Karlsruhe
Blick hinter die Kulissen: Das Hubbuch-Archiv im Kunstmuseum Karlsruhe
Künstlernachlässe sind aktuell in aller Munde, denn Künstler sind zu Lebzeiten höchst produktive Menschen, die eine Vielzahl an Dingen ihrer Nachwelt hinterlassen, die nach ihrem Ableben im besten Fall in gute Hände übergeben werden. Nicht nur Kunstwerke zählen dazu, sondern auch Dokumente, Fotografien und vieles mehr, das dazu beitragen kann, einen Künstler lebendig zu halten und neue Facetten in seinem Schaffen, aber auch in seinem Leben zu entdecken.
Den Nachlass von Karl Hubbuch, der 1891 in Karlsruhe geboren wurde, an der heutigen Kunstakademie seine Ausbildung erfuhr, in der Nachkriegszeit hier lehrte und mit wenigen Unterbrechungen bis zu seinem Tod 1979 in seiner Heimatstadt lebte, bezeichnet Museumsdirektorin Stefanie Patruno als „Paradebeispiel eines Nachlasses“. Er kam nach dem Tod seiner Tochter Myriam (1932-2019) 2020 ans Haus: vorsortiert und über die Stiftung – die ebenfalls nach ihrem Tod ans Kunstmuseum kam – mit finanziellen Mitteln ausgestattet. Auch deshalb griff das Kunstmuseum zu und übernahm die rund 1200 Papierarbeiten sowie zugehörige Fotos und weitere Dokumente.
Im Rahmen eines zweijährigen Pilotprojekts wurde 2023/24 erörtert, was überhaupt nötig ist, um die Kunstwerke in die Sammlung aufzunehmen, die direkt Eingang finden sollen in den digitalen Katalog des Museums. Die Schritte Restaurierung, Passepartourierung, Datierung und zuletzt das Scannen der Blätter wurden damals festgelegt, dafür eigens ein Großbild-Scanner erworben.
Die Glastüren zum im dritten Obergeschoss werden immer offenstehen, um einen niedrigschwelligen Zugang zu ermöglichen. Beobachten lässt sich hier jene Museumsarbeit, die sonst nur hinter verschlossenen Türen stattfindet. Nachlass-Bearbeiterin Ferial Karrasch wird neben den einmal monatlich stattfindenden Führungen im Archiv auch neue Vermittlungsformate entwickeln. Zusätzlich abgesichert sind die kommenden zwei Jahre auch dank zusätzlicher Unterstützung durch die Wüstenrot-Stiftung und weil das Museum selbst „über die Stiftung und die dort liegenden weltweiten Bildrechte immer wieder Einkünfte generieren kann“, so Patruno.
Karrasch ist neben der Sichtung auch damit betraut, zum (vorläufigen) Projektende 2027 eine Ausstellung zu kuratieren. Hubbuch wird nach Sichtung und Zugänglichmachung des Nachlasses nicht mehr nur als wichtiger Protagonist der Neuen Sachlichkeit wahrgenommen werden, so auch die Hoffnung Patrunos. Sowohl sein Frühwerk, als auch das Nachkriegsœuvre wurden bislang nur selten beachtet. Mit dem weltweit größten Bestand an Hubbuch-Kunstwerken kann das Kunstmuseum dabei helfen, Lücken zu schließen.
Die Sammlung Ferdinand Siegels wartet bereits
„Hubbuch hat zwar alles aufbewahrt, aber nur selten datiert,“ erzählt Nachlass-Bearbeiterin Ferial Karrasch und muss schmunzeln. Insofern komme dem Museum die Fülle der Vergleichswerke zupass, denn „damit sind wir in der Lage, die neuen Werke über den Kontext und stilistisch gut einzuordnen“. Zudem erzählt der Nachlass über Hubbuchs Art zu arbeiten: „Teils hat der Künstler den Bildgrund rabiat mit Deckweiß bearbeitet, teils auch mit Anstückelungen ans Papier dafür gesorgt, dass das Motiv komplett draufpasst.“
Der Raum im Museum soll auch nach Ende der Projektlaufzeit weiter Forschungsarchiv bleiben und wird in jedem Fall seinen Namen behalten. „Uns ist es wichtig, bei der Aufarbeitung transparent zu sein“, meint Patruno. Ihr und ihrem Team werde die Arbeit sicher nicht ausgehen, der nächste Nachlass, die Sammlung Ferdinand Siegels mit Fokus auf europäischer Druckgrafik befindet sich bereits im Museum quasi in Wartestellung. Hier darf man auf weitere Entdeckungen gespannt sein.
Info
Das Hubbuch-Archiv im Kunstmuseum Karlsruhe, das bis vor einiger Zeit noch unter Städtischer Galerie firmierte, ist mittwochs und donnerstags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Die nächsten Führungen sind am 7. Mai, 25. Juni, 16. Juli und 20. August, 17 Uhr. Infos im Netz: kunstmuseum-karlsruhe.de.