Handball
Warum die Weltmeisterschaft in Ägypten unbedingt stattfinden soll
„Es gibt aktuell keine coronabedingte Reisewarnung für Ägypten, aber für Luxemburg und Teile Spaniens“, sagt Patric Strub. Der „Competitions Director“ der IHF ist bemüht, der in Deutschland geführten Diskussion um die Austragung der Weltmeisterschaft im kommenden Januar die Schärfe zu nehmen. Strub ist Deutscher und hat in Basel, dem Sitz der Internationalen Handball-Föderation, mitbekommen, dass in seiner Heimat laut darüber nachgedacht wird, ob die WM im nächsten Jahr stattfinden soll. „Nach derzeitigem Stand gibt es keinen Grund, die Weltmeisterschaft abzusagen“, unterstreicht Strub.
Verschiedene Szenarien denkbar
Derzeit ist nicht klar, unter welchen Bedingungen das Turnier ausgetragen werden kann, aber die Ausrichtung der globalen Titelkämpfe wird nicht in Frage gestellt. Die IHF hat eine Arbeitsgruppe gebildet, die im Moment verschiedene Szenarien durchspielt. Es ist denkbar, dass die WM ohne Zuschauer stattfindet oder nur mit einer begrenzten Anzahl von Fans in den Arenen. Möglicherweise wird ein „Bubble-Konzept“ angewendet, ähnlich dem im Basketball, um die Gefahren entgegenzuwirken, die durch das Coronavirus bestehen. „Es gibt verschiedene Szenarien, die derzeit erarbeitet werden“, sagt Strub – eine Absage der Weltmeisterschaft ist deshalb kein Thema. Allein durch die TV-Vermarktung ist dem Weltverband eine Millionen-Einnahme sicher. Die Fallzahlen in Ägypten bewegen sich auf einem niedrigen Niveau, berichtet der IHF-Vertreter.
Einnahmen elementar
„Alle Indikationen, Anweisungen und Informationen sagen ja“, gibt sich ein Sprecher des Organisationskomitees der WM in Kairo zuversichtlich. In Ägypten sind die WM-Planer zuversichtlich, Zuschauer in den Arenen zulassen zu können, nachdem das Land zuletzt eine deutlich sinkende Anzahl von Corona-Neuinfektionen vermelden konnte. Am 5. September ist die Gruppenauslosung geplant, weiterhin soll an vier Standorten gespielt werden – der Optimismus der Ägypter ist ungebrochen. Schließlich soll die Weltmeisterschaft im Januar nicht nur die besten Mannschaften der Handball-Welt ins Land holen, sondern gleichzeitig eine Huldigung für Hassan Moustafa sein. Der Ägypter, Spitzname „Pharao“, ist seit fast 20 Jahren Präsident der IHF, und die WM in seiner Heimat ist eine Art Geschenk an sich selbst.
Die Bedeutung der Weltmeisterschaft für die IHF geht aber über die Befindlichkeiten des Präsidenten hinaus. Wie viele Sportverbände hat auch die IHF unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu kämpfen und die WM der Männer ist die Veranstaltung, mit der der Verband Geld verdient. Eine Absage hätte schwerwiegende Folgen, das Weiterbestehen der IHF stünde auf dem Spiel. Schon aus diesem Grund ist der Weltverband verdammt, alle Möglichkeiten zu nutzen, damit im Januar in Ägypten gespielt werden kann.
Auch der DHB hofft auf die WM
Die WM ist aber nicht nur für den Weltverband von großer wirtschaftlicher Relevanz, auch die teilnehmenden Nationen sind auf die Einnahmen angewiesen. „Die großen Turniere sind eine wichtige Möglichkeit, um unsere Sponsoren zu repräsentieren“, sagt Bob Hanning. Für den Vizepräsidenten des Deutschen Handballbundes (DHB), parallel auch Manager der Berliner Füchse, ist die WM von großer Bedeutung, nicht nur wegen der Finanzen. „Eine WM ist das größte Schaufenster, das unser Sport haben kann“, sagt Hanning. Aus seiner Sicht hätte eine Absage des Turniers bittere Konsequenzen für den Sport in Deutschland, denn nur im Januar erreichen die Handballer mit einer Europa- oder Weltmeisterschaft ein Millionen-Publikum.
Deutsche Liga befürwortet das Turnier
Auch die deutsche Handball-Liga (HBL) befürwortet aus diesem Grund die Austragung des Turniers, obwohl die Liga in den kommenden Monaten vor großen Terminschwierigkeiten steht. Nach dem Abbruch der vergangenen Saison wurde die Bundesliga auf 20 Teams aufgestockt, zwischen Oktober 2020 und Juni 2021 stehen Klubs und Spieler vor einem Spiele-Marathon. „Wir sollten da unbedingt hinfahren“, sagt Frank Bohmann – trotz aller Terminprobleme. Der HBL-Boss weiß um die Sogwirkung einer Weltmeisterschaft für die Liga. Hinzu kommt, dass eine Absage jetzt kaum positive Effekte auf die Spiele-Hatz hätte. „Der Rahmenterminplan ist erstellt“, sagt Bohmann. Nur wenige Partien könnten verlegt werden, eine Entzerrung des Spielplans wäre nur in Ansätzen möglich.
Letztlich profitieren alle Parteien von einer Weltmeisterschaft im Januar und sind deshalb daran interessiert, eine Durchführung zu ermöglichen. Fraglich ist – neben der Entwicklung der Pandemie – nur noch, unter welchen Bedingungen in Ägypten gespielt werden kann.