Rheinpfalz Bereit zum Abschlag

WALDFISCHBACH-BURGALBEN. Wenn es sich der Nachbar unter Palmen gutgehen lässt, ist das kein Grund, neidisch zu sein. Vor der Haustür liegt das Paradies: Wandern, Mountainbiken, Klettern oder einfach nur im Badesee schwimmen – Möglichkeiten, aktiv durch den Sommer zu kommen, gibt es in der Region viele. Die RHEINPFALZ testet einige davon. Heute: Golfen in Waldfischbach-Burgalben.
Um es gleich vorwegzunehmen: „Richtig“ Golfen darf erst, wer die Platzreife erworben hat. Das geht natürlich nicht an einem Tag, und so bleibt es am Sonntagmorgen im Schnupperkurs erst mal bei einem Ausflug auf die Driving Range. Udo Fink, Head Pro (Golflehrer) im Golfclub Pfälzerwald, führt kurz in die Grundregeln des Golfsports ein. Und ja – allen Vorurteilen zum Trotz: Es ist tatsächlich Sport. Das spüre ich spätestens wenige Stunden nach dem zweistündigen Kurs durch ein erstes Ziehen in Arm- und Beinmuskulatur. Dabei beginnt alles ganz harmlos. Fink erklärt als erstes die fünf Grundschläge eines jeden Golfspiels: Golfschwung, chippen, pitchen, Bunkerschlag und putten. Damit diese Schläge gelingen können, benötigen erfahrene Golfer auch unterschiedliche Schläger. Sie lassen sich in Eisen, Hölzer und Putter unterteilen – und das ist nur die Basisausrüstung. In den acht Abschlagboxen der 300 Meter langen Driving Range setzt Bewegung ein, die Kursteilnehmer warten gespannt auf die letzten Anweisungen, den Balleimer vor sich platziert. „Was wir in der ersten Stunde lernen: greifen, wie stellt man seinen Schläger und wie breit steht man“, gibt Fink die Ziele des heutigen Tages vor. Und natürlich: den Ball treffen. Für manche sei allein dies eine lebenslange Herausforderung. Schulterbreiter Stand, die Arme auf Spannung bringen, aber nicht ganz durchstrecken, die linke Hand nach oben an den Schläger, die rechte darunter, sodass der kleine Finger den Zeigefinger der linken Hand berührt, leicht in die Knie – es kann losgehen. Auch, wenn ich am liebsten gleich den ersten Ball schlagen möchte, heißt es zunächst: Trockenübung. „Locker hin und her schwingen, versucht, das Tee zu treffen.“ Das Tee, die kleine, weiße Plastikauflage für den Golfball, treffe ich leicht, nur mit der Lockerheit ist das so eine Sache. Fink korrigiert den Stand, „als wollten wir von einem Startblock springen“, schiebt mich näher an den Schläger heran und zeigt, wie der Schwung idealerweise laufen soll. Am besten nicht zu viel grübeln, stelle ich bei den kommenden Versuchen fest, dann gelingen die Abschläge schon ganz ordentlich. Die Bewegung ist ungewohnt, die Arme im Laufe des Golfschwungs nicht doch irgendwann anzuwinkeln, kostet Konzentration und ist schwerer als gedacht. Nach den ersten „trockenen“ Versuchen, lege ich mir mutig den Ball zurecht. Das oberste Ziel: einfach nur den Ball treffen. Wie hoch und wie weit das Bällchen fliegen soll und was in dem zugeteilten Eisen sieben überhaupt steckt, kann ich nach nur wenigen Minuten ohnehin nicht beurteilen. Schultern lockern, Griffhaltung und richtige Stellung des Schlägers überprüfen, ausholen und „plong“: der Golfball fliegt, wenn auch erst mal nur 25 Meter weit. Das ist angesichts von Bahnlängen von mehreren Hundert Metern auf dem nebenan liegenden 18-Loch-Platz gar nichts. Noch weit vor dem ersten Markierungsschild bleibt er liegen. Dieses ist bei 50 Metern im Rasen versenkt. Bei der Demonstration von Udo Fink sah das alles noch so spielend leicht aus. Ist es aber gar nicht, und je verkrampfter und verbissener ich versuche, den Ball möglichst weit zu befördern, umso missratener werden die Schläge tatsächlich. „Beim Golfspielen muss man Zufriedenheit lernen“, gibt mir der Golflehrer mit auf den Weg. Kurze Konzentrationsphase, Ball anvisieren, ein Blick auf die grüne Wiese, Schläger soweit nach rechts ziehen, bis genügend Spannung in Armen und Oberkörper entsteht, und nach vorne pendeln. „Ja, das war richtig gut“, lobt Fink den Schlag, der nun in einem deutlichen Bogen hinter dem Markierungsschild aufkommt, noch einige Meter weiterrollt. Ich selbst bleibe dennoch kritisch, ganz entgegen dem Ratschlag, auch einmal zufrieden zu sein. Noch sind genügend Bälle in meinem Eimer, da muss mehr möglich sein. „Pling, plong“, auch die nächsten Versuche gehen in eine ähnliche Richtung. Es fühlt sich so an, als ob ich den Bogen raus hätte. Doch kaum ist dieser Gedanke zu Ende gedacht, landet der Ball mit einem lauten Klatschen erst mal an der Trennwand zum nebenliegenden Abschlagplatz. Die Bäume wachsen eben nicht in den Himmel. Nach 70 bis 80 geschlagenen Bällen ist die erste Golfstunde vorbei, leider, denn es hat viel Spaß gemacht. Die meisten Bälle flogen zumindest schon mal in die richtige Richtung, bei manchen fühlte sich der eigene Bewegungsablauf sogar schon recht flüssig an. Der letzte will jedoch nicht mehr so richtig gelingen: Ein guter Grund, sich gleich in der Lektion des Lehrers zu üben: Insgesamt zufrieden beende ich mein Spiel. Info —Beim Golfclub Pfälzerwald finden in regelmäßigen Abständen Schnupperkurse statt. Der nächste ist am Sonntag, 12. September (19 Euro pro Person). —Interessierte, die weiterspielen möchten, können mit einem sogenannten Platzreifekurs starten, der zur Nutzung des 18-Loch-Platzes berechtigt. —Weitere Informationen zu Terminen, Kosten und individuellen Trainingsmöglichkeiten gibt Udo Fink, Telefon 0172/6267788, E-Mail: udo.fink@t-online.de.