Rheinpfalz „Befähigen, sich gegenseitig zu helfen“
«Mannheim.» Leben retten, so lautet, kurzgefasst, das Ziel des Drogenvereins Mannheim (DVM). Dabei sind aber auch die Klienten, also die Drogenabhängigen, selbst gefordert. Mit dem Projekt „Naloxonvergabe an Laien“ geht der DVM dabei neue Wege. Ab nächsten Mittwoch werden Opiatkonsumenten im Umgang mit dem Notfallmedikament geschult.
Nach München, Frankfurt, Berlin und Köln geht Mannheim als erste Kommune in Baden-Württemberg bei der Versorgung Heroinabhängiger diesen Schritt. Schließlich komme es im Falle einer Überdosierung auf Minuten an, weiß DVM-Geschäftsführer Philip Gerber. Es sei deshalb nur logisch, dass in einem solchen Fall Umstehende eingreifen können müssten – in der Regel seien das ebenfalls Abhängige. „Wir wollen Heroinabhängige deshalb dazu befähigen, sich gegenseitig zu helfen“, erklärt Gerber das neue Projekt. Dafür eigne sich der Arzneistoff Naloxon hervorragend, weil es die Opiatrezeptoren freispüle und damit, zumindest für knapp 30 Minuten, die Drogenwirkung aufhebe. Wegen der kurzen Wirkdauer müsse zusammen mit der Verabreichung auch gleich ein Rettungswagen alarmiert werden, nennt der DVM-Geschäftsführer einen Grund für die Schulung. Ein zweiter sei das Klientel des DVM selbst, das bislang nicht gerade an Schulungen gewohnt sei. Naloxon könne gespritzt oder wie ein Nasenspray verabreicht werden. „Für unsere Klienten ist das Spray die geeignete Form der Verabreichung“, sagt der DVM-Geschäftsführer. Da es das Präparat bislang aber nur in Kanülen gebe, müsse der Nasenzerstäuber erst geladen werden. Wie das gehe, werde in den Schulungen gezeigt. Gerber verweist dabei auch auf den pädagogischen Ansatz: „Wenn unsere Klienten selbst zu Lebensrettern werden, steigt auch deren eigenes Wertgefühl.“ Zu dem Notfallmedikamenten-Set gehörten aber trotzdem auch zwei Kanülen, eine Spritze und ein Beatmungstuch. Die Naloxon-Sets will der DVM im Idealfall an alle Heroinabhängige der Stadt verteilen. „Wir gehen dabei von 1400 Heroinkonsumenten in der Stadt aus. Davon haben wir etwa auf die Hälfte Zugriff“, sagt Gerber. Etwa 300 davon wiederum kämen für die Schulung infrage. Sie alle erhalten nach der Teilnahme das von der Stadt und dem DVM finanzierte Naloxon-Notfallpaket. Das habe, neben der lebenserhaltenden Wirkung noch einen weiteren Vorteil, wie der DVM-Geschäftsführer betont: „Für Nicht-Süchtige ist es ungefährlich.“