Rheinpfalz Die Herzen schlagen für „Les Bleus“
Bad Dürkheim. Für wen werden in einer deutsch-französischen Familie in Bad Dürkheim, in der sich fast alles um Fußball dreht, bei der Europameisterschaft in Frankreich die Daumen gedrückt? „Wir sind für Frankreich, und wenn Frankreich ausgeschieden ist, dann drücken wir den Deutschen die Daumen“, sagt die Mama. Und Sohn Remi (14) nickt zustimmend.
Laurence Faivre-Jahnel hat es als sehr junge Frau nach Deutschland verschlagen. Zunächst lebte sie in Wuppertal, „weil ich einen ganz tollen Job dort bei Gepa hatte“. Dass es für die aus Lens stammende Nordfranzösin in der Lotterie des Lebens in Deutschland eine Station weiterging, hatte mit der Liebe zu tun. Es ist ihr fast ein bisschen peinlich, weil es so kitschig klingt. Aber ihren Mann Udo Jahnel hat sie so kennengelernt: „Ich habe in Bad Dürkheim auf der Stadtmauer gesessen und ein Eis gegessen.“ Dann hat sie Udo gesehen, und Udo hat sie gesehen ... Zunächst ging das junge Paar nach Wuppertal. Dort hat es aber nur geregnet. „Und Udo hat gesagt, ich will heim“, sagt Laurence Faivre-Jahnel, die es dann eben mal probiert hat in der Pfalz – und sehr glücklich ist, auf diesem Fleckchen Erde zu leben. Sie liebt Südfrankreich, das Licht, die Luft, die Leichtigkeit. Und die hat sie ein Stück weit in der Vorderpfalz wiedergefunden. „Sie hat schon ein französisches Flair. Das Klima ist sehr freundlich“, findet sie. Und die Menschen dazu sind es ihres Erachtens auch: „Die Pfälzer sind, auch wenn das manche anders sehen, ein offenes und fröhliches Volk. Ich fühle mich als Französin hier sehr akzeptiert.“ Weiteres Neuland ist für sie der kleine Kosmos des regionalen Jugend-Fußballs gewesen. Weil Remi ein begeisterter Kicker ist, hat er in Seebach angefangen. Doch mittlerweile ist Mama Laurence als Chauffeur gefragt, weil er in der C-Jugend von Phönix Schifferstadt spielt. Er ist ein Linksfuß und spielt Linksaußen. Sein Lieblingsspieler ist der brasilianische Barcelona-Star Neymar. Und Pogba mag er, den schlaksigen Dampfmacher von Juventus Turin. Sein Lieblingsverein ist der 1. FC Kaiserslautern. Eine Fußball-Mama zu sein, findet Laurence Faivre-Jahnel so weit ganz okay. „Ich habe es mir nicht ausgesucht. Aber es ist schön, wenn du ein Kind hast, das ein Talent hat. Ich freue mich für ihn“, sagt sie. „Mir geht es nur darum, dass er seine Fähigkeiten entwickeln kann. Wenn es ein Instrument wäre, würde ich auch zu jedem Konzert gehen. Für mich ist dabei nur wichtig, dass die Schule nicht zu kurz kommt“, erklärt die Mutter von zwei Söhnen, für die das Miteinander in einem Verein etwas typisch Deutsches ist. Eine Rolle spiele sicher, dass die Kinder in Frankreich den ganzen Tag in der Schule sind. In ihrer Heimatstadt Lens war der Fußball auch ein großes Thema in der Jugend. Alle waren Fans, haben Fußball gespielt und sind zum RC Lens ins Stadion gegangen – in Frankreich 1998 Meister, im gleichen Jahr wie der FCK. „Es ist flach, grau und industriell, vom Bergbau geprägt“, meint sie – macht allerdings eine Ausnahme: „Die Nordsee ist das Schönste an Nordfrankreich.“ Und der Wurstmarkt? „Ich gehe gerne hin“, sagt Laurence Faivre-Jahnel. Aber so ganz verstehen kann sie das große Dürkheimer Kribbeln dann doch nicht. „Remi wird ganz nervös, wenn das Riesenrad einmal steht.“ Die Familie hat einen Blick auf den Festplatz. Beim Stichwort Schorle ist sie nur bedingt begeistert. Wein ja. Und sehr gern. Aber mit Wasser? Das kommt für einen Franzosen ja nicht in Frage. „Ich nippe aber an jedem Glas, das ich in die Hand bekomme“, sagt sie und lacht. Alles andere wäre in der Pfalz ja auch ein Affront.