Rheinpfalz Da hilft nur noch die Flex
Waldfischbach-Burgalben. Polizei, Schlüsseldienst, Mitarbeiter der Kreisverwaltung fahren vor. Bezirksschornsteinfegermeister Sascha Neu kommt hinzu. Bei Dieter Prost, der sich bis dato geweigert hat, dass Neu in seinen beiden Häusern die Feuerstättenschau vornimmt, soll die Feuerstättenschau nun durchgesetzt werden (die RHEINPFALZ berichtete mehrfach). Aus Sicherheitsgründen ist die Polizei vor Ort.
„Wir sind hier um Vollzugshilfe zu leisten, um die wir von Seiten der Kreisverwaltung gebeten wurden“, erklärt Polizeioberkommissar Markus Dully. Die Beamten nehmen den Bereich um die beiden aneinander gebauten Häuser in Augenschein, sichern ab. Dully ruft, weil auf einem Balkon Leute zu sehen sind. Es sind Mieter einer Wohnung in einem Haus von Dieter Prost. Die sind erst einmal erschrocken. Dass der Schornsteinfeger kommen würde, damit hatten sie gerechnet, darauf hatte sie die Kreisverwaltung in einem Schreiben hingewiesen. „Aber ich habe nicht mit so vielen Männern und nicht mit Polizei gerechnet“, sagt die Mieterin. Nach all dem, was in der Vergangenheit vorgefallen sei, erklärt ihr ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung, sei das aus Sicherheitsgründen notwendig. Es wird immer wieder an die Tür des Hauses geklopft, in dem Prost wohnt. Nichts rührt sich. Auch nicht hinter den Fenstern. Weil sein Auto, das sonst immer vor dem Haus stehe, nicht da sei, vermuten Anwohner: „Der ist nicht da, sonst würde das Auto da stehen.“ Nach vergeblichem Warten, dass jemand die Tür öffnet, wird der Schlüsseldienst herbeigerufen. Im Mai 2015 hatte es schon mal eine ähnliche Szenerie mit Polizei, Kreisverwaltung und Schlüsseldienst vor den beiden Häusern gegeben. Damals hatte Prost vom Fenster aus erklärt, dass er die Tür nicht öffnen werde. Da zum damaligen Zeitpunkt noch ein Kreisrechtsausschussverfahren anhängig war – Prost hatte erklärt, die Feuerstättenschau sei unnötig, weil ein Schornsteinfegermeister regelmäßig seine Öfen und Heizung kontrolliere, also sei die Schau Nepp –, war damals darauf verzichtet worden, sich mit Hilfe des Schlüsseldienstes Zutritt zu verschaffen. Die Situation sollte nicht eskalieren. Es sollte das Ende des rechtlichen Verfahrens abgewartet werden. Das Verfahren ist abgeschlossen. Der Kreisrechtsausschuss wies Prosts Widerspruch mit Verweis auf die bestehende Gesetzeslage zurück. Den Klageweg beschritt Prost nicht. Jetzt also gibt es kein Zurück mehr. Während im Haus bei den Mietern der Bezirksschornsteinfegermeister in Begleitung von Polizeibeamten die Heizeinrichtungen kontrolliert, geht der Schlüsseldienst an die Arbeit. Die alte Tür scheint kein Problem zu sein. Ein Irrtum. Schweres Gerät muss geholt werden. Das Schloss wird gezogen. Noch immer gibt es keinen Zutritt. Die Tür ist zusätzlich gesichert. Kette, Querriegel. Die Flex muss her. Funken sprühen. Dann sind die Sicherungseinrichtungen durchtrennt. Vorsichtig drückt der Schlüsseldienst die Tür einen Spalt weit auf. Die Polizeibeamten, die auf der Straße geblieben sind, nähern sich – und dann die Überraschung: Prost ist doch im Haus. Die Kollegen rufen Einsatzleiter Dully, der mit dem Schornsteinfeger im anderen Haus unterwegs ist. Der spricht mit Prost, erst vor der Tür, dann drinnen. Längere Zeit. „Ich habe versucht, ihm die Lage zu erklären“, sagt Dully. „Was ich nicht verstehe, ich habe das doch alles bezahlt. Über 700 Euro. Damit ist das für mich erledigt“, sagt Prost. Ist es nicht. Bezahlt hat er alle Kosten aus den vorhergehenden Verfahren, inklusive Bußgeld, erklärt der Verwaltungsmitarbeiter. Die gesetzlich vorgeschriebene Feuerstättenschau wurde aber noch nicht vorgenommen. Dully hat Erfolg mit seinem Gespräch. Prost lässt die Feuerstättenschau in dem Haus vornehmen, in dem er selbst wohnt, und öffnet im Nachbarhaus die Wohnung eines weiteren Bewohners, der nicht vor Ort ist. Sonst hätte der Schlüsseldienst auch diese öffnen müssen. Unter Protest mache er das, sagt Prost und erklärt: „Dazu haben die kein Recht. Deutschland ist kein freies Land, sondern ein von den Amerikanern besetztes Land. Es gibt also keine hoheitlichen Aufgaben seitens eines deutschen Staates.“ Die Deutschen seien keine freien Bürger. „Schauen Sie mal auf Ihren Ausweis, was da steht“, ergänzt er und verweist auf das Wort „Personal“ vor Ausweis. „Das sind wir, Personal“, sagt er. Er räumt ein, dass er es verpasst habe, den gerichtlichen Weg weiter zu gehen. Der Schlüsseldienst baut ein neues Schloss ein. „Dazu sind wir verpflichtet, wir müssen ja sicherstellen, dass die Tür wieder gesichert ist“, erklärt der Mitarbeiter der Kreisverwaltung. „Das hätte es nicht gebraucht, ich habe gesagt, ich baue wieder ein Schloss ein“, sagt Prost. Das neue Schloss muss er bezahlen, den Einsatz des Schlüsseldienstes und den der Polizei auch. Das ist absehbar. Er habe mit einem Anwalt und der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier gesprochen, erzählt Prost. Von beiden Seiten sei ihm gesagt worden, dass die Feuerstättenschau auch im Urlaub des zuständigen Bezirksschornsteinfegermeisters vorgenommen werden kann. Beispielsweise von einer Vertretung. „Dann hätte ich nicht so ein Problem mit der Sache gehabt, aber auf mein Schreiben vom Montag, in dem ich darauf hinweise, habe ich keine Antwort erhalten“, sagt Prost. Wiederum begleitet von Polizeibeamten nimmt der Schornsteinfegermeister die letzten verbliebenen Öfen und Heizeinrichtungen in Augenschein. So wie es die Feuerstättenschau vorschreibt. Einsatz beendet. Alles ruhiggeblieben.