Annweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Christine Werners Buch erzählt von tablettensüchtigen Eltern aus Kindersicht

Berührt mit einfühlsamen, sperrigen Themen: Christine Werner, die aus Annweiler stammt und in Köln lebt.
Berührt mit einfühlsamen, sperrigen Themen: Christine Werner, die aus Annweiler stammt und in Köln lebt.

Der Silberregen, in dem ein Mädchen steht wie die strahlende Siegerin einer Quizsendung, besteht aus leeren Tablettenbriefchen. Der aus Annweiler stammenden Autorin und Journalistin Christine Werner geht es in ihrem neuen Buch „Silberregen glitzert nicht“ um reale Lebenssituationen.

Emely, das Mädchen im Silberregen, versucht, die Tablettensucht ihrer Mutter aufzufangen. Sie kümmert sich um die zwei kleineren Geschwister, geht zur Schule und tut alles, damit nicht mal ihr bester Freund Mathis merkt, was los ist. Dabei erinnert sich Emely an die guten Zeiten, als ihre Mutter nicht dauernd im Bett lag, sondern die Familie gemeinsam Quiz gespielt hat. Natürlich kann Emely ihren Einsatz nicht auf Dauer durchhalten.

Christine Werner kennt sich mit schwierigen Lebenssituationen aus. Sie arbeitet als Feature-Macherin für die ARD-Hörfunksender, Schwerpunkt sind soziale und gesellschaftspolitische Themen. Beim Dokumentarfestival in Karlsruhe erhielt sie dieses Jahr gemeinsam mit einer Kollegin den ersten Preis. Angefangen hat das alles auf einer ganz anderen Schiene. Für den Leistungskurs Sport wechselte die 1967 geborene Christine Werner von ihrer Landauer Schule zum Trifels-Gymnasium nach Annweiler. „Was macht man mit den Kumpels in Annweiler, wenn man nicht gerade am Marktplatz abhängt? Man geht in einen Sportverein, oder gleich in mehrere“, erzählt die Autorin. So kam Werner zum Studium an der Sporthochschule Köln und entdeckte dort den Schwerpunkt Sportpublizistik.

Erst Hörfunk, dann Bücher

„Ich machte Praktika in Sportredaktionen, aber die haben damals vor allem Ergebnisberichterstattung gemacht, das fand ich nicht so spannend. Mich interessiert, was dahintersteht, zum Beispiel der Umgang mit Hooligans oder die Kunst der Teambildung im Ruder-Achter. Diese Themen habe ich bei den Feature-Redaktionen untergebracht, so kam ich zu den Hörfunk-Features. Und für den Kölner Bürgerfunk habe ich Sendungen mit ganz unterschiedlichen Gruppen gemacht, da waren Naturschützer dabei, die Anonymen Alkoholiker, das Knastradio der örtlichen JVA“, erinnert sich Christine Werner.

Für ein halbes Jahr kam sie aus dem Journalismus heraus und hatte Zeit nachzudenken, was sie sonst noch machen möchte. „Dann war der Wunsch da, Kinder- und Jugendbücher zu schreiben. Ich habe immer gern gelesen, besonders gern realistische Bücher. Für Kinder und Jugendliche zu schreiben finde ich extrem reizvoll, weil das ganz spannende Lebensphasen sind, in denen viele wichtige Themen liegen“, sagt die Autorin.

Die Regenbogenfamilie

Ihr erstes Buch, „Blitzeinschlag im TerriTorium“ von 2021, handelt vom Entstehen einer Regenbogenfamilie. Terris Eltern sind getrennt, der Vater hat eine Neue. Terri wünscht sich für ihre Mutter ebenfalls eine neue Beziehung. Terris beste Freundin ist gerade verliebt, und Terris Mutter zeigt dieselben Symptome. Doch Micha, Mutters Neuer, entpuppt sich als Michaela, und Terri weiß nicht, was da auf sie zu kommt. Am Ende ist es Terri, die um ihre neue Familie kämpft.

„Bei Lesungen sagen viele Kinder, Hauptsache, die Mutter ist glücklich, und Terri geht es gut“, berichtet Christine Werner von den Reaktionen des jugendlichen Publikums. In ihrem Kölner Freundes- und Bekanntenkreis gibt es einige Regenbogenfamilien. „In Familien geht es um die Liebe zueinander“, sagt Werner.

Besuche in der Pfalz

Ihre Familie lebt nach wie vor in und um Annweiler. Die Eltern, Onkel und Tante, die beiden Schwestern mit ihren Familien. „Besuche in Annweiler bedeuten für mich Eintauchen in die Familie. Und immer steht ein guter Wein im Kühlschrank“, freut sich die Autorin. Außerdem ist eine ihrer Nichten eine begeisterte Leserin, an der sie ihre Buchtexte testen kann.

Dieses Mal ist der Besuch nicht ganz privat, sie wird aus „Silberregen glitzert nicht“ lesen. „Die Reaktionen der Kinder waren bisher sehr mitfühlend, sie hatten Verständnis für Emelys Versuch, die Tablettensucht ihrer Mutter geheim zu halten. Ein Junge meinte: der Mathis, das ist ein Ehrenmann!“, berichtet Werner von den Reaktionen ihres Publikums. Laut Statistik wachsen drei Millionen Kinder in Deutschland in Suchtfamilien auf. Deshalb führt Werner in ihren Lesungen nicht nur die lustigen Quizfragen in einer Powerpoint-Präsentation auf, sondern auch die Hilfsangebote.

Info

  • Christine Werner liest am 21. und 22. Juni an ihrer Alten Schule, dem Evangelischen Trifels-Gymnasium in Annweiler, aus ihrem neuen Buch „Silberregen glitzert nicht“.
  • Christine Werner „Silberregen glitzert nicht“; Mixtvision Mediengesellschaft, München 2023, empfohlen ab elf Jahren, ISBN 9783958541979; 208 Seiten, 16 Euro.
Cover von Christine Werners Buch „Silberregen glitzert nicht“.
Cover von Christine Werners Buch »Silberregen glitzert nicht«.
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