Rheinpfalz Anders wohnen

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Mannheim

. Zentrumsnahes Wohnen in der Großstadt liegt ebenso im Trend wie ökologisches Bewusstsein. Damit erfüllt die Bahnstadt – Heidelbergs jüngster Stadtteil – gleich zwei wichtige Kriterien. Und tatsächlich hat sich das Gelände des alten Güterbahnhofs zu einer begehrten Wohnlage in Heidelberg entwickelt – obwohl dort noch immer fleißig gebaut wird. Mittlerweile leben rund 2600 Menschen dort. Besonders junge Familien zieht es ins neue Quartier. „Die Geburtenrate ist doppelt so hoch wie in den anderen Stadtteilen“, weiß Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos). Deshalb gehören auch der Bau von Kindertagesstätten und einer Schule zum Entwicklungsplan. Die ersten Einkaufsläden, Restaurants und Cafés haben bereits eröffnet. Ein Großkino und ein Fitness-Studio werden gebaut. Die Bahnstadt ist jedoch kein reines Wohnviertel, auch Gewerbe soll hier eine neue Heimat finden. Mit 116 Hektar Fläche ist das Gebiet immerhin größer als die gesamte Heidelberger Altstadt. Doch eine Bedingung gibt es, die jedes Gebäude erfüllen muss: „Es ist vertraglich festgelegt, dass in der Bahnstadt nur im Passivhaus-Standard gebaut wird“, betont Heidelbergs OB. „Es soll ein Zero-Emissionsgebiet werden.“ In dieser Größenordnung sei so etwas in Europa einzigartig. Neben der Passivhaus-Bauweise gehören Dachbegrünung und viel Grünfläche zum Quartier-Konzept. Das Regenwasser kann zu 100 Prozent versickern. Die ökologische Nachhaltigkeit sei von Anfang an Bedingung bei der Planung und Entwicklung des Stadtteils gewesen, sagt Würzner, der von 2001 bis 2006 Bürgermeister für Umwelt und Energie der Stadt war, bevor er das Amt des Oberbürgermeisters übernahm. Ausnahmen gibt es nicht. Das bedeutet, dass jedes Unternehmen, das sich in der Bahnstadt ansiedeln möchte, die ökologischen Standards erfüllen muss. Die Sorge, dass die Bedingung Interessenten abschrecken könnte, hat sich offenbar als unbegründet erwiesen. Die Nachfrage sei hoch, versichert Rathauschef Würzner. „Manche Unternehmen sehen das auch als Herausforderung.“ Eine Baumarkt-Kette hat in der Bahnstadt ihre erste Filiale in Passivhaus-Bauweise errichtet. Wohnen im Passivhaus kommt an, die energiesparende Bauweise sorgt für niedrige Nebenkosten. Der neue Wohnraum sorgt für Entlastung auf dem Heidelberger Immobilienmarkt, lockt aber auch viele Neubürger an. „Zwei Drittel der Bewohner in der Bahnstadt kommen von außerhalb“, sagt Würzner. Auch bei Studenten ist die Bahnstadt beliebt, zwei privat geführte Studentenwohnheime gibt es. Die Auslastung ist hoch. Würzner weiß, weshalb das so ist: „Die Nähe zum Zentrum, die urbane Atmosphäre des Quartiers und eine top Internetverbindung sind attraktiv.“ Damit es auf Dauer neue Bewohner in die Bahnstadt zieht, wird neben dem Wohnungsbau an der entsprechenden Infrastruktur gearbeitet. Derzeit entstehen in den ehemaligen Güterhallen sowie im Bildungs-, Betreuungs- und Bürgerhaus B³ zwei Kindertagesstätten. Der Gebäudekomplex B³ beinhaltet zudem eine dreizügige, inklusive Grundschule mit Sporthalle sowie ein Bürgerzentrum mit öffentlichem Café, Mehrzweckräumen und einem Bürgersaal. Zum Schuljahresbeginn 2017/2018 soll B³ eröffnen. In der Jahresmitte startet der Bau des Nahversorgungszentrums „Westarkaden“, wo sich Lebensmittel- und Einzelhändler ansiedeln werden. Ab Mitte des Jahres beginnen außerdem die Arbeiten für die Anbindung der Bahnstadt an das Straßenbahnnetz. „Davon profitieren nicht nur die Bewohner, sondern auch die Pendler, die in der Bahnstadt ihren Arbeitsplatz haben“, erklärt der OB, der nach derzeitigem Entwicklungsstand damit rechnet, dass die Bahnstadt einmal der Arbeitsplatz von 7000 Menschen sein wird. Allein 22 Hektar sind für den Bahnstadt-Campus vorgesehen. Dort entstehen der Technologiepark Heidelberg, Labor- und Forschungseinrichtungen der Max-Jarecki-Stiftung sowie ein Forschungszentrum von Reckitt Benckiser.

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