Eishockey
Warum Torwartlegende Dennis Endras die Adler Mannheim verlässt
Zehn Jahre, 393 Spiele, 23.129 Minuten Spielzeit – eine kleine Ewigkeit im mitunter schnelllebigen Profigeschäft. Endras hat in Mannheim fraglos Eishockey-Geschichte geschrieben, auch mit zwei deutschen Meisterschaften 2015 und 2019. „Eine unglaublich schöne Zeit, es war vieles dabei, in alle Richtungen“, sagte der 36-Jährige der RHEINPFALZ.
„Großes Kopfkino“ wegen Augsburgs Angebot
So musste Endras dann doch schlucken, als die zwei Schriftstücke zum Unterzeichnen vor ihm lagen – der Auflösungsvertrag der Adler und der neue Kontrakt der Augsburger Panther. „Vor einigen Wochen kam das Thema auf den Tisch“ erzählt der langjährige Nationaltorwart und WM-Held von 2010. Als der Abschied von Goalie Patrick Roy feststand, bemühten sich die Augsburger um ihren einstigen Star. „Ab da war großes Kopfkino. Kein Tag verging, an dem wir in der Familie nicht diskutiert haben“, sagt Endras. Die Familie – das sind Söhnchen Ian, der bald zwei wird, Endras’ Frau Lisa sowie zwei Katzen und der Hund.
Endras, gebürtiger Immenstädter, hat nie verleugnet, dass ihm die alte Heimat sehr am Herzen liegt. „Aber Mannheim, die SAP-Arena, ist zu meiner Wahlheimat geworden“, beteuert der Allgäuer. Sein Vertrag mit den Adlern lief noch bis 2023. „Dennis hat immer offen, respektvoll und ehrlich mit uns kommuniziert. Seine Beweggründe sind nachvollziehbar. Es war keine Frage, dass wir seiner Bitte nachkommen, auch wenn sein Abgang eine enorme Lücke hinterlässt“, betonte Mannheims Geschäftsführer Matthias Binder.
Eine Niederlage tut immer noch weh
2010 ging der Stern des damals noch jungen Torwarts auf. Endras stieß mit Augsburg sensationell ins Meisterschaftsfinale 2010 vor, scheiterte an den Hannover Scorpions. „Ich musste viele Niederlagen wegstecken, was mir auch gelungen ist. Aber diese Narbe ist noch sichtbar“, gibt Endras zu. Und er weiß, dass die Erwartungshaltung bei den Panthers, die eine enttäuschende Saison hinter sich haben, groß sein dürfte.
„Sportlich brenne ich auf die Herausforderung“, sagt er und stellt fest: „Eine Entscheidung auch für die Familie. Es ist schon ein Unterschied, ob der Kleine den Opa nur drei, viermal im Jahr sieht oder öfter.“ Die Familie hat nun einige Koffer zu packen. „In zehn Jahren hat sich doch viel angesammelt“, sagt Endras lachend vor dem „bittersüßen Abschied“. Die Adler verlieren einen Fanliebling und großartigen Sportsmann. Als Nachfolger ist Mirko Pantkowski (23; Düsseldorfer EG), einst bei den Jungadlern ausgebildet, im Gespräch.