Handball
Wie die deutschen Handballer die Müdigkeit überlisten wollen
„Die Mannschaft ist sehr ehrgeizig, auch im Kopf“, sagte Alfred Gislason am Donnerstag in Herzogenaurach. Unweit von Nürnberg bereitet sich der Bundestrainer gerade mit seinem Team auf die Aufgaben in Tokio vor und vermittelte mit dieser Aussage die zentrale und wichtigste Botschaft. Nach einer Saison, in der die Liga erst Ende Juni beendet war und die Topspieler schon knapp 60 Partien bestritten haben, geht es in den kommenden Wochen in erster Linie darum, dass die Akteure in der Lage sind, den eigenen Körper zu überlisten.
1000 Fans in Nürnberg dabei
Hilfreich ist dabei, dass das Olympische Turnier die Fantasie beflügelt. „Das ist das größte Event im Sport“, sagte Uwe Gensheimer. Der Kapitän strich die Besonderheit der Olympischen Spiele heraus, auch wenn kurz zuvor bekannt geworden war, dass die Handballer in Tokio vor fast leeren Rängen spielen werden: „Wir müssen und können die Entscheidung respektieren.“
Etwa 1000 Fans werden im Gegensatz dazu am Wochenende in Nürnberg für Stimmung sorgen, wenn die deutsche Mannschaft gegen Brasilien und Ägypten den Ernstfall probt. Das olympische Test-Turnier bietet für Gislason, Gensheimer & Co. die Chance, die erarbeiteten Inhalte aus den Übungseinheiten in den „Wettkampfmodus“ (Gensheimer) zu überführen. „Wir haben nur diese beiden Spiele“, verdeutlichte Gislason die Relevanz der insgesamt 120 Minuten. In den ersten Tagen der gemeinsamen Vorbereitung arbeitete der Isländer vorrangig an der Defensive der Mannschaft – die Abwehr soll und muss das Prunkstück der DHB-Auswahl werden, wenn in Tokio die Chance auf eine Medaille realistisch sein soll.
Erkenntnisse erwartet
Die Brasilianer, in Tokio Gruppengegner der deutschen Mannschaft, und vor allem die Ägypter werden mögliche Schwachstellen aufzeigen. Aus den Exoten sind längst ernsthafte Mitbewerber geworden, die Ägypter gelten in Tokio als Geheimfavorit für eine Medaille. „Wir wissen nicht genau, wo wir stehen“, sagte Gislason und baut darauf, Sonntagabend entscheidende Erkenntnisse gesammelt zu haben. Zumindest für die Partie gegen Brasilien wird der Bundestrainer auf Philipp Weber verzichten müssen, der Spielmacher hat muskuläre Probleme. An seiner Stelle werden voraussichtlich Juri Knorr und Paul Drux in der Rückraummitte für sich werben können.
Gislason muss drei Spieler streichen
Gislason muss nach dem Testturnier und vor dem ersten Match in Tokio am 24. Juli gegen Spanien seinen Kader verkleinern. Nur 14 der 17 Akteure, die im Moment miteinander trainieren, dürfen zunächst ins Olympische Dorf einziehen, die drei anderen Spieler werden als Ersatz die Reise nach Tokio antreten. In Nürnberg geht es deshalb nicht nur um die Feinabstimmung für die Mannschaft, sondern ein bisschen auch um die finale Kadernominierung.
„Wir werden viele Erkenntnisse gewinnen“, sagte Gislason.