Rheinpfalz BASF soll weitere Stoffaustritte stoppen

Ludwigshafen/Neustadt (ros). Die BASF muss der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (Neustadt) Maßnahmen benennen, die einen Produktaustritt wie am Freitag verhindern.
Dies gelte nicht nur für den betroffenen Betrieb, sondern generell, sagte gestern eine SGD-Sprecherin. Wie berichtet, waren über zwei Stunden hinweg 1,8 Tonnen N-Methyldiethanolamin über das Kühlwassersystem der BASF vom Ludwigshafener Werksgelände in den Rhein gelangt. Ursache war eine Leckage an einem Kühler. Wieso es zu diesem Leck gekommen sei, werde noch ermittelt, sagte ein BASF-Sprecher. Etwas konkreter äußerte sich eine SGD-Sprecherin: Zu der Leckage sei es vermutlich wegen eines durch eine Schnellabschaltung verursachten Druckstoßes gekommen. Die ausgetretene Chemikalie ist nach BASF-Angaben als schwach wassergefährdend eingestuft und ist leicht biologisch abbaubar. Der Stoff verursacht schwere Augenreizungen. Auch in der Vergangenheit waren über das Kühlwassersystem schon mehrfach Stoffe aus der BASF in den Rhein geflossen: 2009 waren beispielsweise 7,2 Tonnen der Chemikalie HPN (Hydroxypivalinsäureneopentylglykolester) in den Fluss gelangt. Ursache waren eine Leckage an einem Wärmetauscher und ein falscher Anschluss. Im Oktober 2008 gelangte über zwei Wochen hinweg eine giftige Chemikalie in den Rhein, ohne dass dies die BASF oder rheinland-pfälzische Umweltbehörden bemerkt hätten. Über ein Leck in einer Abwasserleitung war der stark wassergefährdende Stoff MITC über das Kühlwasser im Rhein gelandet. In Reaktion auf diesen Vorfall hatte das Umweltministerium damals Maßnahmen gefordert, „durch die zukünftig ähnliche Fälle“ verhindert werden. Wieso es trotz solcher in der Vergangenheit getroffener Gegenmaßnahmen zu dem aktuellen Produktaustritt kam? Dazu könne man sich erst äußern, wenn die genaue Ursache ermittelt worden sei, sagte ein BASF-Sprecher. Knapp eine Woche vor dem Produktaustritt am Freitag hatte es bereits eine Betriebsstörung bei der BASF gegeben, bei der die Chemikalie Melamin in den Rhein kam – auch dies war kein Einzelfall. Der neue Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion Bernhard Braun (Ludwigshafen) kritisierte die Häufung: Bereits im Februar sei aufgrund einer Panne 700 Kilogramm des wassergefährdenden Stoffes Melamin in den Rhein gelangt. Keine drei Monate später seien dies schon wieder passiert. „Wir erwarten, dass die Fehler, die zu diesem Unfall geführt haben, identifiziert und behoben werden“, sagte Braun. Die BASF müsse die Erneuerung ihres „veralteten Abwasserkanalsystems wie geplant zeitnah vornehmen“. (Foto: dpa)