Rheinpfalz Übernachtung zwischen Urzeitviechern

„Wird das wie der Film ,Nachts im Museum’?“, fragte André gleich zu Beginn. Nachdem am Samstagabend die normalen Besucher gegangen und die Türen verschlossen waren, durfte er gemeinsam mit anderen Kindern das Urweltmuseum Geoskop auf Burg Lichtenberg erkunden und anschließend zwischen den Urzeithaien übernachten. Am nächsten Morgen stand fest: der Tyrannosaurus-Rex-Schädel, der von der Decke hängt, war – anders als im Film – über Nacht an seinem Platz geblieben.
Die 13 Mädchen und Jungen waren bestens für ihre nächtliche Erkundungstour im Museum ausgerüstet. Mit Schlafsäcken, Taschenlampen und Verpflegung waren sie am Abend bei den Veranstaltungsleiterinnen Vanessa Zürrlein und Silke Körner im Urweltmuseum angekommen. Die meisten waren schon einmal dagewesen, einige hatten die Forschungswerkstatt besucht. Bevor es richtig losging, waren die ersten Kinder bereits auf eigene Faust in den noch beleuchteten Ausstellungsräumen unterwegs. Die geplante Nachtwanderung über die Burg musste wegen des Winterwetters ausfallen. Nach dem Kennenlernen und dem Festlegen der Regeln – leise, langsam, vorsichtig – ging es deshalb gleich in die Sonderausstellung zur Eiszeit. Sie läuft noch bis April. Unter anderem gibt es einen Säbelzahn eines Wollmammuts zu sehen. Einige Teilnehmer glänzten mit ihrem Wissen, andere fragten neugierig nach: Jordan wollte wissen, wieso die Ausstellungsstücke Zahlen haben, Cindy fragte, wie lange ein Stoßzahn wird. Im Untergeschoss erklärte Zürrlein dann, wie Fossilien entstehen, es wurden Tonsteine untersucht und der Axolotl, ein mexikanischer Schwanzlurch, im Aquarium betrachtet. André kündigte derweil an: „In jedem Fall schlafe ich neben dem Urzeithai.“ Als später rund um das Fossil das Nachtlager aufgeschlagen wurde, sicherte er sich tatsächlich einen Platz direkt an der Absperrung. Rings um die runde Ausstellungsfläche wurden Isomatten ausgerollt und Stofftiere ausgepackt. Während Leander und sein Bruder noch ihre Luftmatratzen aufpumpten, waren Gabriel und Marlon auf der gegenüberliegenden Seite des Haifossils schon in ihre Schlafsäcke geschlüpft und lagen Probe. Am Ende konnten einige von ihrem Nachtlager aus ohne Probleme das Granulat anfassen, in dem das urzeitliche Fossil eingebettet ist. Bevor es ins Bett ging, wurden Gehör und Tastsinn trainiert. Dann gingen die Lichter aus: Zürrlein und Körner lasen im Dunkeln Märchen vor. Von draußen fiel vereinzelt Licht auf die Ausstellungsstücke und die Kinder projizierten mit Taschenlampen Schneeflocken, Dinos und Rentiere an die dunkle Museumsdecke. Anschließend ging es kurzentschlossen doch noch in den Neuschnee hinaus. Gegen 23 Uhr tobte vor dem Geoskop eine lautstarke Schneeballschlacht zwischen Betreuern und Kindern. „Im Schnitt hatten wir etwa zwei Stunden Schlaf am Stück, denke ich“, berichtete Zürrlein am Sonntagmorgen. Die meisten Kinder schliefen nicht gleich ein, andere waren nachts wach. Nach dem gemeinsamen Frühstück dann das erfreuliche Ergebnis für Zürrlein und Körner: Allen hat es gefallen. Allein schon nachts im Museum zu sein und zwischen den Ausstellungsstücken übernachten zu dürfen, sei toll. Darüber hinaus wissen die Kinder nun, wie sich Haizähne anfühlen, dass Mammuthaare etwa 90 Zentimeter lang wurden, Dinosaurier komische Namen haben, weil sie überall auf der Welt gleich heißen sollen und manche Fossilien weiß wie Asche sind, weil sie in der heißen Gesteinsmasse von Vulkanen „frittiert“ wurden. Das Erlebnisprogramm wurde zum ersten Mal angeboten und ist sofort auf große Resonanz gestoßen. Auf der Warteliste stehen bereits weitere 28 Kinder. „Wir waren selbst ganz baff“, sagt Erzieherin Silke Körner. Ursprünglich wollte man erst nach der ersten Veranstaltung entscheiden, ob das Museum die nächtlichen Touren für Kinder öfter anbietet. Angesichts der großen Nachfrage kündigte Vanessa Zürrlein nun schon an, dass es im Frühjahr definitiv eine zweite Ausgabe von „Nachts im Urweltmuseum Geoskop“ geben werde.