Sport WM-Tagebuch 2: Gut gelaunt zu den Socceroos

Jetzt bin ich doch reingefallen. Im ersten WM-Tagebuch habe ich noch angeberisch geschrieben, dass ich in der Moskauer U-Bahn die kyrillischen Buchstaben so gut entziffert habe, dass ich noch keine Irrfahrt hatte. Dafür aber habe ich aber am Donnerstagfrüh einen kleinen Schock erlitten, als ich den ersten Schluck Kaffee probiert habe. Das Gebräu habe ich mir im mit Wasserkocher ausgestatteten Hotelzimmer noch vor dem Frühstück selbst gerührt. Ja: Er hat schon ein bisschen komisch ausgesehen, der Milchkaffee. Probiert habe ich ihn trotzdem, weil ich eigentlich nicht so empfindlich bin. Jetzt aber war der erste auch der letzte Schluck – es war ein Buttermilch-Kaffee. Ich habe mir die 0,5-Liter-Packung, die ich natürlich über Nacht im Kühlschrank hatte, gleich noch mal genau angeschaut. Viele kyrillische Buchstaben waren darauf abgebildet, eine Kuh natürlich und eine fröhliche ältere Bäuerin. Im russischen Supermarkt um die Ecke unseres Hotels Salut im Südwesten Moskaus habe ich den Tetra-Pack aus dem Kühlregal mit den Milchprodukten geholt. Dass es keine Vollmilch, sondern Buttermilch sein könnte, daran hab’ ich keine Sekunde gedacht. Die nächste Tasse Kaffee, die dann erste, gab’s also ohne Milch. Geht zur allergrößten Not auch mal. Als Entschädigung habe ich mir nach ein bisschen Schreibarbeit dann eine gute Stunde später im Frühstücksraum einen Cappuccino gegönnt. Diese dritte Etage des 22-stöckigen Hotels war bisher fest in der Hand der „Green and Gold Army“. Einige Hundert australische Anhänger sind mit dem professionell betriebenen Fanklub der Socceroos unterwegs. Mit Andrew Stankovic aus Newcastle, 170 Kilometer nördlich von Sydney gelegen, und seinen Kumpels hatte ich ein sehr nettes Gespräch. „Eine tolle Atmosphäre hier in Moskau unter den Fans aus allen möglichen Ländern“, berichtete der 56-Jährige von seinen Eindrücken. Eine friedlich-fröhliche Zusammenkunft Tausender Anhänger aus aller Herren Länder am Roten Platz am Mittwoch hat Stankovic und seine Freunde tief beeindruckt. Auch wenn das Ganze unter intensiver Überwachung durch die russischen Sicherheitskräfte gestanden habe. Der guten Stimmung habe das keinen Abbruch getan, meinte Stankovic. Der Sohn einer Deutschen und eines Serben, die in Australien eine Familie gegründet haben, hat auch die WM 2006 in Deutschland besucht. „Die am besten organisierte WM aller Zeiten“, meinte er und betonte, das nicht nur Deutschen gegenüber zu sagen. Von der Organisation im Vorfeld dieser WM in Russland ist er aber auch angetan. Wie schon vor zwölf Jahren in Deutschland, speziell auch bei zwei Socceroos-Spielen in Kaiserslautern, fallen die australischen Fans auch jetzt wieder durch ihre sehr positive Einstellung zu den Dingen, durch ihre Fröhlichkeit und ihre Offenheit auf. So sagte Stankovic entschlossen: „Wir werden eine großartige Zeit hier in Russland erleben.“ Mittlerweile sind Stankovic und seine Freunde nach Kasan weitergereist. Dort spielen die Australier, die vom Ex-Bundesligacoach Bert van Marwijk trainiert werden, am Samstagmittag gegen Frankreich. Wie das Spiel auch ausgeht: Andrew Stankovic und Co. werden ihren Spaß haben.