Rheinpfalz Brücke zwischen Natur und digitaler Welt
Quadratisch, praktisch – „guuut“. Letzteres werden die Kinder des Kindergartens in Thaleischweiler-Fröschen spätestens dann sagen, wenn sie das Gemüse, das sie im Quadratgarten gegenüber ihrem Kindergarten gepflanzt haben, essen dürfen. Der Quadratgarten ist einer von vier Teilbereichen des Lehrgartens des Obst- und Gartenbauvereins Thaleischweiler-Fröschen (OGV) in der Talstraße. Der Verein will auf der Fläche Flora und Fauna auch digital erlebbar machen.
„Der Garten soll eine Brücke bauen zwischen der Realität und Natur zum Anfassen sowie der neuen digitalen Welt, die abstrahiert und modelliert und damit komplexe Zusammenhänge vereinfacht darstellt“, erläutert der OGV-Vorsitzende Martin Klausmann. Der Verein ist mit dem Projekt „Garten real-digital“ im Wettbewerb Google Impact Challenge unter die bundesweit 100 Finalisten gekommen (siehe Zur Sache). Die Idee reifte 2015 anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Vereins. Der damals verwilderte Garten zwischen evangelischem Kindergarten und evangelischer Kirche wurde auserkoren, um zum einen im früheren Pfalzwerke-Trafohäuschen das Material des Vereins unterzubringen, und zum anderen um mitten im Dorf, für viele Menschen sichtbar, einen Lehrgarten anzulegen. Zunächst real. Digital ist die Stufe, die folgt. Aus vier Segmenten setzt sich der Lehrgarten auf 400 Quadratmetern zusammen, der in den vergangenen zwei Jahren zum Hingucker wurde. Segment eins ist die Bienenweide, die den schwarz-gelben Bestäubungshelfern reichlich Gelegenheit zum Pollensammeln bietet. Honigschleudern ist ein weiteres Ziel. Segment zwei gehört dem phänologischen Garten. Ein Projekt, das weltweit läuft und von der Humboldt-Universität in Berlin koordiniert wird. In speziellen Global-phenologic-monitoring-Gärten werden 16 Pflanzenarten gesetzt – Bäume und Sträucher, unter anderem Mandel, Sauerkirsche und Besenheide. Ihre Entwicklung wird genau beobachtet. Über das Jahr hinweg, über Jahre hinweg. Das ermöglicht zum Beispiel, die Folgen des Klimawandels auf die Pflanzenwelt sichtbar zu machen. Segment drei ist der Obstgarten, wo Obstbäume veredelt werden, und schließlich gibt es Segment vier, der Quadratgarten. Der ist besonders interessant für die Schützlinge des benachbarten Kindergartens. „Wir haben fleißig Gärtnerschürzen fertiggestellt“, erzählt Kindergartenleiterin Melanie Winter mit Blick auf die grünen Schürzen, die das Garten-real-digital-Logo ziert. Neun quadratische Hochbeete, die den Kindern von zwei bis sechs Jahren eine optimale Arbeitshöhe bieten, werden zum Start ins erste Gartenjahr bepflanzt: Tomaten, Karotten, Kartoffeln, Lauch, Gurken, Zucchini – es grünt so grün, wo bald die von den Kindern gesetzten Pflanzen blüh`n. „Für uns ist das optimal. Wir haben am Kindergarten keine Fläche, wo wir so einen Garten hätten anlegen können“, sagt Winter. Die Nachwuchsgärtner setzen mit Begeisterung nicht nur die Pflanzen, sondern auch Schilder, die verraten, was hier wächst. „So lernen die Kinder, dass Gemüse wächst und nicht in der Tiefkühltruhe groß wird“, sagt Klausmann lachend. Das Gelände gehört der Ortsgemeinde, die es dem Verein zur Verfügung stellt. „So ein Projekt unterstützen wir gerne“, sagt Bürgermeister Thomas Peifer. „Wir haben im Ort ein tolles Gelände, das sinnvoll genutzt wird.“ Aber die Welt ist im Wandel. „Deshalb ist die Idee entstanden, den Garten nicht nur real, sondern auch digital erlebbar zu machen“, sagt Klausmann, der auch die Zusammenarbeit mit der Grundschule und der IGS bei diesem Projekt vertiefen will. Bilder aus dem Garten sollen in Echtzeit im Internet zu sehen sein. „Das ist noch nichts Besonderes“, sagt Klausmann, deshalb reichen die digitalen Gartenideen weit darüber hinaus. Steuer- und Regeltechnik sollen im Garten angebracht werden, sodass sich die Bewässerung via App steuern lässt. Ein Gewächshaus ist in Planung, dessen Technik – von der Belüftung bis zur Bewässerung digital steuerbar sein soll. Im Netz lassen sich Flora und Fauna darstellen, im phänologischen Garten weltweit digital Vergleiche anstellen. „Wir arbeiten intensiv an unserem Garten – real und digital“, sagt Klausmann. Das Projekt zeige, dass es wichtig ist, die reale und die digitale Welt zu verknüpfen.