Olympia
Warum das Klima zum Feind werden kann
Der ein oder andere ist gut vorbereitet. Ein Helfer auf dem Busbahnhof für Medienschaffende trägt eine Kühlweste. Der junge Mann wirkt entspannt, weil er mit dem technischen Hilfsmittel die Auswirkungen der Hitze in der Hauptstadt von Japan nur gedämpft ertragen muss. Wie ihm geht es vielen Athleten bei den Olympischen Spielen in Tokio aber nicht, sie müssen im Wettkampf auf kühlende Hilfsmittel verzichten.
Corona verdrängt die Klima-Debatte
Das bringt Probleme mit sich. „Die Luftfeuchtigkeit spielt eine große Rolle. Die macht den Unterschied. Zum Teil wird sie um 90 Prozent liegen, was zu einer Herausforderung für die Ausdauerdisziplinen wird“, sagte der deutsche Olympia-Arzt Bernd Wolfarth. Der Mediziner berät die Athleten im Vorfeld der Wettbewerbe. Durch die Corona-Pandemie wird die Akklimatisierung erschwert, Trainingslager in der Region waren im Vorfeld gar nicht oder nur mit erheblichen Einschränkungen möglich. Zusätzlich verschwand die Thematik aus den Köpfen vieler, weil die Sorge vor dem Covid-19-Erreger die Debatten bestimmte. Spätestens mit der Einreise nach Japan folgte die Gewissheit, dass nicht nur der Gegner zum Feind werden kann, sondern auch das Klima. Mit eisgekühlten Handtüchern und Ventilatoren an der Ersatzbank versuchen die Hockey-Spieler einer Überhitzung entgegenzuwirken.
Eine Verlegung ist heute nicht mehr möglich
Bei der olympischen Premiere in Tokio waren die Spiele vor 57 Jahren aus klimatischen Erwägungen in den Oktober verlegt worden. So etwas ist heute nicht mehr einfach so umsetzbar, weil die weltweiten Wettkampfpläne daraus aufgelegt sind, dass die Olympischen Spiele Ende Juli und Anfang August stattfinden. Zudem sind die für viel Geld verkauften TV-Rechte an bestimmte Übertragungszeiten gekoppelt. Dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) sind deshalb die Hände gebunden – es muss die Athleten den schwierigen äußeren Umständen aussetzen.
Für die Marathonläufer und die Geher auf der Langdistanz wurde eine Ausnahme geschaffen – sie halten ihre Wettbewerbe im 1000 Kilometer nördlich gelegenen Sapporo ab. Ihnen ist auf diese Weise geholfen, während der große Rest Wege finden muss, um die Belastungen zu ertragen. Hockeyspieler Tobias Hauke hat die Gefahr erkannt. „Es ist extrem heiß und schwül“, sagte er und kämpft mit positiven Gedanken gegen die Bedingungen an. „Das verlangt einem alles ab, aber das ist auch geil.“
