Rheinpfalz
BASF: Drohnen zur Inspektion
Hohe Kolonnen und Fackeln, dickwandige Brennkammern – nicht alle Anlagenteile im BASF-Werk sind für Menschen gut zu erreichen. Wenn eine Inspektion oder Reparatur ansteht, setzt der Konzern deshalb seit einigen Jahren auf Drohnen. Zuständig für die kleinen Helfer ist die Werkfeuerwehr.
«Ludwigshafen.»Mit einem aggressiven Surren setzt die Drohne zum Start an. In schneller Folge beginnen alle acht kleinen Propeller zu rotieren. Das Gerät hebt ab. Kurze Zeit später steht es reglos an einem Fleck hoch oben in der Luft, ohne dass Daniel Wenz an seiner Fernsteuerung weiter nachjustieren muss. „Das hier sind ideale Voraussetzungen“, sagt der 29-jährige BASF-Werkfeuerwehrmann. Auf dem Hof der Feuerwache stört nichts den Einsatz; das Gerät zu fliegen, ist für den geübten Mitarbeiter in diesem Fall einfach.
Videos aus der Luft
Bereits seit knapp zehn Jahren setzt die BASF auf Drohnen im Außeneinsatz. Bevor beispielsweise die Revision des Steamcrackers ansteht, steigt eine Drohne mit ihrer hochauflösenden Kamera an der Anlage mit der großen Fackel empor und nimmt dabei Bilder und Videos auf. Auch an Rohrleitungen kann sie entlang fliegen. Schon vor dem ersten menschlichen Einsatz ist dadurch klar, welche Ersatzteile oder Geräte für die Wartung gebraucht werden. All das könne Zeit und Geld sparen, sagt Siegfried Fiedler. Der 61-Jährige ist Gruppenleiter bei der Werkfeuerwehr und für 4.0-Projekte zuständig. Für einige Anlagen mussten früher Industriekletterer oder teure Kräne ran. Nun ist zuerst das kleine Fluggerät vor Ort. „Auch jeder Einstieg, den ich nicht mehr brauche, ist eine Sicherheit“, sagt Fiedler. Für Innenaufnahmen – etwa aus Brennkammern – hat das Chemieunternehmen im vergangenen Jahr eine Indoor-Drohne gekauft. Früher mussten für jede Untersuchung Mitarbeiter ins Innere. Die Indoor-Drohne sieht aus wie eine fliegende Kugel – ist sie doch von einem dünnen, aber stabilen Käfig umschlossen und „kann auch mal irgendwo anstoßen, ohne dass etwas passiert“, sagt Fiedler. Sie zu lenken, sei eine besondere Herausforderung. „Ist die Drohne drin, ist sie weg“, sagt Fiedler. Natürlich ist sie nicht wirklich weg, aber für den Piloten nicht mehr zu sehen. Wenz und seine Kollegen können sich dann über einen kleinen Bildschirm auf ihrem Steuerboard orientieren. Für Einsätze der Außendrohne gilt das Vier-Augen-Prinzip. Die Feuerwehrleute sind immer zu zweit unterwegs. Einer steuert das Gerät und schaut per Bildschirm durch die Drohnenkamera, der andere behält das Gerät im Blick. „Wir fliegen immer auf Sicht“, sagt Fiedler.
Magnetfelder machen Schwierigkeiten
Und was sind die besonders schwierigen Situationen für einen Drohnenpiloten? Die Außendrohne fliege mit GPS, sagt Wenz. Wenn es aber ein Magnetfeld in einer Anlage gibt, werde das GPS verwirrt. Die Fernbedienung warne dann, Wenz muss rechtzeitig gegensteuern. Abstürzen würde die Drohne aber nicht, sagt Fiedler, sondern im Zweifelsfall selbstständig landen. In der Regel fliegen die Werkfeuerwehrleute mit der Drohne bis in 100 Meter Höhe, in Ausnahmefällen auch noch weiter nach oben: etwa, wenn es hinauf zur 140 Meter hohen Steamcrackerfackel geht. Vor jedem Flug gibt es von der Feuerwehr eine Gefährdungsbeurteilung – man blickt auf das Umfeld des Einsatzortes, auf den Wind. In den verwinkelten Industrieanlagen können sich nämlich schnell ungewöhnliche Winde in den Schluchten bilden, sagt Fiedler. Auch der Flugtower in Mannheim wird sicherheitshalber jedes Mal über den Drohneneinsatz informiert.
Videodokumentation
Ein- bis zweimal pro Woche müssen die Piloten derzeit ran. Das geschieht in der Regel auf Anfrage einzelner Betriebe, für den Fiedler und seine Leute den Service anbieten. Rund um die Uhr stehen immer zwei Feuerwehrmänner mit entsprechender Eignung bereit, so Fiedler. Wenn beispielsweise nach starken Unwettern Anlagenteile überflogen werden sollen oder die Fackel unvorhergesehen anspringt. Während des Flugs schauen Mitarbeiter der Anlagen mit auf den Bildschirm. Sie sagen, wo die Drohnenkamera ein Foto machen soll. Außerdem wird der Flug per Video dokumentiert. Im Nachhinein kann er erneut angesehen, Bildschirmausschnitte vergrößert werden. Die Drohnen sind eine große Unterstützung. Der Feuerwehr können sie außerdem auch in ihrem ganz ursprünglichen Bereich helfen – nämlich bei einem Einsatz mit schwer zugänglicher Unfallstelle. Auch dort werden Sicherheit und Gesundheit der Feuerwehrleute geschützt – weil die Drohne vorprüft.