Rheinpfalz Aus der Tiefe der Kühltruhe

HAUENSTEIN. Wer hier nur zufällig vorbei kommt, hat schlechte Karten. Denn die Produkte, die Gusto Palatino im Werksverkauf anbietet, lassen sich nicht über längere Zeit im Auto transportieren. Zumindest nicht ohne Kühlbox. Fertig belegte Flammkuchen aus Hauensteiner Herstellung gibt es hier, dazu Böden zum Selbstbelegen – aus der Tiefkühltruhe.
Ob einfach mit Käse und Lauch, klassisch mit Speck, mediterran à la Provence, mit Lachs für den Gourmet oder mit Apfel für den „süßen“ Genießer: Die fertig belegten Flammkuchen gibt’s für unterschiedliche Geschmäcker – und sie können auch einzeln in beliebiger Menge zusammengestellt werden. Dazu gibt es noch Flammkuchen pur, also nur mit Crème fraîche, sowie mehrere Pizza-Sorten eines italienischen Handelspartners aus Venedig, wie Frank Wambsganss erläutert, einer der geschäftsführenden Gesellschafter der Produktionsgesellschaft Gusto Palatino GmbH & Co.KG. Hergestellt werden die Flammkuchen nebenan: in den großen Hallen der Hauensteiner Flammkuchen-Produktion, die im hochmodernen 24-Stunden-Schichtbetrieb täglich über 100.000 runde, ovale oder rechteckige Flammkuchen hervorbringt für Genießer im In- und Ausland – mit Option auf weiteres Wachstum. Kunden sind vor allem Handelspartner, aber auch die Gastronomie in ganz Deutschland. Produziert werden sowohl belegbare Böden als auch belegte Flammkuchen. Der Fabrikverkauf befindet sich in einem kleinen Bürotrakt von „Tarte Gourmet“, dem Direktvertrieb für die Gastronomie. Damit begann die Geschichte des Unternehmens, das 2006 eine eigene Großproduktion aufbaute. Aber so hochautomatisiert diese Produktion auch läuft: Beim Produkt selbst wollen die Macher so weit wie möglich auf Zusatzstoffe verzichten, zum Beispiel auf Phosphat im Speck. Der Teig aus Wasser, Salz und Mehl kommt ohne Hefe aus, wie Wambsganss betont – deswegen steige auch die Nachfrage nach Flammkuchen in Asien. Viele vertrügen heute Hefe nicht, bevorzugten zudem leichtere Kost – „Flammkuchen ist die moderne Pizza“, meint der Geschäftsführer. Eine „Pizza“, die übrigens sogar mehr und mehr in Italien und im „Flammkuchenland“ Frankreich nachgefragt wird. Und die Gusto Palatino unter anderem auch für zertifizierte Öko-Labels herstellt. Zurück zum Fabrikverkauf. Hier kann der Endkunde nicht nur Flammkuchen erstehen, wie er vom Handel angeboten wird, sondern auch Produkte für Profi-Köche. Und dies für eine Ersparnis von etwa 30 Prozent gegenüber dem End-Verkaufspreis im Handel. Dafür muss man optische Mängel in Kauf nehmen: Hier fehlt eine Ecke, dort liegt der Belag schief auf dem Boden. Sogenannte Havarie-Ware ist das. Die Handelsware Pizza ist hingegen „erste Wahl“ und dient lediglich als Ergänzung des eigenen Sortiments. Zu diesem Sortiment gehören übrigens auch Utensilien, die ein wahrer Flammkuchen-Koch ganz offensichtlich benötigt: elektrische Öfen für den Hausgebrauch, dazu Bretter und Schneidwerkzeug plus Crème fraîche vom Lieferanten des Hauensteiner Herstellers. Auch hier könne der Kunde günstiger einkaufen, versichert Wambsganss. Die Kunden kommen nicht nur aus der Region. Auch Urlauber kauften bei ihnen häufig ein, erzählt der Geschäftsführer. Der Flammkuchenverkauf habe sich eben herumgesprochen – Werbung wird dafür gar nicht gemacht. Noch bescheidet sich der Werksverkauf für die Hauensteiner Flammkuchen in einem kleinen Raum mit großer Tiefkühltruhe. Doch es gibt schon Pläne, den Werksverkauf in einen größeren Raum zu verlagern und dann um eine Verköstigung zu ergänzen, wie Wambsganss berichtet. Dann kämen wohl auch jene auf ihre Kosten, die der Zufall vorbeigeführt hat – ohne Tiefkühlbox. (tre)