Rheinpfalz Am Wert des Golfplatzes scheiden sich die Geister

Am Mittwoch wird das Insolvenzverfahren für den zahlungsunfähigen Golfclub Pfälzerwald eröffnet. Insolvenzverwalter Arne Fu bestätigte gestern seine bereits bei der Mitgliederversammlung des Clubs getätigte Einschätzung: „Die vorhandene Masse reicht aus, um das Insolvenzverfahren zu eröffnen.“
Der Spielbetrieb auf der Anlage werde weiterlaufen, so lange die finanziellen Mittel reichen. Parallel dazu arbeitet Fu an einer langfristigen Lösung. Sein Ziel sei es, die Anlage und deren Wert zu erhalten. Derzeit gibt es, wie berichtet, eine regionale Investorengruppe, die Interesse bekundet hat, Gelände und Golfanlage zu erwerben. In einem gemeinsamen Gespräch der Investoren mit Vertretern der Verbands- und Ortsgemeinde Waldfischbach-Burgalben als Geländeeigentümern, Sparkasse Südwestpfalz und Insolvenzverwalter war dieses Angebot erläutert worden. 650.000 Euro hat die Investorengruppe für das 52,5 Hektar große Gelände geboten. Eine Zahl, die der Insolvenzverwalter nicht kommentiert. Der Bodenrichtwert ist, wie berichtet, mit zwei Euro festgelegt. Wird dieser Wert, den der rheinland-pfälzische Gutachterausschuss alle zwei Jahre ermittelt, zugrunde gelegt, hätte das Gelände einen Wert von 1,05 Millionen Euro. Verärgert ist Fu darüber, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden sei, die Grundstückseigentümer hätten dem Golfclub Gelände im Wert von 2,8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Verantwortung dafür sieht er unter anderem bei Verbandsbürgermeister Lothar Weber, dem er vorhält, vereinbartes Stillschweigen gebrochen zu haben. „Ein derartiges Vorgehen ist vor Abschluss der Verhandlungen schlicht kontraproduktiv“, kritisiert Fu. Weber hatte, wie berichtet, alle vonseiten der Verbands- und Ortsgemeinde getätigten Investitionen addiert, die Grundlage dafür waren, dass auf dem Gelände später die Golfanlage realisiert werden konnte. Ursprünglich waren die Grundstücke angekauft worden, um auf diesem Gelände ein Industriegebiet auszuweisen. Dieses Projekt konnte damals unter Verbandsbürgermeister Ernst Becker nicht verwirklicht werden. Um das Gelände dennoch zu nutzen, wurde 1999 unter seiner Leitung der Golfclub Pfälzerwald gegründet, der das Gelände seither nutzte. Wenn es heiße, das Gelände sei aktuell 2,8 Millionen Euro wert und es würde ein geringerer Kaufpreis dafür geboten, „dann entsteht der Eindruck, hier soll werthaltiges Vermögen der Gemeinde quasi verschenkt werden. Das ist aber ganz und gar nicht so“, sagt Fu. Seiner Auffassung nach hatten sich Verbands- und Ortsgemeinde mit dem Geländekauf im Hinblick auf Industrieflächen damals verkalkuliert. Für ihn stellt sich der Sachverhalt so dar, dass der Golfclub – dessen erster Präsident Ernst Becker war – durch die Erstellung der Golfanlage ein nutzlos gewordenes Gelände mit eigenen Mitteln, ohne öffentliche Förderung, eine touristische Attraktion und Arbeitsplätze geschaffen habe. Den Erweiterungswunsch des Golfclubs habe sich die Kommune teuer bezahlen lassen. Für die Erweiterung von einer Neun- auf eine 18-Loch-Anlage war eine Bankenfinanzierung erforderlich und damit der Abschluss eines Erbpachtvertrages. In den Verhandlungen über den Erbpachtvertrag setzte die Eigentümerseite ihre Vorstellungen durch. Es sei ohnehin nicht entscheidend, wie viel Geld die öffentliche Hand ausgegeben habe, um Gelände zu erwerben. Entscheidend sei, welchen Wert das Gelände aktuell tatsächlich habe, sagt Fu. Für ihn steht fest, dass der Wert des Geländes drastisch sinkt, wenn die Golfanlage nicht erhalten werden kann. Das könne passieren, wenn eine sogenannte sanierende Übertragung – das wäre der Verkauf der Vermögensgegenstände an Investoren – nicht gelinge. Dann sei damit zu rechnen, dass der Insolvenzverwalter den Betrieb stilllegen muss. „Holt sich die Natur die Fläche zurück, weil der Platz nicht mehr gepflegt wird, ist sie nicht mehr wert als einfaches Brachland“, steht für den Insolvenzverwalter fest. Für Brachland setzt er einen Quadratmeterpreis von 30 Cent an. Damit kommt er auf einen Geländewert von 157.500 Euro. Und dies auch nur dann, „wenn sich überhaupt ein Käufer findet“. Die Investorengruppe habe nicht nur einen Kaufpreis geboten, sondern habe auch in Aussicht gestellt, den Vereinsbetrieb langfristig aufrecht zu erhalten und zu fördern. Sie ginge durchaus ein beträchtliches Risiko mit der Übernahme von Gelände und Anlage ein. Die einnahmearme Zeit zwischen Saisonende und neuer Spielzeit 2019 müsse finanziell überbrückt und erheblich in die Anlage und den Maschinenpark investiert werden, da beides in die Jahre gekommen ist (die RHEINPFALZ berichtete). Die Grundstückseigentümer könnten sich wirksam gegen Spekulationen schützen und die Investoren verpflichten, das Gelände weiter für den Golfsport zu nutzen. Diese Pflicht könnte im Grundbuch verankert werden. Gerne würde er seine Sicht der Dinge den Räten persönlich erläutern, so Fu.