Meinung
Warum viele Pfälzer die Fifa-Farce um Donald Trump widerlich fanden
Selten zuvor haben wir als Redaktion zu einem Sportthema, das nicht mit dem 1. FC Kaiserslautern zu tun hat, so viele Zuschriften von Leserinnen und Lesern bekommen wie in dieser Woche zur grotesken Auslosungszeremonie für die Fußball-WM 2026. Warum mich das persönlich hoffen lässt? Dazu gleich.
Es ging in den Mails und Briefen wohlgemerkt nicht um die deutsche Vorrundengruppe, für die sich das einst von Joachim Löw stets bemühte Bonmot „schwer, aber machbar“ wohl allenfalls auf das etwaige Vorhaben beziehen dürfte, Gruppenletzter zu werden, um ganz sicher zum dritten Mal in Folge bei einer WM nach der Punktrunde auszuscheiden. Nein, es ging um Donald Trump und Fifa-Chef Gianni Infantino. Um dessen unterwürfige Anbiederung an den selbstherrlichen US-Präsidenten, die nun in der Erfindung und Verleihung eines sogenannten Friedenspreises, dessen fast obszöne Trophäe größer ist als der Fußball-Weltpokal, ihren vorläufigen Höhepunkt fand.
Aber deswegen ein WM-Boykott am TV?
Mir ist klar, dass es in der Pfalz nicht wenige Menschen gibt, die Trump und seinen Weg der Demokratieaushöhlung ganz toll finden. Aber was mich hoffen ließ, war die Tatsache, dass sämtliche Zuschriften das glitschig-schleimige Geschehen in Washington widerlich, ja sogar eklig fanden. Sogar vom WM-Boykott via TV-Fernbedienung ist bei einigen nun die Rede.
Das wiederum hätte unsere Nationalmannschaft mit Julian Nagelsmanns mutigem – oder doch eher fatalistischem? – Ansatz, diese WM im nächsten Sommer gewinnen zu wollen, nicht verdient. Aber dass der „große“ Fußball mit solchen Schmierenkomödien sich selbst und vor allem denen schadet, die ihn lieben, von den Bundesligen und die Amateurklassen bis in die untersten Ligen und zur F-Jugend, das gehört leider auch zur bitteren Wahrheit.
Bitte fairen Spieler nicht abstrafen
Weg vom groben Foulspiel auf dem sportdiplomatischen Parkett hin zum echten Fairplay auf dem grünen Rasen. Kennen Sie Arne Larsen Økland? Es wäre wohl nur ein wenig vermessen, ihn als Vorfahr der neuzeitlichen norwegischen Tormaschine Erling Haaland zu bezeichnen. Denn die 43 Treffer, die Økland Anfang der 80er Jahre in drei Spielzeiten für Bayern Leverkusen erzielte, sind ja frühwahr keine üble Quote. Aber Berühmtheit erlangte er vor allem durch ein Spiel. In dem ihm ein Hattrick gegen den amtierenden Meister FC Bayern gelang. Aber sein Ruhm speiste sich aus einem Tor, das er eben nicht erzielte.
Es stand damals bereits 3:0, als Økland etwas gelang, was unser für seine Freundlichkeit und seinen Humor allseits geschätzter Speyerer Amateurfußball-Autor Hans Moster einst immer „Hattrick mit Zugabe“ nannte – sein vermeintliches 4:0 gegen die aus allen Fugen geratenen Bayern. Doch der Ball lag hinter dem Tor im Netz, kaum ersichtlich, jedenfalls nicht für Schiedsrichter Werner Horeis. Der wollte schon wieder anpfeifen, da stand Økland bei ihm und stellte klar, dass er nur das Außennetz getroffen habe. Kein Tor also, Horeis nahm die Entscheidung zurück, schüttelte dem Spieler zum Dank die Hand. Als der faire Økland später gefragt wurde, ob er die Selbstanzeige auch beim Stande von 0:0 gewagt hätte, soll er geantwortet haben: „Ich weiß es nicht, aber ich hoffe es.“
Hätte ich das auch getan?
Økland geht auf jeden Fall als Vorfahr des aktuellen Bundesliga-Profis Yannik Engelhardt durch, der vor einer Woche ähnlichen, vielleicht sogar noch größeren Sportsgeist demonstrierte. Obwohl in seinem Fall auch mich das Gefühl und die Frage beschleicht: Ganz ehrlich, ob ich das auch getan hätte? Denn im eh schon für viele undurchdringlichen Dschungel an Handspielregelungen im Fußball war ihm etwas passiert, was keine Empörung ausgelöst hätte, wäre es so durchgangen.
Bei einem Eigentor des Mainzer Verteidigers Maxim Leitsch in der 17. Minute war dem Mönchengladbacher Engelhardt der Ball, wie er Schiedsrichter Benjamin Brand gestand, kurz über den Zeigefinger gestrichen. Eine minimale Berührung, die die Bahn des Balles in keinster Weise beeinflusste. Aber die Regel ist in diesem Fall mal eindeutig: Grundsätzlich ist ein Treffer ungültig, wenn ein Spieler der angreifenden Mannschaft den Ball unmittelbar vor der Torerzielung mit der Hand berührt.
Als Engelhardt sich selbst anzeigte, stand es noch 0:0 und nicht 3:0. Umso tiefer dürfte ihm nach Herz in die Hose gerutscht sein, als der Treffer tatsächlich aberkannt wurde – damit hatte er, anders als einst Økland – nicht gerechnet. „Der Ball wäre ja sowieso reingegangen, von daher gab es keinen Grund, den Treffer abzuerkennen“, hatte er sicher nicht als einziger gedacht. Jetzt kennt auch er die Regel besser. Sein Geständnis nötigt mir dennoch Respekt ab – und ich hoffe sehr, dass ihm wegen seiner Ehrlichkeit hinterher in der Gladbacher Kabine nicht allzu heftig auf besagten Zeigefinger geklopft worden ist.