Rheinpfalz Der Traum wird wahr
Die ersten Gäste reisen am Freitag an. Dann geht die neue „Hahnfels-Pension“ in Erfweiler offiziell in Betrieb. Es ist ein ganz besonderer Tag für Sandra und Edward Lowrie. Denn für die Beiden geht nun ein Traum in Erfüllung. An dessen Verwirklichung hat die vierköpfige Familie zielstrebig gearbeitet. Auch mit den eigenen Händen.
Die Betten in den Zimmern sind bezogen, im Frühstücks- und Aufenthaltsraum werden nur noch die letzten Kleinigkeiten gerichtet. Acht Zimmer, darunter vier Familienzimmer, mit insgesamt 24 Betten erwarten die Gäste der neuen „Hahnfels-Pension“ in Erfweiler, hell, wohnlich und modern eingerichtet. Alles ist bereit für die Eröffnung am Freitag. Doch gerade die letzten Wochen seien nochmal stressig gewesen, berichtet Sandra Lowrie: Viele Kleinigkeiten waren zu klären, die neue Telefonanlage machte Ärger, dazu kamen Formalitäten, beispielsweise für die angestrebte Klassifizierung im Vier-Sterne-Bereich. Dennoch strahlt die Gastgeberin. „Wir sind happy“, stellt Sandra Lowrie fest. Ihr Mann Edward nickt. Und, sagt er, sie seien auch „richtig stolz darauf“. Stolz auf das Erreichte darf die vierköpfige Familie auch sein. Denn Edward Lowrie hat, vor allem mit tatkräftiger Unterstützung durch seinen Sohn Max, die Pension in etwa drei Jahren weitgehend selbst gebaut – und dies nach Feierabend und am Wochenende, wenn der gelernte Kanalbauer die Arbeit in seinem kleinen Bauunternehmen für Betonbearbeitung erledigt hatte. Dabei war dann auch manches Neuland für Vater und Sohn. Zum Beispiel die abgehängte Decke im Frühstücks- und Aufenthaltsraum.
Eigenleistung hat sich gelohnt
Unterm Strich haben Externe dennoch nur wenige Arbeiten für sie erledigt, insbesondere bei Elektrik und Verputz. „Und wir haben überall mitgeholfen“, stellen Vater und Sohn fest. Doch nicht nur mit den eigenen Händen hat die Familie angepackt: Auch geplant haben sie selbst, etwa die Beleuchtung oder die Inneneinrichtung. „Wir waren ständig auf Messen“, erinnert sich Sandra Lowrie. Die hohe Eigenleistung hat sich bezahlt gemacht. Sie seien unter einer Million Euro Kosten geblieben, stellt Edward Lowrie fest. Allerdings sei das Projekt teurer gekommen als geplant. Beispielsweise Änderungen im Brandschutz hätten die Kosten in diesem Bereich etwa vervierfacht, stellt er fest. Auch die Entscheidung für eine hochwertigere Ausstattung der Zimmer, zum Beispiel bei den Möbeln oder beim Trittschallboden, schlug zu Buche. Dazu kam das Flachdach mit spezieller Dämmung.
Nach dem Wohnhaus die Pension
Dass er so viel wie möglich selbst machen würde, war für Edward Lowrie gar keine Frage. Denn zu seiner 25-jährigen beruflichen Erfahrung kommt für den 53-Jährigen der Spaß am Handwerk. Er mache das einfach gerne, sagt er. Das Wohnhaus neben der neuen Pension ist ein weiterer Beleg dafür: Auch dieses Gebäude hat der Familienvater fast alleine aufgebaut (die RHEINPFALZ berichtete am 4. Mai 2017 ausführlich). Dort wohnt die Familie seit 2006, dort befindet sich ebenfalls eine vor etwa acht Jahren eingerichtete große Ferienwohnung. Mit dem Bau des Wohnhauses und nun der Pension hat sich die Familie einen Traum verwirklicht. Seit 1998 arbeiten sie an dessen Umsetzung: Damals erwarb das Paar einen Teil einer früheren Schuhfabrik – eine Montagehalle, die sie erst einmal von 130 Kubikmeter Schutt befreien mussten. Heute übernachten Feriengäste dort, wo früher einmal bis zu 70 Beschäftigte Schuhe produzierten – ein Stück Schuhgeschichte, an das die Lowries im Frühstücks- und Aufenthaltsraum der Pension mit alten Fotos erinnern. Betreiben wird die Frühstückspension die gastronomieerfahrene Hausherrin. Alleine kann Sandra Lowrie dies aber nicht stemmen, da sie im Sommer noch den Kiosk am Seehof bewirtschaftet. Eine Teilzeit-Mitarbeiterin habe sie bereits gefunden, sagt sie, weitere dürften mit dem anlaufenden Betrieb hinzukommen. Die ersten Buchungen liegen bereits vor, etwa für die Osterferien; im Mai ist die Pension durch eine Radlergruppe bereits zeitweise voll belegt.
Vom Bau-Fieber gepackt
Am Freitag wird die Pension mit den ersten Gästen offiziell eröffnet. Für Edward Lowrie heißt das allerdings nicht, dass er damit auf der heimischen Baustelle fertig ist. An zwei neuen Ferienwohnungen im Gebäude arbeitet er noch; eine davon soll für Rollstuhlfahrer geeignet sein. Und eine Dachterrasse plant er außerdem. Ganz ohne „Heim-Werken“ geht es für den Bauherrn offensichtlich nicht. Genug vom Bauen hat er jedenfalls noch nicht. Doch, sagt er, er würde das Projekt nochmal angehen – nur etwas anders. Seine Frau schüttelt dagegen den Kopf. „Nochmal bauen?“ – nein, das könne sie sich nicht mehr vorstellen. „Höchstens noch mit Legosteinen.“