Rheinpfalz Apotheke in den Genen

Seit 50 Jahren führt die Familie Spengler die Paracelsus-Apotheke – und das mittlerweile in zweiter Generation. 2006 übernahm Do
Seit 50 Jahren führt die Familie Spengler die Paracelsus-Apotheke – und das mittlerweile in zweiter Generation. 2006 übernahm Dorothee Preuß-Spengler (links) die Apotheke von ihren Eltern Birgit und Ingo Spengler.

Im Herbst 1968 war Ingo Spengler noch allein in der Paracelsus-Apotheke. Damals war sie noch in der Marktstraße 3 zu Hause. Und wer auf ein 50-jähriges Bestehen zurückblicken kann, der hat schon einige Veränderungen mitgemacht. Heute feiert die Apotheke, die jetzt in zweiter Generation geführt wird, in der Bahnhofstraße ein halbes Jahrhundert Apothekentradition in Kusel.

Birgit Spengler studierte noch, als ihr Mann und sie die Apotheke eröffneten. Um ihn zu unterstützen, sei sie zwischen Vorlesungen und Arbeit in der Apotheke gependelt, erinnert sie sich. Damals habe es nur zwei weitere Apotheken in Kusel gegeben: die Adler Apotheke und die Engel Apotheke. Schon zu dieser Zeit hatte man sich räumlich an den Ärzten orientiert. In der Marktstraße waren das die Mediziner Kette und Wüstemann, die für Kundschaft gesorgt hatten. Die Arbeitsweise der Apotheker habe sich in den vergangenen 50 Jahren kaum verändert, stellt Ingo Spengler fest. Nur das Sortiment habe sich gewandelt: In den 1970ern sei der Verkauf von Babynahrung ein wichtiges Standbein gewesen, erklärt Birgit Spengler. Heute habe man nur noch für „Notfälle“ einen kleinen Vorrat da. Sonntags hätten die Drogeriemärkte eben geschlossen. Nachdem das Ärztehaus am Bahnhof den medizinischen Schwerpunkt in Bahnhofsnähe gebracht hatte, verlegten Ingo und Birgit Spengler das Geschäft 1997 in die Bahnhofsstraße 63. Neun Jahre später übernahm Dorothee Preuß-Spengler die Leitung. Für die älteste Tochter der Familie sei schon zu Abiturzeiten klar gewesen, dass sie Pharmazie studieren und später einmal in die Fußstapfen ihrer Eltern treten wolle. Sie scherzt, dass sie mit ihrem damaligen Chemie-Lehrer am Gymnasium Kusel (heute Siebenpfeiffer-Gymnasium) Glück hatte, sodass dem nichts im Weg gestanden habe. Einige der Mitarbeiter der Paracelsus-Apotheke begleiten die Familie Spengler schon seit vielen Jahren. Die pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte Annelie Straß sogar schon seit 41 Jahren. Die Eltern versuchen zusammen mit der Tochter zu überschlagen, wie viele Angestellte sie in den 50 Jahren wohl begleitet haben. Sie kommen auf knapp 20 Personen. Und das Wohl der Mitarbeiter scheint der Familie sehr am Herzen zu liegen. Das freundliche Klima schätzen auch die Kunden: Viele von ihnen sind Stammkunden. Zum Service gehöre auch, für treue Kunden immer das richtige Medikament vorrätig zu haben. Die persönliche Beratung sei, gerade im Gegensatz zu den Versandapotheken, ein fundamentaler Pfeiler, meint Birgit Spengler. Es sei schon öfter vorgekommen, dass in Gesprächen mit den Kunden herauskam, dass sie ein Medikament falsch eingenommen hätten, was schwerwiegende Folgen haben könne. In den Online-Apotheken werde nicht dazu beraten, welche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich seien und was unbedingt zu beachten sei. Die Versandapotheken seien aber schon eine harte Konkurrenz geworden, sagt Preuß-Spengler. Um dem entgegenwirken zu können, musste man mit der Zeit gehen und auf die Bedürfnisse vor Ort eingehen. Für den Kreis Kusel bedeutet das, dass die Paracelsus-Apotheke seit einigen Jahren einen Lieferservice für Kunden anbietet, die nicht zur Apotheke in Kusel kommen können. Gründe dafür sind vielfältig: Manchmal sei es die Verkehrsanbindung, andere Kunden sind gesundheitlich nicht mehr dazu in der Lage. Auch für manche Berufstätige sei es nicht möglich, während der Öffnungszeiten ihr Medikament abzuholen. Drei Mitarbeiterinnen fahren die bestellten Medikamente deshalb ab 16 Uhr in die umliegenden Dörfer aus. Auch der Nachwuchsmangel macht sich in der Apothekenlandschaft des ländlichen Raums bemerkbar: Es sei schon erheblich schwerer geworden, Apotheker zu finden, die nach Kusel kommen möchten, sind sich die drei Spenglers einig. Irgendwie habe es aber immer geklappt, und so schaut die Familie zuversichtlich in die Zukunft. Am Freitag, 26. Oktober, feiert die Apotheke dann mit ihren Kunden. Während der regulären Öffnungszeit hält das Team kleine Aufmerksamkeiten und Sonderangebote bereit. An diesem Tag besteht außerdem die Möglichkeit, den Blutzuckerspiegel und den Blutdruck kostenlos messen zu lassen.

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