Sport RHEINPFALZ Plus Artikel Zum Tod des Dressurstars Desperados: Zynismus des Schicksals

Kristina Bröring-Sprehe und Desperados, hier 2013 beim Turnier im saarländischen Perl-Borg, in Szene gesetzt von Pferdesport-Fot
Kristina Bröring-Sprehe und Desperados, hier 2013 beim Turnier im saarländischen Perl-Borg, in Szene gesetzt von Pferdesport-Fotografenlegende Jacques Toffi.

Wenn ein Pferd früh und völlig unerwartet stirbt, ist das schlimm genug. Der Tod des Dressurstars Desperados, der am Wochenende die Szene geschockt hat, berührte mich ganz besonders. Denn da waren zum einen die vielen Turniere, auf denen ich den brillanten und schönen Rapphengst in den letzten Jahren bestaunen und hinterher mit seiner Reiterin Kristina Bröring-Sprehe über ihn sprechen durfte. Und zum anderen ist da die verstörende Todesursache.

Reiterin „am Boden zerstört“

„Ich kann es immer noch nicht glauben, dass Du nicht mehr bei uns bist! Kurz vorher noch so gut gelaunt und voller Kraft und dann einfach nicht mehr da“, richtete die „am Boden zerstörte“ Kristina Bröring-Sprehe (33) letzte Worte an ihren „Despi“. Wer das schon selbst erleben musste, kann ihr die Fassungslosigkeit nachfühlen: Aortaabriss – eine Diagnose, die bei Pferdefreunden Horror und Hilflosigkeit gleichermaßen hervorruft. Plötzlicher Tod durch Riss der Hauptschlagader. Ein schnelles, buchstäblich abruptes Lebensende, wohl auch schmerzlos, wie es oft tröstend heißt – aber eben aus dem Nichts. Und deswegen eben doch kein Trost.

Dass Desperados’ Tod im Alter von erst 19 Jahren abseits der Fachmagazine und -onlineportale eher dezenten Widerhall fand, ist mit dem Nischendasein des Dressurreitens in einer TV-dominierten Sportwelt mit Fußball oder Formel 1 zu erklären. Obwohl hier – auch wenn er eben vier statt zwei Beine hatte – ein großer deutscher Sportstar des vergangenen Jahrzehnts abgetreten ist, in einer olympischen Disziplin überdies, die seit jeher eine sichere Medaillenbank darstellt. Mit seiner jungen Reiterin aus Niedersachsen sammelte Desperados von 2012 bis zu seinem letzten Turnier 2018 Olympia-, WM- und EM-Medaillen in allen Farben. Höhepunkte: Olympia-Gold mit der Mannschaft 2016 in Rio, auch Einzel-Bronze, ein Jahr zuvor EM-Silber in Aachen – und dort waren damals viele überzeugt davon, dass nur gewisser richterlicher Allesgewinner-Bonus von Charlotte Dujardin mit ihrem als unschlagbar geltenden Valegro das britische Gold in der Soers gerettet hatte.

Ein kleiner Macho mit Charakter

Apropos letztes Turnier. Das war in Frankfurt, vor Weihnachten 2018. Ein überraschendes und starkes Comeback nach längerer Pause, „ohne viel Tamtam“, wie die ungern ins mediale Rampenlicht gezogene Reiterin mir in der Festhalle erzählte. Kristina schwärmte: „Er fühlt sich jünger denn je an.“ 2019, das stellte sie aber klar, „wird wohl das letzte Jahr von uns“. Im Turnierviereck meinte sie da natürlich. Stilvoll verabschieden aus dem Sport wollte sie ihren „Despi“ erst demnächst, mit dann doch etwas Tamtam, so wie er es verdient gehabt hätte. Er, der – ganz Hengst – auch mal ein „kleiner Macho“ sein konnte, wie seine Reiterin einräumt.

Auch züchterisch gesehen ist Desperados' Tod ein Verlust. Dennoch wird der De-Niro-Sohn über seine zahlreich im Sport erfolgreichen Nachkommen weiterleben. Zynismus des Schicksals: Bröring-Sprehe hatte am Freitag in Neumünster gerade einen tollen Grand-Prix-Sieg gefeiert, als ihr die traurige Nachricht aus dem Stall in Löningen übermittelt wurde. Ihr aktuelles Erfolgspferd heißt Destiny - ein Desperados-Sohn ...

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