Rheinpfalz Den Forschergeist beflügeln
«Waldfischbach-Burgalben.» „Herr Hinkel, was sollen wir jetzt machen?“, fragen Linda, Armani, Maria, Maggie, Nicola und Marie, als sie in den Raum kommen. Sascha Hinkel, Schulleiter der Grundschule „Heidelsburg“, schmunzelt. Das ist genau die Frage, auf die er gehofft hat. „Findet es raus, schaut einfach mal“, sagt er und zeigt auf die fünf Experimentierstationen, die die Schülerinnen mit den Augen und den Händen schon genauer untersuchen. Forschergeist frei.
Genau das ist beabsichtigt. Den Forschergeist der Schüler wecken. „Wir sind jetzt eine Forscherschule“, freut sich Hinkel, während die Schülerinnen Kugeln über Holzbahnen laufen und Kegel Kreise in den Sand ziehen lassen. Selbstständig arbeiten sie. Erklärungen von Hinkel zu den Stationen: Fehlanzeige. Aber die Neugier durch bestimmte Fragen weiter anfeuern, das darf er und tut er. Das ist so gewollt. Arbeiten wie ein Forscher, der vor einem Phänomen steht und sich dann Gedanken darüber macht, warum etwas so ist, wie es ist – genau so sollen die jungen Forscher an der Grundschule arbeiten. Das funktioniert gut. Die jungen Forscher – auch das ist gewollt – schließen sich automatisch zusammen, erkennen und entdecken als Forschergemeinschaft gemeinsam die Phänomene an den fünf Stationen. „Wir sind jetzt quasi ein kleines Dynamikum“, erklärt Hinkel die aufgebauten fünf Versuche. „Miniphänomenta“ heißen die Mitmach-Experimentierstationen. Insgesamt gibt es 52 dieser Stationen, an denen die neugierigen Schüler naturwissenschaftliche und technische Phänomene erleben können. Fünf Stationen, gesponsert von der Nordmetall-Stiftung, besitzt die Grundschule und hat sie zurzeit am Standort in Burgalben aufgebaut. Es sollen noch viele dazu kommen. Mit Hilfe von Sponsoren oder durch geschickte Handarbeit der Eltern soll das neue Schulgebäude in Waldfischbach, das im Sommer bezogen wird, zu einer richtigen Forscherstation werden. Ausprobieren, anfassen, nachdenken, noch mal ausprobieren. Für diesen natürlichen Forscherdrang bleibt in einer digitalisierten, terminlich oft durchgetakteten Welt immer weniger Zeit und Raum. Genau diese Fähigkeiten werden aber gebraucht. Auch um beispielsweise später Simulationen erstellen zu können. Nur was man versteht, kann man auch simulieren. Für Hinkel keine Frage: „Man muss etwas richtig erfahren und erforschen können, um es wirklich zu verstehen. Kinder sind von Natur aus neugierig, deshalb muss diese Neugier gefördert werden.“ Physikalische Gesetzmäßigkeiten lernen Kinder am besten kennen, indem sie sie eigenständig erforschen. Das haben schon einige Kindergärten erkannt, legen als zertifiziertes „Haus der kleinen Forscher“ den Grundstein, um die Experimentierfreudigkeit zu fördern. Weiterführende Schulen, die den Schwerpunkt auf Mathematik und Technik legen, lassen sich als Mint-Schule (Mint: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zertifizieren. „Wir sind jetzt als Miniphänomenta-Schule, als Forscherschule genau das Bindeglied dazwischen, sorgen dafür, dass der Forschergeist nicht verloren geht“, sagt Hinkel. Alle zwölf Lehrer der Grundschule haben die Miniphänomenta-Fortbildung absolviert. Die Phänomene an den fünf Stationen haben die jungen Forscherinnen schnell erkannt. „Zieht man die Holzschienen auseinander, rollt die Kugel auch bergauf“, erklären die Jungforscherinnen an der Kugelrampe. Die Bahnen, auf denen die Kugel rollt, können wie eine Schere auseinandergedrückt werden. Geht die Schere auf, sinken die Bahnen hinten, und obwohl es so aussieht, als würde die Kugel bergauf rollen, rollt sie dadurch leicht bergab. Der Forscherdrang kennt keine Grenzen. An der Station, die einen Versuch von Galileo Galilei zeigt, kollidieren die Kugeln immer in der Mitte, egal in welcher Höhe der Bahn sie starten. Die Kugeln rollen zu lassen, allein das macht schon Spaß; zu verstehen, dass sie je nach Steilheit der Bahn unterschiedliche Geschwindigkeiten erreichen, ist ein Forschererfolg, den es auch an der Lissajousfigur gibt, an der schwingende Pendel Figuren in den Sand zeichnen. „Die Ananas“ heißt diese Station wegen des entstehenden Bildes im Sand bei den Jungforscherinnen, die auch Spaß an der „starken Luft“ haben, die Wasser in einer Flasche hält. Geforscht werden soll, so lange Lust dazu besteht, ohne Zwang. Denn eines soll forschen und experimentieren nicht sein: langweilig.