Rheinpfalz „Baustein zur Förderung der Fischfauna“
«DAHN.» Damit Fische wieder Richtung Quelle aufsteigen können, baut die Verbandsgemeinde Dahner Felsenland die Wehre am Oberlauf der Wieslauter um. So wird die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union umgesetzt. Drei von acht Wehren sind bereits umgebaut. Thomas Oswald ist Fischereireferent bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt an der Weinstraße. Bei der Fortbildungsveranstaltung „Gewässer-Nachbarschaften“ morgen, 9 bis 16 Uhr, im Bürgersaal der Verwaltung hält er einen Vortrag zum Thema „Wanderfischgewässer – Die Wiederansiedlung des Atlantischen Laches“.
Im Rahmen ihres Lebenszyklus wechseln Langdistanzwanderfische zwischen dem Süß- und Meerwasser. Sie kehren dabei aus dem Meer in das Süßwasser zurück, um in ihren Heimatgewässern abzulaichen, das heißt sich fortzupflanzen. Kommen sie immer zum selben Laichplatz zurück ? Beim Atlantischen Lachs liegt das Homing-Verhalten (Rückkehr) bei 95 Prozent. Dies bedeutet, dass 95 Prozent der Elterntiere an die Stelle zurückkehren, an der sie aufgewachsen sind. Die anderen fünf Prozent der Elterntiere wandern in andere Gewässersysteme, um die genetische Vielfalt zu erhalten. Welche Strecke legen die Fische zu ihrem Laichplatz zurück? Langdistanzwanderfische wandern teils mehrere tausend Kilometer, um in ihre Heimatgewässer zurückzukehren. Welche Arten gibt es hier bei uns? Zu den einheimischen Langdistanzwanderfischen zählen Aal, Lachs, Meerforelle, Maifisch und Meerneunauge. Ist der Oberlauf der Wieslauter ein historischer Laichplatz für Lachse? Sehr viele Seitengewässer des Rheins, die einem Mittelgebirge entspringen und sich durch sauberes und sommerkühles Wasser kennzeichnen, wurden früher durch den Atlantischen Lachs besiedelt. An der Lauter gibt es historische Ortsbezeichnungen, wie zum Beispiel die Salmbacher Passage, die uns zeigen, dass früher der Lachs auch in der Lauter laichte. Warum ist es wichtig, Gewässer wie die Wieslauter bis in den Oberlauf durchgängig zu machen? Könnten die Fische nicht auch im Bereich der Rheinebene laichen? Fließgewässersysteme in unserem Bereich sind natürlicherweise miteinander vernetzte Lebensräume. Im Laufe der Evolution hat sich die Tierwelt an dieses System mit der genetischen Vielfalt und dem Verhalten angepasst. Nur durch den Menschen wurde diese Vernetzung zerstückelt. Es ist daher für die Artenvielfalt in den Gewässersystemen von höchster Priorität, dass diese wieder vom Oberlauf bis zum Unterlauf durchgängig gestaltet werden. Für den Atlantischen Lachs liegen die geeignetsten Laichhabitate oberhalb von Wissembourg. Die Herstellung der Durchgängigkeit unserer Fließgewässer ist daher ein wichtiger Baustein für den Erhalt und die Förderung der einheimischen Fischfauna. Seit 2004 werden Lachse in der Wieslauter ausgesetzt. Wurden auch bei Dahn und Hinterweidenthal Tiere ausgesetzt? Unsere Besatzmaßnahmen zur Wiederansiedlung des Atlantischen Lachses finden auch oberhalb von Wissembourg bis Hinterweidenthal statt. Ich stelle mir vor, die Lachse werden ausgesetzt, wandern Richtung Meer, können aber nicht zurück, weil Hindernisse wie Wehren den Weg bachaufwärts versperren. Ist es dann sinnvoll, die Lachse im Oberlauf auszusetzen? Es ist richtig, dass die Lachse noch nicht in die Wieslauter oberhalb von Wissembourg zum Ablaichen zurückkehren können. Es ist aber ein definiertes Ziel, dass im Rahmen der EG-Wasserrahmenrichtlinie die Lauter durchgängig gestaltet wird. Es macht daher auf jeden Fall Sinn, auch oberhalb Lachse zu besetzen, da wir dadurch bereits eine Population aufbauen können, die bei der Rückkehr in den Oberlauf möchte. Ist die Durchgängigkeit in den Oberlauf noch nicht gegeben, werden die rückkehrenden Tiere dann unterhalb von Wissembourg ablaichen. Seit fünf Jahren können wir daher erfreulicherweise auch Laichgruben von Lachsen unterhalb von Wissembourg feststellen. Worin liegt die Bedeutung der Wieslauter als Lebensraum für Langdistanzwanderfische wie den Lachs? Aufgrund der Strukturvielfalt und ihres artenreichen Fischbestandes stellt die Lauter ein höchstwertiges Fließgewässer dar, in der der Atlantische Lachs einen wichtigen Baustein für den Lebensraum darstellt und somit eine wertvolle Population für den Rheinstamm ist. Daher wurde die Lauter als Vorranggewässer für die Wiederansiedlung des Lachses ausgewiesen und auch auf internationaler Ebene der IKSR (Internationale Kommission zum Schutz des Rheins) im Rahmen des Masterplan Wanderfische für das Rheineinzuggebiet gemeldet. Was ist ein „Vorranggewässer“? Vorranggewässer bedeutet, dass hier aufgrund der Eignung des Gewässers ein Schwerpunkt für die Wiederansiedlung des Lachses gesetzt wird. Wie wird denn kontrolliert, inwieweit die Besatzmaßnahmen erfolgreich waren? Fischbestandserhebungen werden an Fließgewässern mittels Elektrofischerei durchgeführt. Die Elektrofischerei ist nur Personen mit einer speziellen Ausbildung und einer Ausnahmegenehmigung durch die Obere Fischereibehörde gestattet. Bei der Elektrofischerei wird durch eine Batterie ein kleines Stromfeld über eine Anode am Kescherring im Gewässer erzeugt. Dabei werden die Fische im Bereich der Anode kurz betäubt. Wir können die Fische dann vermessen und verwiegen. Danach werden sie wieder ins Gewässer zurückgesetzt. Bei der Elektrofischerei handelt es sich um eine sehr schonende Methode, die mittlerweile weltweit zur wissenschaftlichen Erhebung von Fischbeständen verwendet wird. Die Lauter fließt ja durch Frankreich. Gibt es in eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit? An der Lauter gibt es eine sehr freundschaftliche Zusammenarbeit mit den elsässischen Fischereivereinen und dem Fischereiverband Unterelsass. Zusätzlich werden die Informationen über das Lachsprojekt auf Ebene der IKSR ausgetauscht. | Interview: Petra Würth DOPPELTERZEILENUMBRUCH