Rheinpfalz Bottenbach: Latwerchkochen nach Omas Rezept

Während der Latwerch im Kessel kräftig gerührt wird, zeigt Beate Schnur den Kita-Kindern, wie der Latwerch später in Gläser gefü
Während der Latwerch im Kessel kräftig gerührt wird, zeigt Beate Schnur den Kita-Kindern, wie der Latwerch später in Gläser gefüllt wird.

Beim Bottenbacher Landfrauenverein, der in diesem Jahr sein 65-jähriges Bestehen feiern kann, wird auch heute noch Latwerch (Zwetschgenmus) gekocht. Gleich mehrere Tage waren die Landfrauen in diesem Jahr mit den dreieinhalb Zentnern Zwetschgen beschäftigt. Damit der alte Brauch nicht verloren geht, durften Kinder aus Grundschule und Kindertagesstätte bei den Landfrauen im wahrsten Sinne des Wortes in den brodelnden Kessel schauen.

Nachdem der Brauch einige Jahre eingeschlafen war, wurde er 1985 wiederbelebt. Anfangs fehlte es aber an genügend Zwetschgen (mundartlich: Quetsche). Besonders schwierig war die Lage 1991, als in der gesamten Region absolut kein „Quetschejahr“ war. Doch dank des damaligen Ortsbürgermeister Ernst Freyer konnte dennoch Latwerch gekocht werden. Dafür fuhr er extra zu einer Obstbauernfrau nach Heidesheim bei Mainz. Bei zwei Touren brachte er schließlich viereinhalb Zentner Zwetschgen nach Bottenbach, wo daraus Latwerch gekocht wurde. Über eine schlechte Zwetschgenernte kann sich in diesem Jahr niemand beschweren, obwohl die Landwirte wegen der Hitze und Trockenheit bundesweit klagen. Die Pfalz wurde jedoch weitestgehend von größeren Ernteschäden verschont. Es gibt nicht nur eine wunderbare Traubenernte, sondern Äpfel, Birnen, Mirabellen und auch Zwetschgen im Überfluss. Die Bäume biegen sich förmlich unter der Fülle an Früchten. „Wir konnten auf unserer Bottenbacher Gemarkung ernten und hatten uns dabei ein Limit von dreieinhalb Zentnern Zwetschgen gesetzt“, sagte die Orts- und Kreisvorsitzende der Landfrauen, Beate Schnur.

Auch Ehemänner helfen mit

Begonnen hatten die Vorbereitungen in Bottenbach nach der 750-Jahr-Feier in der Nachbargemeinde Kröppen. Man machte sich daran, die Zwetschgen zu ernten, ehe sie von den Bäumen abgefallen sind. Doch nicht nur die Landfrauen selbst machten sich auf zu den Zwetschgenbäumen auf der Gemarkung, um die frühherbstliche Frucht zu ernten, auch die Ehemänner der Frauen waren gefordert. Eingelagert wurden die Früchte dann im Kühlhaus des ehemaligen Raiffeisengebäudes, das heute im Eigentum der Familie von Lothar Weber ist. Hier hatten die Landfrauen mit ihrer Ernte für mehrere Tage Gastrecht. Bereits vergangene Woche waren alle Klassen der Bottenbacher Grundschule samt Rektorin Martina Neumann zum Anschauungsunterricht beim Latwerchkochen eingeladen. Doch ehe die Zwetschgen im Kessel landeten, waren die Frauen damit beschäftigt, die „Quetsche zu bligge“. Dabei wurden die Früchte nach dem Waschen mit dem Messer geschlitzt, vom Stein befreit und in gutes und schlechtes Material getrennt. Anschließend konnten die Frauen in wechselnder Besetzung damit beginnen, den Kessel mit Zwetschgen und deren Mus zu befüllen. Der große Kessel fasst rund 100 Liter. Ehe es losgehen konnte, musste das Holzfeuer unter dem Kessel so richtig lodern, damit der Latwerch ins Brodeln kam.

Masse darf nicht kochen

Beim Besuch der Kita-Kinder am Donnerstag war Beate Schnurs Mutter für das Schüren zuständig. Je zwei Landfrauen rührten derweil mit einem großen Löffel im Kessel. Beim Verkochen der Früchte wurde nach und nach weiteres Zwetschgenmus hinzugegeben. Richtig kochen darf die Masse dabei allerdings nicht. Schließlich kamen noch 30 Kilogramm Zucker in den Kessel. Stundenlanges Rühren rund um die Uhr war erforderlich. Erst als der unvergleichbare Geruch des Latwerches durch den Kochraum wehte, wurden noch Sternanis und ganzer Stangenzimt hinzugefügt. Im Kessel landeten auch die von den Kita-Kindern in einer Schüssel mitgebrachten Zwetschgen. Die Jüngsten aus der Protestantischen Kita unter Leitung von Claudia Stein wussten schon einiges über das Latwerchkochen. Einige von ihnen waren neugierig und gesellten sich zu den zwei im Wechsel rührenden Frauen an den Kessel. Derweil erklärte Beate Schnur, dass zum Abschmecken auch ein kräftiger Schuss Kirsch- und Zwetschenwasser in den Kessel komme.

Das Miteinander pflegen

Verkosten konnten die Kita-Kinder das Ergebnis am Donnerstag aber noch nicht. Denn bis der so leckere „Schleggel“ fertig und abfüllbar war, war es schon später Abend. Wie das Abfüllen vonstatten geht, demonstrierte Beate Schnur jedoch mit einem leeren Pfundglas und einem Abfülltrichter. Den Kindern wird es jedoch auch im Nachhinein munden, denn einige Gläser mit dem Brotaufstrich finden natürlich ihren Weg in die Kita. Beim ersten Termin mit den Schulkindern wurde laut Schnur bereits ein prima Ergebnis erzielt. Beate Schnur war erfreut, dass sich etwa 50 bis 60 Personen, zumeist Landfrauen, beim traditionellen Latwerchkochen einbrachten. Sie profitieren natürlich auch von ihrer Mühe. Denn alle Helfer bekommen ihren Anteil am selbstgekochten Latwerch. Einige der gefüllten Gläser behält der Ortsverein, um sie bei verschiedenen Anlässen als Geschenke weiterzugeben. Für Schnur war es nicht nur wichtig, das Brauchtum an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben, sondern beim gemeinsamen Latwerchkochen zugleich das Miteinander im Verein zu pflegen und zu fördern.

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