Rheinpfalz Der Teamspieler geht

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Lesen, reisen, Tennis spielen, Opa sein – das steht künftig auf dem Pensionärs-Stundenplan von Hans-Werner Altherr. Heute wird der Schulleiter der Berufsbildenden Schule Rodalben verabschiedet. Mit 63 Jahren geht Altherr zum Schuljahresende in den Ruhestand.

„Zuhause steht schon das Reisewohnmobil“, erzählt Altherr. Damit will er nach dem Ende seiner Dienstzeit an der Rodalber Berufsschule mit seiner Frau aufbrechen – in sein neues Leben als Pensionär. Das beginnt auf einer dem Uhrzeigersinn entgegengesetzten Rundreise durch Frankreich. Vom Lehrenden – „das eigene Unterrichten hat mir sehr viel Freude bereitet“, sagt er – will er zum Lernenden werden, seine Sprachkenntnisse verbessern. „Es wird eine Umstellung für mich geben. Die Ferien haben ja immer nach vier Wochen aufgehört.“ Einen ŚSchlussstrich hat Altherr bereits unter sein kommunalpolitisches Engagement gezogen. 30 Jahre war er CDU-Mitglied im Verbandsgemeinderat Schönenberg-Kübelberg, zehn Jahre Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Brücken. Künftig wird er Teile seiner Freizeit dem Diamantschleifermuseum in Brücken widmen, das er mit aufgebaut hat, seinem Tennisspiel und dem Tennisclub, bei dem er zweiter Vorsitzender ist. Sein Büro in der Schule hat er bereits aufgeräumt. Unterlagen, Bücher und Ordner sollen an der Schule bleiben. „Ich habe ziemlich alles ausgemistet“, erzählt Altherr. Mit nach Hause nehmen möchte er nichts. „Ich habe immer noch Unterlagen aus der Studienzeit. Meine Frau liegt mir deshalb schon seit Jahren in den Ohren. Ich kann nicht wieder Kisten mitnehmen“, sagt er. Seinem Nachfolger Hans-Peter Habelitz habe er frühzeitig Einblick „in die unüberschaubaren privaten Ablagen gegeben“, fügt er schmunzelnd an. Dass Habelitz sein Nachfolger wird, freut ihn. „Wo der ständige Vertreter übernimmt, gibt es keinen Bruch im Übergang“, bemerkt der scheidende Schulleiter. Seit 25 Jahren unterrichtet der Maschinenbau-Ingenieur an der Rodalber Schule. Nach seinem Lehramtsstudium und der Referendariatszeit an der BBS Kaiserslautern kam er 1980 nach Zweibrücken, unterrichtete aber bis 1982 auch die Nähmaschinenmechaniker in Kaiserslautern. 1989 folgten die Ernennung zum Studiendirektor, der Wechsel nach Rodalben und der Aufstieg in die Schulleitung. 1991 wurde er ständiger Vertreter des Schulleiters, 1997 trat er zunächst kommissarisch die Nachfolge von Günter Krämer an, seit 1998 ist er Oberstudiendirektor und Schulleiter. „Ich habe nicht vorgehabt, so lange in Rodalben zu bleiben“, räumt Altherr ein. Dass er trotz Angeboten nicht an eine größere BBS gewechselt ist, liegt an der „Schule, die eine tolle Struktur hat, eine tolle Ausstattung, ein tolles Lehrerkollegium, eine überschaubare Größe und eine wunderbare Lage“, zählt er schwärmerisch auf. „Aus den den geplanten zwei Jahren sind 25 geworden.“ Unter Altherr hat sich die Schule verändert. „Mein Vorgänger würde sie nicht mehr kennen, alleine von den Bildungsgängen, die neuen Berufsfelder, heute gibt es ganz andere Berufe“, sagt er. Heute ist die BBS an einem Standort zusammengezogen, biete ein umfassendes, durchlässiges Bildungsangebot „von der Berufsreife bis zur Hochschulreife“ an, sagt der Schulleiter. Jüngstes Kind ist die Erzieherfachschule, mit der die BBS auf einen gestiegenen Bedarf reagierte. Alleingänge des Schulleiters gab es bei strategischen Entscheidungen nicht. „Es ist immer das Team, das diese Entscheidungen trifft. Natürlich kommen Anregungen von mir“, bemerkt er mit Blick auf die Erzieherfachschule. Altherr pflegt einen offenen, vertrauensvollen Umgang. „Es gibt keine Geheimnisse, die nur der Schulleiter weiß“, betont er. Veränderte Bildungserwartungen und der demografische Wandel hinterlassen bereits Spuren. Zum neuen Schuljahr muss die BBS Klassen an andere Berufsschulen abgeben. „Nicht mehr jeder Standort wird alle Fachklassen anbieten können“, sagt Altherr. Große Probleme gebe es bei der klassischen dualen Ausbildung. Das sei nicht nur eine Folge der Schwierigkeiten des Handwerks, Nachwuchs zu finden. „Im Inland tut die Politik alles, um das duale Ausbildungssystem an die Wand zu fahren“, bemerkt er. Es wird Konzentrationen geben, davon ist er überzeugt. Schulstandorte zusammenlegen sieht er nicht als die ideale Lösung an. „Es ist nicht sinnvoll, große Einheiten zu schaffen. 1200 Schüler und 80 Kollegen lassen sich sehr gut managen. Wir sind näher dran, das ist ein Vorteil.“ Im August, irgendwo zwischen Caen und St. Malo, sucht Hans-Werner Altherr aber erstmal Abstand. (daa)

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