend auf das Stadtklima aus, denn Pflanzen sorgen für frische Luft und Abkühlung in den Sommermonaten.“ Immerhin gehört hier im Süden mittlerweile der Tümpel in jedem Garten fast schon zum guten Ton. „Die Auszeichnung ist für uns ein Ansporn“, versichert Kubiak. „Wir haben noch einiges an Potenzial. Wir könnten zum Beispiel eine Nutzwiese anlegen oder auch Insektenhotels aufbauen“, ergänzt Kraft. Es gibt also auch im Mannheimer Süden noch viel zu tun. Und dafür ist jetzt wieder ein bisschen Zeit. Denn im Wettbewerb stehen jeweils die Anlagen in vergleichbaren Größenordnungen. So werden in den kommenden Jahren zunächst wieder die Anlagen mit bis zu 200 Gärten, dann die mit bis 500 Parzellen und dann erst wieder die Großanlagen wie in Mannheim-Süd begutachtet.