Rheinpfalz
120 000 nehmen in Mannheim an der Parade zum Christopher Street Day teil
Mit einem großen Feuerwerk über dem Schloss endeten am späten Samstagabend die Feierlichkeiten rund um die Christopher-Street-Day-Parade in der Mannheimer Innenstadt. Rund 120.000 Besucher hatten zuvor gemeinsam mit den Zugteilnehmern für gleiche Rechte und Toleranz demonstriert. Rund 5000 Menschen feierten im Anschluss noch beim „Straßenfest“ im Ehrenhof weiter.
„So etwas sieht man nicht so oft“, waren sich die Mitglieder des Stammtisches „Zur Boxi“ aus Mannheim-Schönau einig. Weil sie keinen direkten Kontakt zur Gemeinschaft der Schwulen und Lesben in der Stadt haben, staunten die drei Männer nicht schlecht, als sie die bunte, schrille und vor allem fröhliche Gesellschaft an sich vorüberziehen sahen. Denn Mannheim war an diesem Tag weder blau-schwarz, wie die Farben des SV Waldhof, des Lieblingsfußballvereins der drei, auch nicht blau-weiß-rot. Mannheim schillerte in allen Regenbogenfarben.
Für Dirk Opfermann bedeutete die Farbenvielfalt nur eine kleine Umstellung. Als Initiator des Netzwerks „BASFPride“ war er maßgeblich daran beteiligt, dass sich erstmals eine Fußgruppe der BASF mit über 120 Teilnehmern am Demonstrationszug beteiligte. „Genau genommen fehlen von den Farben der BASF nicht mehr viele bis zum Regenbogen“, lachte er, wurde dann aber gleich wieder ernst: „Wir sind hier, um intern und extern gesehen zu werden. Wir stehen gemeinsam für Vielfalt.“ Immerhin habe die schwul-lesbische Gemeinde in den vergangenen Jahren seit der Polizeirazzia in der New Yorker Bar „Stonewall Inn“ in der Christopher Street vieles in Sachen Chancengleichheit und Akzeptanz getan. „Das zeigt, dass Zusammenhalt wirkt“, unterstrich Harald Blaull als Sprecher des Veranstaltervereins CSD Rhein-Neckar und zitierte damit das Zugmotto in diesem Jahr.
Die Stadtoberhäupter in Begleitung
„Ja, es wurde viel erreicht. Aber es gibt noch verdammt viel zu tun“, schränkte Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) ein. „Und das sollte nicht wieder 50 Jahre dauern.“ Gemeinsam mit ihrem Mannheimer Kollegen Peter Kurz (SPD) und Heidelbergs Bürgermeister Wolfgang Erichson (Grüne) war sie unter den Zugteilnehmern. „Das macht deutlich, dass die Städte hinter dem CSD und seinen Zielen stehen“, hatte Kurz die Teilnahme der drei Stadtoberhäupter vor dem Start um 14 Uhr am Neckartor erklärt.
Erkennbares Zeichen reger Teilnahme war außerdem, dass alle drei Bürgermeister von großen Fußgruppen von Verwaltungsangestellten begleitet wurden. Auf Mannheimer Seite war sogar die Feuerwehr mit dabei, Ludwigshafen demonstrierte mit einer Vielzahl städtischer Töchter, unter anderem dem Klinikum und den Wirtschaftsbetrieben, für Vielfalt. „Und auch die Huddelschnuddler waren sofort dabei, als ich angefragt habe, ob sie uns begleiten wollen“, freute sich Jutta Steinruck. Alles auf freiwilliger Basis. „Und alles ohne Kosten für die Stadt“, betonte die Oberbürgermeisterin.
Erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen
Auch die Zusammenarbeit mit Heidelberg habe wieder gut funktioniert, freute sich Sabrina Brunk. Das sei ein Zeichen des neuen Miteinanders, das der neugewählte CSD-Vorstand ausgelöst habe, glaubt sie. „Unter anderem hatten wir eine Abordnung des ,Dyke-March-Rhein-Neckar’ hier.“ Am Freitag waren die lesbischen Frauen noch als Demonstrantinnen durch Heidelberg gezogen, am Samstag schloss sich die Gruppe spontan dem CSD an. So spontan, dass auch Erichson von der Zugteilnahme überrascht war. Ein gutes Signal aber allemal: „Immerhin wurde Heidelberg für das kommende Jahr wieder für das nationale Lesben-Frühlings-Treffen angefragt.“ Die nächste Gelegenheit für die schwul-lesbische Gemeinde der Metropolregion, um Zusammenhalt zu demonstrieren. „Wir sind da, wir sind viele und ihr bekommt uns auch nicht mehr weg“, formulierte es der Bürgermeister.
Während der Parade kam es laut Polizei zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen. Ursache hierfür war, dass sich der Zug stark in die Länge zog, die entstandenen Lücken nicht geschlossen werden konnten, wodurch die jeweiligen Sperrungen länger andauerten. Während der Parade kam es zu drei medizinischen Notfällen, bei denen der Rettungsdienst tätig werden musste.
Auftritt der Sängerin und Schirmherrin Kerstin Ott
Gegen 16.30 Uhr erreichte die Parade das Mannheimer Schloss. Im Ehrenhof des Mannheimer Schlosses feierten nach knapp dreistündiger Demonstration dann etwa 5000 Teilnehmer ausgelassen das CSD-Straßenfest. Unter anderem stand hier auch die Sängerin Kerstin Ott („Die immer lacht“), zugleich Schirmherrin der diesjährigen Parade, auf der Bühne und sprach der gesamten Comunity in der Metropolregion aus dem Herzen: „Komm lass uns die Welt bemalen, in Regenbogenfarben.“ Nach dem Abbrennen eines Feuerwerks waren die Feierlichkeiten gegen 23 Uhr beendet.