Frauenfußball RHEINPFALZ Plus Artikel Wer die Top-Gehälter im deutschen Frauenfußball zahlt

Topverdiener: Der VfL Wolfsburg und Bayern München zahlen fünfstellige Gehälter.
Topverdiener: Der VfL Wolfsburg und Bayern München zahlen fünfstellige Gehälter.

Die Frauen-Fußball-Bundesliga ist noch ein Zuschussgeschäft. Einen Gewinn erwirtschaftet bislang kein Klub. Dennoch ist der DFB zufrieden mit der Entwicklung des Produkts Frauenfußball.

Es verwundert kaum, dass die Frauen-Bundesliga mit Wachstumsraten aufwartet, von denen die ersten drei Männer-Ligen aktuell weit entfernt sind. Noch immer ist das Ausgangsniveau vergleichsweise niedrig. Die oberste deutsche Spielklasse der Fußballerinnen soll größer und stärker werden – und da sieht die für den Frauen- und Mädchenfußball zuständige DFB-Vizepräsident Silke Mammitzsch eine gute Entwicklung: „Was Sichtbarkeit, Reichweite und Erträge angeht, konnte unsere Liga erneut zulegen.“ Zur Wahrheit gehört auch: Die Ausgaben wachsen derzeit deutlich schneller als die Einnahmen.

Die fast drei Millionen Euro Gesamtaufwendungen pro Klub in der Saison 2021/2022 bedeuteten in den vergangenen fünf Jahren eine Steigerung von mehr als 50 Prozent – und sind ebenso ein Rekordwert. Die Gesamteinnahmen decken nicht mal mehr den Personalaufwand. Im Schnitt zahlen die Klubs 1,64 Millionen Euro an Gehältern. Steigerungsrate gegenüber der Saison 2017/2018: 55 Prozent. Hartmann sieht darin „einen Indikator für Professionalisierung“. Dennoch bestehen zwischen den einzelnen Klubs große Unterschiede. Abstiegskandidaten bieten mitunter nur dreistellige Aufwandsentschädigungen, während sich Topklubs wie VfL Wolfsburg und FC Bayern München fünfstellige Monatsgagen leisten – auch um international nicht den Anschluss zu verlieren.

Kleine Klubs kämpfen ums Überleben

Tobias Trittel, Koordinator Sport Frauenfußball beim VfL Wolfsburg und designierter Vorsitzender des Ausschusses Frauen-Bundesligen, deutete an, dass sich den Aufwand fast nur noch Lizenzvereine leisten können. Frauenfußballvereine wie Turbine Potsdam oder ein Ausbildungsklub wie SGS Essen müssen schon jetzt um ihre Konkurrenzfähigkeit fürchten. Nächste Saison könnte RB Leipzig aufsteigen, mittel- und langfristig ist mit Borussia Dortmund oder Union Berlin zu rechnen. Hertha BSC, das die Kooperation mit Turbine Potsdam beendet hat, will selbst eine Frauen-Abteilung gründen.

Noch handelt es sich auf oberster Ebene aber um ein Zuschussgeschäft. Ein Frauen-Bundesligist macht im Schnitt fast 1,5 Millionen Euro Verlust, wobei es bei den vier Klubs ohne einen Lizenzverein im Rücken in der Vorsaison (Potsdam, Essen, SC Sand, Carl-Zeiss Jena) im Schnitt nur 151.000 Euro waren.

Trotz der negativen Zahlen sieht DFB-Abteilungsleiter Manuel Hartmann „einen positiven Trend“: Noch immer sei die Liga „in einer Investitionsphase und in keiner wirtschaftlich bedrohlichen Situation“. Das Geld der Lizenzvereine sei gut angelegt, um an Image und Marke zu feilen. Die Frauen-Bundesliga hat in 2021/2022 Gesamterlöse von rund 17 Millionen Euro generiert. 40 Prozent mehr als in der Saison davor, dennoch gelten die Erträge aus Werbung (678.000 Euro im Schnitt), medialen Verwertung (244.000) oder Zuschauereinnahmen (76.000) als ausbaufähig. In der Vorsaison kamen im Schnitt 800 Zuschauer. Nun war allein schon in der Hinrunde mit im Schnitt knapp 3000 Fans pro Spiel der Zuspruch größer als in jeder Spielzeit zuvor. Die EM in England hat offenbar nachhaltig für höheres Interesse gesorgt, dass nun durch mehr Sichtbarkeit im Fernsehen befeuert wird. Vergangene Spielzeit wurde 77 Stunden übertragen, mit dem neuen TV-Vertrag wird ab der Saison 2023/2024 die nächste Stufe mit insgesamt 32-Live-Übertragungen im Free-TV gezündet. Einher geht aber auch die Zerstückelung des Spieltags von Freitag bis Montag.

Zukunftsszenario: 16 Teams in Bundesliga

Für die Frauen-Bundesliga steigen die TV-Einnahmen nächste Saison auf 5,1 Millionen Euro. Zudem ist aber auch das Format mit zwölf Vereinen für die nächsten vier Jahre festgeschrieben. „Früher als der Saison 2027/2028 ist eine Aufstockung nicht realistisch“, sagt Hartmann. Laut einer DFB-Studie könnte der kommerzielle Wert in den nächsten zehn Jahren noch steigen. 2031 könnte es eine Frauen-Bundesliga mit 16 Klubs geben, die dann 130 Millionen Euro in einer Saison umsetzt.

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