Rheinpfalz „Bekamen gerade Exponate aus Deutschland zurück“
Speyer. José Luis Chea Urruela, Minister für Kultur und Sport der Republik Guatemala, reiste zur Eröffnung der Ausstellung „Maya – Das Rätsel der Königsstädte“ im Historischen Museum in Speyer an. Dort sprach er über die kulturpolitische Bedeutung der Ausstellung und Maßnahmen gegen Kunstraub.
Wunderschön sind die Figurinen aus El Peru, vor allem wegen ihres fabelhaften Erhaltungszustands und der großen Detailfreude, die sie zeigen. Ganz besonders mag ich die kleine Maske, die auf den Plakaten zur Ausstellung abgebildet ist. Sie ist aus Jade. Sie sind schon länger mit Deutschland vertraut. Ja, als junger Mann lebte ich für sechs Monate in Deutschland. Zuerst drei Monate in Köln und anschließend drei Monate in Stuttgart. Als Student reiste ich durch das Land. Sie sind heute hier um die Maya-Ausstellung mit zu eröffnen. Was sind die wichtigsten Aspekte der kulturellen Beziehung zwischen Guatemala und Deutschland? Guatemala und Deutschland haben seit Jahren eine gute Beziehung miteinander. Deutsche Auswanderer kamen bereits im 19. Jahrhundert nach Guatemala, hauptsächlich in den Norden des Landes. Dort wurden sie sowohl ein wichtiger Teil des kulturellen Lebens als auch der Wirtschaft. Einige der größten Kaffeeplantagen waren und sind noch im Besitz deutscher Einwanderer. Dementsprechend findet man eine Vielzahl an deutschen Namen im Norden. Die Integration funktioniere dabei sehr gut: Es gibt viele Ehen zwischen Guatemalteken und Deutschen. Was macht Ihrer Meinung nach die Ausstellung so wichtig? Sie ist sehr wichtig, weil meiner Meinung nach der Reichtum unseres Landes in seinem kulturellen Erbe liegt. Diese Kulturgüter aus Guatemala reisen zum großen Teil zum ersten Mal nach Europa, erst in die Niederlande, nun sind sie in Speyer und ab kommendem Jahr in Alicante. Die Objekte umfassen alle Perioden der Maya-Kultur. Es gibt Keramiken, behauene Steinstelen und Jade-Artefakte. Mit der Ausstellung beleuchtet das Museum nicht nur den zivilisatorischen Aspekt, sondern nimmt auch auf den Regenwald Bezug, die natürliche Lebenswelt der Maya. Sind die Menschen von Guatemala, besonders die junge Bevölkerungsschicht, an dem kulturellen Erbe der Maya interessiert? Tatsächlich ist dies eine schwierige Frage, weil sich in Zeiten der Globalisierung die Werte verschoben haben. Dennoch ist es für jedes Land wichtig, seine eigene Identität zu wahren. Die Maya-Kultur ist ein zentraler Aspekt der Identität Guatemalas. Manche Ausstellungsstücke gelangen nicht auf legale Weise in die Sammlung. Wie geht Ihr Land mit Kunstraub um? Das ist in der Tat ein sehr großes Problem. Viele Artefakte befinden sich auch heute noch illegal im Ausland. Mittlerweile gibt es ein Gesetz, das keine Artefakte mehr ausgeführt werden dürfen. Ist dies schon geschehen, muss der Besitzer beweisen, dass er das Kunstwerk legal erworben hat. Welche Position vertritt Ihre Regierung in der Kunstrückforderungsdiskussion? Selbstverständlich wollen wir unser Kulturgut wieder haben. Auch wenn unsere finanziellen Möglichkeiten, auch im Hinblick auf Anwälte, gering sind, bleiben wir hartnäckig. So ist es uns gerade erst gelungen, drei Exponate aus Deutschland wiederzubekommen. Zur Person Der Jurist und Diplomat José Luis Chea Urruela wurde im Januar zum Minister für Kultur und Sport in Guatemala ernannt. Termin Der Bonner Archäologe Nikolai Grube spricht morgen um 19 Uhr im Museum zum Thema „Paläste und Tempel im Regenwald: Die Städte der Maya“. Der Eintritt ist frei.