Sportkolumne Warum das FCK-Aufstiegsrennen nicht die krasseste Sportentscheidung wird
Natürlich, kein Thema bewegt die Fußball-Pfalz in diesen Tagen mehr als das irre Aufstiegsrennen in der Zweiten Bundesliga um Relegationsplatz drei. Oder gar mehr? Diese Frage muss mal wieder der zuletzt notorische Aufstiegsverweigerer HSV beantworten, aber lassen wir das. Der 1. FC Kaiserslautern ist jedenfalls mittendrin in diesem Rennen. Nicht minder rasant: Der Abstiegskampf in der Zweiten Handball-Bundesliga, und auch hier mischt ein pfälzischer Verein mit, diesmal un(frei)willig, die Eulen Ludwigshafen.
Aber die wirklich krasseste Entscheidung um Aufstieg und Abstieg ist Stand jetzt bereits in dieser Woche gefallen. Zugegeben, die bis zum späten Dienstagabend unbeantwortete Frage, ob die Dresdner Eislöwen künftig in der Deutschen Eishockey-Liga spielen werden, war in unserer Region allenfalls semi-spannend. Dass aber dann im siebten (!) Finalspiel der DEL2 in der Verlängerung (!!) ein einziger Schuss (!!!) den Abstieg der ruhmreichen Düsseldorfer EG besiegelt, ist schon verrückt. Zur Erklärung: Hätten die Ravensburg Towerstars die Zweitliga-Meisterschaft gewonnen, wäre gar nichts passiert, sie haben aus wirtschaftlichen Gründen kein Aufstiegsrecht beantragt. So hat’s die DEG im 90. Jahr ihres Bestehens auf der Couch erwischt. Immerhin: Der achtmalige deutsche Meister, der seit dem 7. März als feststehender DEL-Letzter diesen Moment be- und gefürchtet hatte, ging mit Grandezza mit dem Drama um. Motto: Wir haben’s halt nicht anders verdient. Gleichwie: Der DEL wird der viertgrößte Standort (nach Köln, Berlin, Mannheim) fehlen.
Tobias Eders Schicksal weckt Erinnerungen
Anderes Thema, auch wenn’s zufällig wieder Eishockey ist. Wenn eine Mannschaft im Moment des Triumphs den soeben gewonnen Titel einem verstorbenen Teamgefährten widmet, ist das per se schon berührend. Und wenn dann, wie vergangene Woche im Fall der Eisbären Berlin, auch noch die Verlobte von Eishockey-Profi Tobias Eder in dessen Trikot der Siegerehrung beiwohnt, ist das doppelt bewegend. Eder war am 29. Januar einem Krebsleiden erlegen, die gesamte Liga hielt den Atem an, alle Klubs meldeten sich an diesem Tag mit gleichsam mitfühlenden wie Fassungslosigkeit ausdrückenden Statements zu Wort. Die Eishockey-Welt ist eine vergleichsweise kleine, hier rückte sie wieder einmal ganz eng zusammen.
Mich hat Tobias Eders Schicksal insofern sehr bewegt, als dass ich ein ähnliches in meiner Reporterlaufbahn bei den Adlern Mannheim selbst miterleben musste. Vor 19 Jahren wurde bei Torwart Robert Müller ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert. Als die Adler im April 2007 deutscher Meister wurden, durfte der bis dato immer lustige und nie um einen Spruch verlegene Bayer aus Rosenheim die letzten 31 Sekunden des entscheidenden Finalspiels in der ausverkauften SAP-Arena gegen Nürnberg im Tor stehen.
Ein unvergesslicher Moment, der auch Hoffnung nährte. Denn Müller verließ die Adler danach zwar, aber er spielte wieder Eishockey, der Krebs schien kontrollierbar. Nach einer weiteren Operation im Oktober 2008 allerdings entband er seinen Arzt von der Schweigepflicht und machte so öffentlich, dass seine mittlere Lebenserwartung in dieser speziellen Lage eigentlich schon überschritten war. Von da an ging es nur noch bergab, zwei Monate später erklärte er im Alter von 28 sein Karriereende. Es wurde ganz still um Robert Müller, bis am 21. Mai die Eilmeldung von seinem Tod kam. So unsagbar schwer mir an diesem Tag das Schreiben über ihn fiel, in den Wochen und selbst Jahren danach dachte ich oft daran, wie positiv Robert Müller in all unseren Gesprächen und Plaudereien abseits des Eises war, wie witzig, hintergründig, manchmal sarkastisch. Ich denke, den Kolleginnen und Kollegen in Berlin, die viel mit Tobias Eder zu tun hatten, geht es nun genauso.