Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Ausstellung geflüchtete Ukrainerinnen im Landauer Atelier-Salon

Strich neben Strich: Arbeiten von Alena Olasyuk.
Strich neben Strich: Arbeiten von Alena Olasyuk.

„Weiblich, ukrainisch, emigriert“ nennt sich eine Ausstellung, die im Landauer Atelier-Salon Menschen aus beiden Kulturen ins Gespräch bringt und Verständnis weckt.

Die Geschichte beginnt mit einer zufälligen Begegnung am Münchner Hauptbahnhof. Ursula Mueller, die mit Vera Volni den Atelier-Salon mit Kunst und Leben füllt, kommt auf dem Bahnsteig mit der ukrainischen Künstlerin Alena Olasyuk ins Gespräch. Sofort erwacht ihr Interesse an Kunst und Schicksal der Ukrainerin, die heute in Paris arbeitet. Fast bedauern die beiden Frauen, dass der Zug einfährt und sie in verschiedenen Abteilen gebucht haben. Doch während der gesamten Fahrt bleiben sie über Whatsapp in Kontakt, erzählt Mueller. Und noch weit darüber hinaus. So entsteht die Idee einer Ausstellung im Atelier-Salon.

Kiew, Paris, München Hauptbahnhof? Da fehlt noch der Bezug zur Südpfalz. Das Team des Atelier-Salons entwickelt die Idee, in Landau und Umgebung nach emigrierten Frauen aus der Ukraine zu suchen, die bereit sich, ihre Geschichte zu erzählen. Mueller findet mit Hilfe der Lehrerin Nataliie Yashchenko („Sie ist sowas wie die Mutter der ukrainischen Community in Landau“) sechs Frauen, die bei dem Projekt mitmachen wollen. Yuliia Andronova, Viktoriia Andronova, Svitlana Kryvulia, Liubow Taran, Anhelina Kulyk und Tatiana Kowalenko werden in den Atelier-Salon eingeladen zu Interviews in ihrer Muttersprache, die per Video aufgezeichnet und mit Untertiteln versehen werden. Wer sich Zeit für die kurzen Filme nimmt, erlebt Geschichten, die zutiefst berühren und traurig stimmen. Es geht um das Leben vor und im Krieg, um Angst und Trauer, um Weggang und Neubeginn.

Blick in die Ausstellung.
Blick in die Ausstellung.

So erzählt Tatiana Kowalenko aus Mariupol vom Kampf um Nahrung und das Anstehen in langen Menschenschlagen, während Raketen über die Dächer fliegen und Kinder in den Trümmern spielen. Kowalenko ist Modedesignerin und bereichert die Ausstellung mit traditionellem Schmuck, den sie selbst gestaltet hat: Ketten, große Schmuckkragen, die aus Hunderten kleiner Perlen aufgefädelt sind. Eine weitere Ausstellende ist Grafikerin Anhelina Kulyk, die ihr digitales Portfolio präsentiert Man kann die Künstlerinnen unterstützen durch Aufträge oder durch Erwerb der Exponate.

Im Mittelpunkt steht das Werk von Alena Olasyuk, die mit chinesischer Tusche arbeitet und in einem „täglichen meditativen Akt“, so ihre Schilderung, Strich neben Strich setzt. Aus Hunderten von Linien entwickeln sich angedeutete Formen. Fingerabdrücke könnten es sein, oder Köpfe. Die Deutung bleibt dem Betrachter überlassen, den die Künstlerin zur „stillen Reflexion“ auffordert. „Mein Ziel ist es nicht, Wahrheit zu veranschaulichen oder Einfluss zu nehmen, sondern die Essenz des Daseins zu destillieren“, heißt es In einem Text Olasyuks, den Kunsthistorikerin Luisa Johannes bei der Vernissage wiedergibt. „Linien werden zu meiner Sprache: obsessiv und doch zerbrechlich, systematisch und doch intim. Jede einzelne ist ein Tagebucheintrag, eine Aufzeichnung von Beharrlichkeit, Erinnerung und Veränderung.“

„Mein Herz schmerzt immer für die Ukraine“

Bei der Eröffnung der Ausstellung zitiert Maximilian Ingenthron den verstorbenen Papst Franziskus: Geflüchtete sind keine Zahlen, sondern Menschen mit Namen, Gesichtern und Geschichten. Nataliia Yashchenko, die im Anschluss spricht, erzählt ihre Geschichte und schildert ihre Gefühle auf berührende Weise. „Mein Herz schmerzt immer für die Ukraine“, sagt sie. Doch sie habe in Landau Menschen getroffen, die ihr und ihrer Tochter die Tür zu ihrem Zuhause geöffnet hätten. Jetzt könne sie sich vorstellen, wie sie eines Tages ihrem Mann und ihrem Sohn „das gemütliche Landau“ zeigen werde.

Wenn es nach Mueller und Volni geht, soll es im Atelier-Salon bei Bildern und Filmen nicht bleiben. Zur Ausstellung stellen sie das Haus als Plattform für Ideen und Aktivitäten aller Art zur Verfügung, die deutsch-ukrainische Begegnung möglich machen. Das könnte ein kulinarischer Nachmittag mit Köstlichkeiten aus beiden Ländern sein, ein Filmabend, eine Lesung oder ein gemeinsames Musizieren. Jeder Vorschlag, jedes Mitmachen sei willkommen.

Die Ausstellung

„Weiblich, ukrainisch, emigriert“ bis 28. November im Atelier-Salon, Hinterhaus Fortstraße 10: Sa 10-15 Uhr. Wer eine Idee für ein Projekt zur Ausstellung hat, kann sich bei Ursula Mueller, Telefon 0152 02332288, E-Mail Kontakt@Atelier-Salon.de, melden.

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