Handball
WM: Deutschland kämpft, aber lässt gegen Norwegen zu viele Chancen aus
Was für ein Kampf. Was für ein Schlagabtausch. Was für ein Ende. Nun geht es am Mittwoch im Viertelfinale in Danzig gegen Frankreich.
Gut gespielt, schlecht geworfen. Die deutsche Mannschaft war gestern nicht effektiv. Das zog sich durch das ganze Spiel. Da war mehr drin.
Hexer Wolff hält Team im Spiel
Die Deutschen hatte einen Andreas Wolff im Tor, der erneut überragend hielt. Andreas Wolff – der deutsche Hexer. Er hielt seine Kameraden im Spiel. Chancenverwertung, eine Szene sprach Bände: In der 36. Minute scheiterten Johannes Golla und Patrick Groetzki direkt hintereinander. Und dann kurz darauf vergab Rune Dahmke – es war zum Haare raufen. Kristian Saeveras, der in der Bundesliga beim DHfK Leipzig spielt, machte eine Riesenpartie. Kristian Saeveras, der Beste gestern Abend.
Nicht alle deutschen Spieler waren in Top-Form. Philipp Weber fiel etwas ab, auch der bislang so starke Routinier Kai Häfner kam nicht so richtig ins Spiel. Norwegen setzte erst im zweiten Abschnitt durchgehend auf Superstar Sander Sagosen, er wurde aber zunächst vom Flensburger Goran Johanessen übertroffen. Aber der Rückraumspieler zeigte Nerven.
Erstmals wieder Ausgleich in Minute 51
Die deutsche Abwehr arbeitete leidenschaftlich, stemmte sich den norwegischen Angriffen entgegen. Und das Team wurde belohnt. In der 51. Minute (!) gelang endlich wieder der Ausgleich. Djibril M’Bengue, der dritte Mann, der dritte deutsche Halbrechte, warf das 24:24. Als Jannik Kohlbacher kurz darauf die allererste deutsche Führung erzielte, bebte die Spodek-Arena. Die deutschen Fans machten die Halle zum Tollhaus. Was für eine Stimmung in Kattowitz.
Es lief. Doch dann beging Luca Witzke einen Riesenfehler. Anstatt Kristian Björnsen werfen zu lassen, beging er ein Foul, Siebenmeter und Rote Karte. Überflüssig! Das Momentum kippte, Norwegen zog wieder davon. Bitter ...
Zwei Wechsel in der Stammformation
Schon die erste Halbzeit verlief ausgeglichen, wenn die die deutsche Mannschaft auch ständig einem Rückstand hinterherlaufen musste und mit 16:18 in die Pause ging.
Bundestrainer Alfred Gislason hatte zwei Wechsel in seiner Stammsieben vorgenommen. Für Wolff durfte mal wieder Joel Birlehm zwischen die Pfosten, für Lukas Mertens begann Rune Dahmke als Linksaußen. Nach knapp zehn Minuten beorderte Gislason Wolff wieder ins Tor, weil Birlehm keinen Ball abwehren konnte. Der 31-Jährige war sofort da, hielt unter anderem zwei Siebenmeter, einen davon von Sander Sagosen.
Nicht effektiv genug
Die deutsche Auswahl knüpfte an ihre bisherigen Leistungen an. Sie spielte toll auf, entwickelte immer wieder Ideen. Juri Knorr hatte das Heft in der Hand, aber diesmal war die Chancenverwertung schwächer als in den Spielen zuvor. Johannes Golla, Mister Zuverlässig, scheiterte zweimal völlig frei am norwegischen Torhüter Saeveras.
Dazu gab es zwei leichte technische Fehler. Das nutzen die abgebrühten, erfahrenen Norweger aus. 16:16 stand es in der 29. Minute, Norwegen setzte noch zwei drauf. Der Medaillenkandidat war einen Tick cleverer.
Nächste Etappe: Danzig
Die Frühaufsteher. Heute um 8.15 Uhr verlässt die deutsche Mannschaft schon ihr Hotel und fährt zum Flughafen Krakau. Von dort geht es nach Danzig. Bereit zu neuen Taten.
Die übrigen Viertelfinal-Partien lauten: Spanien - Norwegen, Schweden - Ägypten, Dänemark - Ungarn. Der Geheimfavorit Island zog gegenüber Ungarn in der Hauptrunde der Kürzeren.