Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Blues und Roots Music mit Hazmat Modine im Tollhaus

Das Septett erzählt zu seinem satten Sound gerne Geschichten, die das Leben schreibt.
Das Septett erzählt zu seinem satten Sound gerne Geschichten, die das Leben schreibt.

Das Karlsruher Tollhaus ist schon vom Namen her prädestiniert für einen Auftritt des New Yorker Septetts Hazmat Modine. Verwegen ist sein Genre-Mix, schräg die Interpretation und ursprünglich rau wie beim Blues-Veteranen Howlin Wolf. Das Material für ein neues Album allerdings klingt viel gefälliger.

Hazmat Modine: ein Name wie aus dem Giftschrank. Hazmat ist eine gängige Abkürzung für Gefahrgut und Modine ein Heizofenhersteller. Der Brennstoff ist also explosiv. Angemischt wurde er für das jüngste Album „Bonfire“ im New Yorker Stadtteil Queens, wo die Musik vieler Kulturen aufeinandertrifft. Da geht Blues plötzlich in Klezmer über, der hüftsteife Country übt den Calypso und eine New-Orleans-Marchingband bekommt irische Anwandlungen. In der Mitte des musikalischen Wirbelwinds steht Wade Schuman mit markanter Stimme und exaltiertem Mundharmonika-Spiel. Sein Blues erinnert zuweilen an Tom Waits, doch Zurufe aus dem Publikum mit solchen Vergleichen scheint Schuman nicht wirklich zu goutieren.

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Als die Band 2007 zum ersten Mal über den Teich nach Europa kam mit dem Album „Bahamut“, hat sie die Jazz- und Blues-Fans im Sturm erobert. Seither tourt sie unermüdlich. Im vergangenen Jahr brachten sie die Songs von „Bonfire“ auf die Bühnen, die Schuman mit Gitarrist Erik Della Penna in der Corona-Pandemie schrieb. Und derzeit, so verriet der Frontmann, ist das siebte Album in Arbeit, von dessen Material es in Karlsruhe einige Kostproben gab.

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Der Sound ist wie gewohnt erdig, dabei prall mit Gesang und Mundharmonika, Gitarre (Erik Della Penna), Schlagzeug (Patrick Simard), Sousaphon (Joseph Daley), Saxofon (Steve Elson) und Trompete (Pamela Fleming). Eine neue Klangfarbe bringt Daisy Castro mit ihrer Geige ein, die sie oft mit viel Tempo krachend und verrucht streicht, wie man es von den Spielfilmen über die großen Treks in den Westen kennt. Schmelz ist ihr Klangideal definitiv nicht. Eher noch die wilde irische Fidel, wirbelnde Arabesken oder rockiger Drive, etwa beim karibisch im Rocksteady swingenden „Give It All Away“ vom Album „Bonfire“ mit seinen knackigen Bläsersätzen.

Dass die neuen Songs eingängiger wirken und auch ein Stück ihres originellen Ungestüms eingebüßt haben, liegt wohl daran, dass sie weniger dem Blues nachhängen, als mehr dem Folk-Rock der 1970er-Jahre wie „Sugar Days“. Auch die sozialkritischen Themen könnten aus der Zeit stammen wie der Song „A Bowl of Dust“, der trotz der flotten Fidel vom Aufgeben handelt, wenn man vor einem leeren Teller sitzt.

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Überhaupt erzählen die Lieder von Hazmat Modine immer Geschichten, die das Leben schreibt. So gibt es einen wahren Katzenjammer über Messis. Einen Song über Impulskontrolle, die einen trotz größten Frusts davon abhält, jemanden vor die U-Bahn zu stoßen. Und in „Doctor’s Wife“ singt Della Penna davon, wie er sich in die Frau des Arztes verguckt hat, der ihm sein Leben gerettet hat. Witzig ist dabei zuweilen, wie Text und Musik aufeinanderprallen. So ist mit erdigem Country samt Jodeleinlage ausgerechnet ein Stück untermalt, das von den New Yorker Wolkenkratzern erzählt. Es beschreibt das abgehobene Lebensgefühl der Reichen, die hoch oben wohnen und auf das Fußvolk herabschauen.

Es gibt auch einige jener herrlich schrägen Momente, mit denen Hazmat Modine sich einen besonderen Ruf in Europa erspielten: Schumans orgiastisches Solo mit Loop Station auf seiner Mundharmonika etwa. Gerne experimentiert er mit deren Klang, wenn er Schalltrichter davor hält oder ein Wah-Wah anschließt. Ein wahrer Blues-Berserker.

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