Kultur Südpfalz Astronomie nach zwei Flaschen Riesling

Zu einer ganz besonderen Gitarrennacht hatte der Verein Kulturzentrum Altstadt eingeladen. Mit Christian Straube aus Speyer, dem Amerikaner Adam Rafferty und Joscho Stephan, der samt Vater Günter und dem Kontrabassisten Volker Kamp als Trio erschien, standen am Sonntag drei Ausnahmegitarristen auf der Bühne im Alten Kaufhaus, die als Meister ihrer Genres gelten.
Christian Straube pendelt zwischen Deutschland und der Schweiz, wo er als Gitarrenlehrer arbeitet, musikalisch inspiriert den gebürtigen Speyerer die Bretagne, weshalb er viel Zeit auch in Frankreich verbringt. 70 000 Kilometer sei er im Jahr unterwegs, berichtete der stille Hüne. Er spielte zarte Einschlafmelodien, die er einst für seinen heute 17 Jahre alten Sohn komponiert habe und eine sanfte Ballade, die er einer guten Bekannten mit dem Namen „Moni“ gewidmet hat. Mit all seinen Kompositionen erzählt Straube Geschichten aus seinem Leben. „Nordwind der Sterne“ ist die Erinnerung an Himmelsbeobachtungen nach zwei Flaschen Riesling bei einem Streifzug mit dem Bruder vor vielen Jahren mit dem Schlafsack durch den Pfälzerwald. Im Stück „Ladies Night“ hat Straube seine Vorstellung davon in Noten gepackt, was Frauen machen, wenn sie alleine ausgehen und mit rhythmischem Folk erzählte der Gitarrist die Geschichte von einer alljährlichen feucht fröhlichen Tanznacht in der Bretagne. Es folgten heiße Interpretationen bekannter Songs durch den Amerikaner Adam Rafferty. Er hat sich als Fingerpicker einen Ruf gemacht, das Landauer Publikum musste sich allerdings mit der Technik des Daumenpicking begnügen. Zusammen mit gekonntem Beatboxing, Rasseln an den Füßen und rhythmischer Ergänzungen durch das Trommeln auf seinem Zupfinstrument gerieten die bewegten Interpretationen von bekannten Liedern wie John Lennons „Imagine“, Michael Jacksons „Moon-Walk“, brasilianischen Tanzrhythmen und dem Swing „Tequila“ zur Steigerung der Stimmung im Publikum, das Rafferty auch zum Mitsingen aufforderte. Mit seinen lustigen Ansagen und nach den kabarettistischen Einlagen des Amerikaners war die Stimmung im leider nur schwach gefüllten Saal für den Höhepunkt des Abends bestens angewärmt. Joscho Stephan, sein Vater Günter und der Kontrabassist Volker Kamp schafften es, die Stimmung zum Kochen zu bringen. Kaum konnten die Augen der Zuschauer den schnellen Fingerbewegungen folgen, mit denen der Sologitarrist seinem Instrument in technischer Perfektion und eigener Dynamik Interpretationen vorwiegend von Stücken des legendären Django Reinhardt entlockte. „Honeysuckle rose“ oder der „Minor Blues“ bekamen durch die atemberaubende Technik des jungen Solisten eine eigene Nuance, ebenso wie Mozarts Türkischer Marsch, den das Trio exakt und sauber im Sauseschritt „abarbeitete“. Eigene Kompositionen wie der „Bossa Dorado“ unterstrichen die außergewöhnliche Begabung des erfolgreichen Gitarristen aus Mönchengladbach und mit „Papillon“ offenbarte Stephan seine sanfte Seite. Für die kontinuierliche rhythmische Basis und ein konstantes Tempo sorgte Günter Stephan, Bassist Volker Kamp durfte in zwei Soloeinlagen sein außergewöhnliches Talent beweisen. Zum Abschluss gesellte sich Adam Rafferty zu dem Trio. Die hinreißend sensationelle Version von „Sweet Georgia Brown“ riss die Zuschauer zu derartigen Begeisterungsstürmen hin, dass die vier Musiker als dritte Zugabe den „Minor Swing“ aus dem Film „Chocolat“ zum Besten gaben. (hps)